Deutschland steht nach aktuellen Daten vor einem starken Ausbau bei Großbatteriespeichern – welchen Beitrag können diese aus Ihrer Sicht bei der Energiewende grundsätzlich leisten?
Großbatteriespeicher sind ein unverzichtbarer Baustein des modernen Energiesystems, denn sie können Raum und Zeit überbrücken. Man kann sie sich wie einen Puffer vorstellen: Sie nehmen Strom auf, wenn viel da ist und geben ihn wieder ab, wenn er gebraucht wird. So helfen sie, Schwankungen zwischen Erzeugung und Verbrauch auszugleichen. Das macht unsere Energieversorgung effizienter und stabiler.
Wie bedeutend ist der schnelle Ausbau einer intelligenten Steuerung des Stromverbrauchs in diesem Zusammenhang?
Die Steuerung des Stromverbrauchs und der Ausbau von Speichern sind wichtige Bausteine für ein flexibles Stromsystem. Speicher allein können nicht alle Flexibilitätsanforderungen abdecken. Durch Digitalisierung, insbesondere den Rollout intelligenter Messsysteme, und geeignete Marktanreize können Verbraucher ihren Stromverbrauch stärker an Zeiten mit hoher erneuerbarer Einspeisung anpassen. Das reduziert Verbrauchsspitzen, senkt Systemkosten und erhöht die Effizienz des Gesamtsystems. Ein intelligentes Zusammenspiel beider Bausteine ist entscheidend, um die Energiewende kosteneffizient, sicher und nachhaltig zu gestalten. Der Ausbau von Speichern und die Aktivierung von Nachfrageflexibilität müssen deshalb gemeinsam vorangetrieben werden.
Experten wenden ein, dass Großspeicher für Strommangel über längere Zeiträume nicht geeignet seien – wie sollte man sich für längere sogenannte Dunkelflauten wappnen?
Vorab möchte ich unterstreichen: Wir werden viele verschiedene Lösungen im Umgang mit Dunkelflauten brauchen. Batteriespeicher sind sehr gut darin, kurzfristige Schwankungen auszugleichen. Sie können Strom über mehrere Stunden speichern und dann wieder einspeisen. Die Technologie entwickelt sich erfreulicherweise schnell weiter und die Kapazität steigt. Speicher erzeugen selbst keinen Strom. Über mehrere Tage am Stück können Speicher allein daher keine umfassende Sicherheit für die Versorgung bieten. Die durchschnittliche Dauer von Dunkelflauten in den letzten Jahren betrug über drei Tage, im Maximum bis zu acht Tagen. Sie traten gut vier Mal pro Jahr vor allem in den Wintermonaten auf.
Zum Überbrücken längerer Phasen ohne Wind und Sonne in Deutschland ist auch der europäische Strombinnenmarkt wichtig. Daher gilt es, weiterhin mehr grenzüberschreitende Stromflüsse zu ermöglichen und die Interkonnektoren zu unseren europäischen Nachbarn weiter auszubauen.
Daneben brauchen wir verschiedene Formen von Lösungen, die zusammenwirken: Dazu gehören Pumpspeicherkraftwerke, schnell verfügbare Großbatteriespeicher und wasserstofffähige Gaskraftwerke. Vor allem letztere sind wichtig, da sie auch über mehrere Tage Strom liefern können – nämlich dann, wenn die Nachfrage nicht durch Erneuerbare, Speicher oder Stromimporte gedeckt werden kann. Batteriespeicher sind also ein wichtiger Teil der Lösung. Bei Dunkelflauten brauchen wir einen breiten Werkzeugkasten und eine gute Kombination dieser Werkzeuge.
Welchen Rahmen sollte die Politik für einen Ausbau der Großspeicher setzen?
In den vergangenen Jahren wurden bei Energiespeichern regulatorisch große Fortschritte erzielt. Diesen Weg müssen wir konsequent weitergehen.
Wir erwarten, dass die Politik den dringenden Handlungsbedarf bei Netzanschlussverfahren erkennt und behebt. Denn gerade in den Hoch- und Mittelspannungsebenen konkurrieren inzwischen viele Anschlussbegehren um begrenzte Kapazitäten: Rechenzentren, Großwärmepumpen, Ladeinfrastruktur, Industrie – und eben auch Batteriespeicher. Netzkapazität ist zu einem knappen Gut geworden.
Deshalb brauchen wir neue, transparente Regeln für Netzanschlüsse. Das alte Prinzip ‚Wer zuerst kommt, mahlt zuerst‘ stößt zunehmend an seine Grenzen. Zielführend sind beispielsweise Verfahren, die Reifegradkriterien besonders berücksichtigen. So können vor allem Projekte zum Zug kommen, die tatsächlich und zeitnah umgesetzt werden. Wenn die Nachfrage größer ist als das Angebot, muss Netzkapazität effizient, fair und transparent vergeben werden.
Auch im Baurecht müssen Restriktionen auf ein realistisches Maß reduziert werden. Die bestehenden Abstandsvorgaben lassen im wahrsten Sinne des Wortes kaum noch Platz für den Ausbau von Speichern sowie der dazugehörigen Anlagen und Netze. Deshalb fordern wir hier eine deutliche Anpassung, um nicht künstlich Konflikte um Flächen zu schaffen.
Bei der anstehenden Überarbeitung der Netzentgeltsystematik brauchen wir kluge Lösungen. Anreize für Speicher müssen so ausgestaltet werden, dass netzdienlicher Flexibilitätseinsatz angemessen honoriert wird. Nur so können Speicher ihr volles Potenzial für das Stromsystem entfalten.

