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Interview21.04.2026

Wie digitale Technologie zum jeweiligen Landwirtschaftsbetrieb passt

Und wie der Bayern bei der Transformation hilft

Michaela Kaniber - Bayerisches Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus Quelle: Nadine Keilhofer / StMELF Michaela Kaniber Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus Freistaat Bayern
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Dipl.- Journ. Thomas Barthel
Founder & Herausgeber
Meinungsbarometer.info
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"Die Digitalisierung in der bayerischen Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahren spürbar an Dynamik gewonnen", erklärt die Bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU). Sie nennt konkrete Zahlen und berichtet von vielfältigen Förderprogrammen im Freistaat. 





Die Landwirtschaft wird immer digitaler - wie bedeutend sind digitale Technologien aus Ihrer Sicht für eine effiziente und nachhaltige Agrar-Produktion ganz grundsätzlich?
Für mich ist entscheidend, dass die die digitalen Technologien den Menschen, den Nutztieren und der Umwelt gleichermaßen zugutekommen. Dass das gelingen kann, sehen wir bereits in der Praxis – etwa beim Einsatz von Melkrobotern in unseren bayerischen Familienbetrieben. Sie helfen, auch mittelgroße Betriebe wettbewerbsfähig zu halten, ermöglichen mehr Tierwohl durch selbstbestimmtes Melken der Milchkühe und sorgen zugleich für mehr Lebensqualität in den Bauernfamilien.

Ähnlich ist es beim Einsatz von Feldrobotern. Gerade im ökologischen Landbau ist der Arbeitsaufwand, um die Kulturen möglichst unkrautfrei zu halten, sehr hoch. Hier schaffen neue Technologien spürbare Entlastung. Sie unterstützen bestehende Ökobetriebe und erleichtern zugleich anderen den Einstieg in diese Bewirtschaftungsform. Robotik und Sensorik bieten große Chancen, auch konventionelle Anbaumethoden weiter zu optimieren. Betriebe können damit den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf das notwendige Minimum reduzieren. Präzise Daten aus Sensoren und Satellitenbildern, die die Nährstoffversorgung der Nutzpflanzen messen und die exakten Düngermengen für jede Teilfläche eines Feldes berechnen, helfen unser Wasser als wichtigstes Lebensmittel besser zu schützen.

Bei aller Euphorie über die Möglichkeiten der Digitalisierung, gilt für mich aber auch: Blinde Technologiegläubigkeit darf aber nicht der Antrieb sein. Entscheidend ist ein verantwortungsvoller Einsatz, der Chancen und Risiken sorgfältig abwägt - mit Blick auf Nachhaltigkeit, Tierwohl, aber auch auf Datenschutz und Datenhoheit.

Insbesondere KI und Robotik gelten als neue Trends - wie sehen Sie die Landwirte in Ihrem Bundesland dahingehend aufgestellt?
Die Digitalisierung in der bayerischen Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahren spürbar an Dynamik gewonnen. Das zeigen auch die regelmäßigen Erhebungen der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, zuletzt 2025 mit mehr als 1.700 teilnehmenden Betrieben. Bereits rund 60 Prozent setzen heute digitale Technologien ein.

Besonders deutlich wird der Fortschritt in der Praxis: In der Außenwirtschaft hat sich die Nutzung GPS-gesteuerter Lenksysteme mehr als verdoppelt, der Einsatz von Drohnen sogar vervierfacht. In der Innenwirtschaft haben automatische Melksysteme deutlich zugelegt und auch Farm-Management-Informations-Systemen werden zunehmend genutzt. Das zeigt: Unsere Landwirte sind aufgeschlossen und gehen digitale Transformation aktiv mit.

Mit dem „Bayerischen Sonderprogramm Landwirtschaft Digital“ unterstützen wir diese Entwicklung ganz konkret. So fördern wir unter anderem Investitionen in Feldroboter – etwa für die mechanische Unkrautregulierung im Zuckerrüben- und Feldgemüsebau. Wir haben schon mehr als 90 dieser Systeme gefördert. Damit sind unsere Betriebe beim praktischen Einsatz moderner Technologien ganz vorne mit dabei.

Auch im Bereich der künstlichen Intelligenz treiben wir die Entwicklung weiter voran - etwa durch Forschungsprojekte zu KI-gestützten Anwendungen. Uns Ziel ist es, den Landwirten einen einfachen und gezielten Zugang zu Informationen rund um Düngung und Pflanzenschutz zu ermöglichen. Gerade hier sehe ich großes Potenzial, weil solche Lösungen niedrigschwellig eingesetzt werden können und auch kleineren Betrieben neue Möglichkeiten eröffnen.

Kleinere Betriebe sind bei wichtigen Digitalisierungs-Feldern zurückhaltender als große. Wie lässt sich das ändern?
Klar ist: Nicht jede digitale Technologie ist sie für jeden Betrieb geeignet. Unterschiedliche Flächenstrukturen, bestehende Ställe, betriebliche Abläufe oder auch die persönliche Herangehensweise spielen dabei eine entscheidende Rolle. Viele unserer Höfe sind familiengeführt, oft im Nebenerwerb – da muss Digitalisierung zum Betrieb passen und darf kein Selbstzweck sein. Für mich gilt deshalb: Digitalisierung um der Digitalisierung willen bringt niemandem etwas. Entscheidend ist der konkrete Mehrwert für die Betriebe. Wenn dieser nicht gegeben ist, dann braucht der Betriebsleiter die Technologie auch nicht. Umso wichtiger ist eine neutrale, wissenschaftlich fundierte Beratung sowie praxisnahe Vermittlung von Wissen und Know-how.

Genau hier setzen wir in Bayern an: Mit dem Digitalisierungszentrum der Landesanstalt für Landwirtschaft in Ruhstorf an der Rott bieten wir Landwirten konkrete und praxisnahe Orientierung. In Grub läuft gerade ein spannendes, vom Bund gefördertes Projekt zur Vernetzung im Milchviehbetrieb. Da arbeiten rund 30 Betriebe ganz eng mit Forschung und Technikentwicklung zusammen. Und das Entscheidende ist: Die testen die digitalen Lösungen nicht im Labor, sondern direkt im Alltag auf dem Hof – und entwickeln sie so ganz konkret weiter. Mit dem Kompetenznetzwerks Digitale Landwirtschaft Bayern (KNeDL) haben wir zudem eine starke Plattform geschaffen, die Landwirte, Wissenschaft, Wirtschaft und Verbände miteinander vernetzt. Gleichzeitig treiben wir digitale Innovationen in der Forschung sowie in der Aus- und Fortbildung gezielt voran. Wir wollen den Berufsnachwuchs bestmöglich auf die Zukunft vorbereiten.

Und wir unterstützen unsere Familienbetriebe ganz konkret: mit dem „Bayerischen Sonderprogramm Landwirtschaft Digital“. Dabei fördern wir Investitionen in innovative Technik – nicht mit der Gießkanne, sondern ganz gezielt und zeitlich begrenzt dort, wo sie einen echten Beitrag zu Tierwohl, Umwelt- und Ressourcenschutz leisten.

Experten befürchten durch Cloud-Lösungen u.ä. auch eine zunehmende Abhängigkeit von großen Konzernen - was sagen Sie dazu? 
Die Konzentration auf wenige große Anbieter sehe ich durchaus kritisch. Gleichzeitig haben sich in den letzten Jahren leistungsfähige europäische und auch deutsche Cloud-Lösungen entwickelt, die hier wichtige Alternativen bieten. Auch die EU steuert mit Initiativen wie dem EU Data Act und dem Aufbau eines europäischen Agrardatenraums aktiv gegen und setzt klare Leitplanken für eine faire Datenwirtschaft.

In Bayern gehen wir diesen Weg konsequent mit. Mit dem bayerischen Agrardatennetzwerk für Landwirte wollen wir relevante Daten des Landwirtschaftsministeriums, der bayerischen Organisationen der Landwirtschaft und der Wirtschaft besser vernetzen. Unser Ziel ist zweierlei: Bürokratie abbauen und gleichzeitig neue Möglichkeiten schaffen, Daten sinnvoll und wertschöpfend für die Landwirtschaft zu nutzen. Dadurch entsteht ein echtes „Chancennetzwerk“, das Innovation ermöglicht und den Betrieben konkreten Nutzen bringt.
Dabei galt für uns von Anfang an ein klarer Grundsatz: Die Souveränität über seine Daten liegt beim Landwirt. Jeder Betrieb bestimmt selbst, wer welche Daten erhält, für welchen Zeitraum und wofür die Daten genutzt werden dürfen. Das schafft Vertrauen und die Grundlage dafür, dass Digitalisierung in der Landwirtschaft erfolgreich sein kann.

■■■ WEITERE BEITRÄGE DIESER FACHDEBATTE

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Cornelia Schmachtenberg
Ministerin für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz
Landesregierung Schleswig-Holstein

Cornelia Schmachtenberg - Ministerin für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz des Landes Schleswig-Holstein
Smart Farming | Landwirtschaft | Digitalisierung

Schleswig-Holstein und die faire ■ ■ ■

Wie Robotik, KI, Drohnen und Co in der ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Cornelia Schmachtenberg
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