Menue-Button
← FACHDEBATTE
Interview16.06.2026

Verband fordert Stabilität auf der Kostenseite

Wie sich Großbatteriespeicher wirtschaftlich tragen und warum die Politik Planungssicherheit liefern muss

Richard Plum - Geschäftsführer des edna Bundesverband Energiemarkt & Kommunikation e.V. Quelle: edna Richard Plum Geschäftsführer edna Bundesverband Energiemarkt & Kommunikation e.V.
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
ZUR FACHDEBATTE

"Großbatteriespeicher entkoppeln Erzeugung und Verbrauch zeitlich – das ist ihr entscheidender Beitrag", betont Richard Plum vom edna Bundesverband Energiemarkt & Kommunikation. Er fordert von der Politik klare Rahmenbedingungen für Investitionssicherheit.





Deutschland steht nach aktuellen Daten vor einem starken Ausbau bei Großbatteriespeichern – welchen Beitrag können diese aus Ihrer Sicht bei der Energiewende grundsätzlich leisten?
Großbatteriespeicher entkoppeln Erzeugung und Verbrauch zeitlich – das ist ihr entscheidender Beitrag. Dort, wo mehr Strom erzeugt wird als benötigt, etwa bei starker PV-Einspeisung im Sommer, sind die Preise niedrig oder sogar negativ. In Zeiten hoher Nachfrage und geringer Erzeugung steigen sie. Ein wirtschaftlich betriebener Speicher lädt genau dann, wenn Übererzeugung herrscht, und gibt die Energie wieder ab, wenn sie gebraucht wird. Das ist systemdienlich. Allerdings ist Systemdienlichkeit nicht gleich Netzdienlichkeit – ein wichtiger Unterschied. In der Praxis sehen wir regelmäßig, dass ein Speicher, der auf Gesamtsystemebene sinnvoll ist, an einzelnen Netzverknüpfungspunkten Engpässe hervorrufen kann. Schon heute sind die Netze nicht in der Lage, alle Anschlussanfragen für Speicher zu bedienen. Das muss individuell bewertet werden.

Wie bedeutend ist der schnelle Ausbau einer intelligenten Steuerung des Stromverbrauchs in diesem Zusammenhang?
Bei Großbatteriespeichern ist intelligente Steuerung bereits immanent. Ein Speicher, der am Strommarkt agiert, wird über die Marktpreise gesteuert: Er lädt bei niedrigen Preisen und speist bei hohen ein. Ein Großspeicher ohne Energiemanagement wäre schlicht nicht wirtschaftlich. Darüber hinaus ist natürlich jede Form der Laststeuerung grundsätzlich sinnvoll, um das Gesamtsystem zu stabilisieren.

Experten wenden ein, dass Großspeicher für Strommangel über längere Zeiträume nicht geeignet seien – wie sollte man sich für längere sogenannte Dunkelflauten wappnen?
Das stimmt, die Überbrückung längerer Dunkelflauten ist nicht das Geschäftsmodell von Großbatteriespeichern. Dafür brauchen wir andere Lösungen. Pumpspeicherkraftwerke leisten zwar einen Beitrag, aber dort sind wir in Deutschland in der Sättigung, mehr werden sehr wahrscheinlich nicht gebaut. Der langfristige Weg führt über Wasserstoff: Überschüssiger Strom wird per Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt, zwischengespeichert und bei Bedarf etwa durch wasserstofffähige GuD-Anlagen wieder verstromt. Dafür ist der Aufbau eines Wasserstoffnetzes gesetzlich vorgesehen und beschlossen.

Welchen Rahmen sollte die Politik für einen Ausbau der Großspeicher setzen?
An erster Stelle steht Investitionssicherheit. Derzeit prüft die Bundesnetzagentur, ob und wie lange die Netzentgeltbefreiung für Speicher fortgesetzt wird. Für viele Batteriespeicherprojekte ist das eine erhebliche Unsicherheit. Wenn im Energiewirtschaftsgesetz eine Netzentgeltbefreiung verankert ist, planen Investoren damit. Mir ist bekannt, dass in Einzelfällen bereits diskutiert wird, Speicherprojekte rückabzuwickeln, weil die Rahmenbedingungen nicht mehr verlässlich erscheinen. Dabei ist bemerkenswert: Großbatteriespeicher erhalten keine Förderung im klassischen Sinne. Es gibt keinen anzulegenden Wert und keine Fixvergütung wie bei Wind- oder PV-Anlagen. Der Business Case trägt sich grundsätzlich von selbst. Umso wichtiger ist es, dass die Politik zumindest auf der Kostenseite für Stabilität sorgt. Wer Fremdkapital aufnimmt und Finanzierungszyklen von fünf bis zehn Jahren plant, muss sich auf die geltenden Rahmenbedingungen verlassen können. Die Netzentgeltbefreiung sollte aufrechterhalten werden – Planungssicherheit ist das A und O.

■■■ WEITERE BEITRÄGE DIESER FACHDEBATTE

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Prof. Dr. Ingo Stadler
Forscher
TH Köln

Prof. Dr. Ingo Stadler - Cologne Institute for Renewable Energy, TH Köln
Erneuerbare Energie | Strommix | Digitalisierung

Forscher fordert Tempo bei Großspeichern

Warum es wirkliche Technologieoffenheit braucht

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Prof. Dr. Ingo Stadler
Forscher
TH Köln

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Urban Windelen
Geschäftsführer
BVES – Bundesverband Energiespeicher Systeme e.V.

Urban Windelen - Geschäftsführer, BVES – Bundesverband Energiespeicher Systeme e.V.
Erneuerbare Energie | Strommix | Digitalisierung

Über die Gefahr einer Speicherlücke

Warum die Debatte um Großspeicher häufig noch ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Urban Windelen
Geschäftsführer
BVES – Bundesverband Energiespeicher Systeme e.V.

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Kerstin Andreae
Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung
BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft

Kerstin Andreae - Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung, BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft
Erneuerbare Energie | Strommix | Digitalisierung

Verband fordert neue, transparente ■ ■ ■

Welchen Rahmen die Politik schaffen sollte

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Kerstin Andreae
Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung
BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft

ZUR FACHDEBATTE
■■■ DIESE FACHDEBATTE KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN
Dipl.- Journ. Thomas Barthel

INITIATOR
Dipl.- Journ. Thomas Barthel
Founder & Herausgeber
Meinungsbarometer.info

ÜBER UNS

Meinungsbarometer.info ist die Plattform für Fachdebatten in der digitalen Welt. Unsere Fachdebatten vernetzen Meinungen, Wissen & Köpfe und richten sich an Entscheider auf allen Fach- und Führungsebenen. Unsere Fachdebatten vereinen die hellsten Köpfe, die sich in herausragender Weise mit den drängendsten Fragen unserer Zeit auseinandersetzen.

überparteilich, branchenübergreifend, interdisziplinär

Unsere Fachdebatten fördern Wissensaustausch, Meinungsbildung sowie Entscheidungsfindung in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Gesellschaft. Sie stehen für neue Erkenntnisse aus unterschiedlichen Perspektiven. Mit unseren Fachdebatten wollen wir den respektvollen Austausch von Argumenten auf Augenhöhe ermöglichen - faktenbasiert, in gegenseitiger Wertschätzung und ohne Ausklammerung kontroverser Meinungen.

kompetent, konstruktiv, reichweitenstark

Bei uns debattieren Spitzenpolitiker aus ganz Europa, Führungskräfte der Wirtschaft, namhafte Wissenschaftler, Top-Entscheider der Medienbranche, Vordenker aus allen gesellschaftlichen Bereichen sowie internationale und nationale Fachjournalisten. Wir haben bereits mehr als 600 Fachdebatten mit über 20 Millionen Teilnahmen online abgewickelt.

nachhaltig und budgetschonend

Mit unseren Fachdebatten setzen wir auf Nachhaltigkeit. Unsere Fachdebatten schonen nicht nur Umwelt und Klima, sondern auch das eigene Budget. Sie helfen, aufwendige Veranstaltungen und überflüssige Geschäftsreisen zu reduzieren – und trotzdem die angestrebten Kommunikationsziele zu erreichen.

mehr als nur ein Tweet

Unsere Fachdebatten sind mehr als nur ein flüchtiger Tweet, ein oberflächlicher Post oder ein eifriger Klick auf den Gefällt-mir-Button. Im Zeitalter von X (ehemals Twitter), Facebook & Co. und der zunehmenden Verkürzung, Verkümmerung und Verrohung von Sprache wollen wir ein Zeichen setzen für die Entwicklung einer neuen Debattenkultur im Internet. Wir wollen das gesamte Potential von Sprache nutzen, verständlich und respektvoll miteinander zu kommunizieren.