Die Landwirtschaft wird immer digitaler und ebenso die Landtechnik – wie bedeutend sind digitale Technologien aus Ihrer Sicht für eine effiziente und nachhaltige Agrar-Produktion ganz grundsätzlich?
Digitalisierung aber auch Smart Farming sind in unserer Branche keine Zukunftsvisionen, sondern gelebte Praxis. Im Vergleich mit anderen Handwerks-Berufen ist die Branche der LandBauTechnik auf den oberen Rängen, was den Grad der Digitalisierung angeht. Digitale Technologien sind längst zentrale Grundlage für eine effiziente und nachhaltige Agrarproduktion. Sie sind kein Selbstzweck, sondern ermöglichen es überhaupt erst, moderne Technik präzise und wirksam einzusetzen. Digitalisierung geht dabei Hand in Hand mit Entwicklungen in der Mechatronik, bei Verbrennungsmotoren, in der Elektrifizierung und in vernetzten Systemen. Erst durch digitale Systeme werden viele nachhaltige Lösungen in der Praxis nutzbar.
Insbesondere KI und Robotik gelten als neue Trends – wie sehen Sie Ihre Branche dahingehend aufgestellt?
KI und vor allem Robotik ist sehr dynamisch. Besonders der Bereich der Robotik findet bereits seit Jahren in der Melk- und Fütterungstechnik eine breite Anwendung, aber auch bei der mechanischen Beikraut Bekämpfung und zunehmend auch bei der Günlandbearbeitung sowie im Bereich der Sonderkulturen. Mit den zunehmenden automatisierten Arbeitsprozessen ist die Landwirtschaft modern und effektiv unterwegs, ohne den Einsatz dieser Landtechnik und entsprechender Innovationen, ist sie auf Dauer wohl nicht wirtschaftlich zu betreiben. Wichtig ist hierbei zu erkennen, dass die immer komplexer werdende Technik auch Menschen erfordert, die diese warten und reparieren können. Es braucht qualifizierte Handels -und Handwerksbetriebe. Land- und Baumaschinenmechatroniker-Meister-Fachbetriebe, Fachleute, die den Spagat zwischen handwerklichem Geschick und modernster Technik beherrschen, Menschen, die für die Technik ausgebildet und zertifiziert sind, beispielweise auch mit den gefahrgeneigten elektrischen Systemen und Antrieben im Bereich Hochvolt umzugehen und umgehen zu dürfen. Für das zulassungspflichtige Handwerk bringt das zugleich neue Herausforderungen mit sich, insbesondere für Service, Diagnose und Qualifizierung in den Werkstätten. Hier ist in Aus- und Fortbildung zu investieren, um Mitarbeitende fit für die Zukunft zu machen. Die Innungen und die Fachverbände der Land- und Baumaschinen Technik stehen hier mit Rat und Tat zur Seite.
Hinzu kommt das Thema KI. Diese steht derzeit stark im Fokus und wird künftig vor allem dort an Bedeutung gewinnen, wo sie mit Sensorik, Datenverarbeitung und Robotik zusammenwirkt.
Kleinere Betriebe sind bei wichtigen Digitalisierungs-Feldern zurückhaltender als große. Wie lässt sich das ändern?
Ich würde das nicht zu pauschal an der Betriebsgröße festmachen, vor allem nicht in unserer Branche. Es gibt durchaus kleinere Betriebe, die hochmoderne Technologien wie Robotik, UAV/Drohnen oder digitale Systeme verkaufen und hierzu den entsprechenden Service anbieten. Größere Betriebe haben oft mehr Möglichkeiten, Mitarbeitende im Service gezielt zu spezialisieren. Für kleinere Betriebe können neue Technologien aber auch eine große Chance sein, sich früh in Nischen zu positionieren. Entscheidend ist, dass sie Zugang zu Qualifizierung, technischen Informationen und den passenden Rahmenbedingungen haben.
Experten befürchten durch Cloud-Lösungen u.ä. auch eine zunehmende Abhängigkeit von großen Konzernen – was sagen Sie dazu?
Wenn Daten zentral bei Herstellern zusammenlaufen, stärkt das natürlich die Position der jeweiligen Hersteller. Der LandBauTechnik-Bundesverband setzt sich daher konsequent für einen fairen und sicheren Umgang mit Maschinendaten und Nutzungsdaten von Land- und Baumaschinen ein und hat daher auch das Verfahren zum EU Data Act aktiv begleitet. Denn der Zugang zu Daten kann zunehmend zum Schlüssel für Wartung, Diagnose und Reparatur werden. Genau darin liegt auch die Gefahr wachsender Abhängigkeiten. Deshalb müssen Lösungen gefunden werden, wie das Handwerk im Werkstatt- und Servicebereich weiterhin mit diesen Daten/Informationen arbeiten kann. Es geht dabei um faire Zugänge auch zu RMI (Reparatur- und Wartungsinformationen), ein EU-regulierter Standard, der unabhängigen Werkstätten den Zugang zu technischen Daten von Landmaschinen ermöglicht. Bei der Datenhoheit geht es daher letztlich um Wettbewerbsfähigkeit und auch um die Zukunft unabhängiger Serviceleistungen.


