Deutschland steht nach aktuellen Daten vor einem starken Ausbau bei Großbatteriespeichern – welchen Beitrag können diese aus Ihrer Sicht bei der Energiewende grundsätzlich leisten?
Großbatteriespeicher entkoppeln Erzeugung und Verbrauch zeitlich – das ist ihr entscheidender Beitrag. Dort, wo mehr Strom erzeugt wird als benötigt, etwa bei starker PV-Einspeisung im Sommer, sind die Preise niedrig oder sogar negativ. In Zeiten hoher Nachfrage und geringer Erzeugung steigen sie. Ein wirtschaftlich betriebener Speicher lädt genau dann, wenn Übererzeugung herrscht, und gibt die Energie wieder ab, wenn sie gebraucht wird. Das ist systemdienlich. Allerdings ist Systemdienlichkeit nicht gleich Netzdienlichkeit – ein wichtiger Unterschied. In der Praxis sehen wir regelmäßig, dass ein Speicher, der auf Gesamtsystemebene sinnvoll ist, an einzelnen Netzverknüpfungspunkten Engpässe hervorrufen kann. Schon heute sind die Netze nicht in der Lage, alle Anschlussanfragen für Speicher zu bedienen. Das muss individuell bewertet werden.
Wie bedeutend ist der schnelle Ausbau einer intelligenten Steuerung des Stromverbrauchs in diesem Zusammenhang?
Bei Großbatteriespeichern ist intelligente Steuerung bereits immanent. Ein Speicher, der am Strommarkt agiert, wird über die Marktpreise gesteuert: Er lädt bei niedrigen Preisen und speist bei hohen ein. Ein Großspeicher ohne Energiemanagement wäre schlicht nicht wirtschaftlich. Darüber hinaus ist natürlich jede Form der Laststeuerung grundsätzlich sinnvoll, um das Gesamtsystem zu stabilisieren.
Experten wenden ein, dass Großspeicher für Strommangel über längere Zeiträume nicht geeignet seien – wie sollte man sich für längere sogenannte Dunkelflauten wappnen?
Das stimmt, die Überbrückung längerer Dunkelflauten ist nicht das Geschäftsmodell von Großbatteriespeichern. Dafür brauchen wir andere Lösungen. Pumpspeicherkraftwerke leisten zwar einen Beitrag, aber dort sind wir in Deutschland in der Sättigung, mehr werden sehr wahrscheinlich nicht gebaut. Der langfristige Weg führt über Wasserstoff: Überschüssiger Strom wird per Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt, zwischengespeichert und bei Bedarf etwa durch wasserstofffähige GuD-Anlagen wieder verstromt. Dafür ist der Aufbau eines Wasserstoffnetzes gesetzlich vorgesehen und beschlossen.
Welchen Rahmen sollte die Politik für einen Ausbau der Großspeicher setzen?
An erster Stelle steht Investitionssicherheit. Derzeit prüft die Bundesnetzagentur, ob und wie lange die Netzentgeltbefreiung für Speicher fortgesetzt wird. Für viele Batteriespeicherprojekte ist das eine erhebliche Unsicherheit. Wenn im Energiewirtschaftsgesetz eine Netzentgeltbefreiung verankert ist, planen Investoren damit. Mir ist bekannt, dass in Einzelfällen bereits diskutiert wird, Speicherprojekte rückabzuwickeln, weil die Rahmenbedingungen nicht mehr verlässlich erscheinen. Dabei ist bemerkenswert: Großbatteriespeicher erhalten keine Förderung im klassischen Sinne. Es gibt keinen anzulegenden Wert und keine Fixvergütung wie bei Wind- oder PV-Anlagen. Der Business Case trägt sich grundsätzlich von selbst. Umso wichtiger ist es, dass die Politik zumindest auf der Kostenseite für Stabilität sorgt. Wer Fremdkapital aufnimmt und Finanzierungszyklen von fünf bis zehn Jahren plant, muss sich auf die geltenden Rahmenbedingungen verlassen können. Die Netzentgeltbefreiung sollte aufrechterhalten werden – Planungssicherheit ist das A und O.
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