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Interview16.04.2026

Schleswig-Holstein und die faire Digitalisierung

Wie Robotik, KI, Drohnen und Co in der Landwirtschaft allen zugute kommt

Cornelia Schmachtenberg - Ministerin für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz des Landes Schleswig-Holstein Quelle: MLLEV/Frank Peter Cornelia Schmachtenberg Ministerin für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz Landesregierung Schleswig-Holstein
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Dipl.- Journ. Thomas Barthel
Founder & Herausgeber
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Für Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) "ist Digitalisierung keine Option, sondern die Grundlage für die Landwirtschaft der Zukunft". Datenhoheit, Transparenz und offene Schnittstellen betrachtet sie dabei als wichtig.





Die Landwirtschaft wird immer digitaler - wie bedeutend sind digitale Technologien aus Ihrer Sicht für eine effiziente und nachhaltige Agrar-Produktion ganz grundsätzlich?
Die Digitalisierung ist ein entscheidender Schlüssel für eine leistungsfähige, ressourcenschonende und zugleich wettbewerbsfähige Agrarproduktion. Digitale Technologien ermöglichen Landwirtinnen und Landwirten einen präziseren Einsatz von Betriebsmitteln wie Dünger und Pflanzenschutzmitteln und damit eine stärkere Berücksichtigung von Umwelt- und Klimaschutz. Auch in der Tierhaltung eröffnet die Digitalisierung erhebliche Potenziale: So können beispielsweise Krankheiten frühzeitig erkannt, die Milchleistung kontinuierlich überwacht und Tiergesundheitsindikatoren präzise erfasst werden, was sowohl das Tierwohl als auch die betriebliche Effizienz verbessert. Zudem lassen sich Arbeitsprozesse effizienter gestalten und die Attraktivität landwirtschaftlicher Arbeitsplätze erhöhen. Insofern ist Digitalisierung keine Option, sondern die Grundlage für die Landwirtschaft der Zukunft.

Insbesondere KI und Robotik gelten als neue Trends - wie sehen Sie die Landwirte in Ihrem Bundesland dahingehend aufgestellt?
Die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein ist hier bereits gut aufgestellt und entwickelt sich dynamisch weiter. Robotik ist in vielen Betrieben etabliert, insbesondere in der Milcherzeugung, wo automatische Melksysteme den Arbeitsalltag spürbar entlasten. Auch Künstliche Intelligenz gewinnt an Bedeutung, etwa in der Tierüberwachung, im Ackerbau und bei digitalen Entscheidungshilfen zur Verbesserung des Tierwohls.

Die Betriebe sind unterschiedlich weit in der Anwendung digitaler Technologien. Das zeigt sich auch an der Vielzahl an EIP-Agrar-Projekten in unserem Land, die wir gezielt unterstützen. Dazu zählen etwa Drohneneinsatz zur Feldbeobachtung (X-MAS Drones), digitale Anbauplanung im Gemüsebau (Digitaler Gemüseacker), robotische Systeme zur Weidepflege (Robotik auf der digitalen Weide) sowie datenbasierte Entscheidungsunterstützung in der Ferkelerzeugung (ProcessPig). Diese Projekte zeigen, dass Innovationen bereits in der Praxis ankommen und konkrete Mehrwerte für Effizienz und Tierwohl schaffen.

Mit Förderung, Beratung und Vernetzung begleiten wir die Betriebe dabei, diese Technologien praxisnah einzusetzen. Entscheidend ist, dass digitale Lösungen wirtschaftlich tragfähig und anwenderfreundlich sind.

Kleinere Betriebe sind bei wichtigen Digitalisierungs-Feldern zurückhaltender als große. Wie lässt sich das ändern? 
Kleinere Betriebe können bei der Digitalisierung oft vor besonderen Herausforderungen stehen – etwa bei Investitionskosten, technischer Infrastruktur oder Know-how. Die Betriebsgröße ist jedoch nicht entscheidend – wichtiger ist eine offene Haltung gegenüber Innovationen. Unsere EIP-Projekte stehen Betrieben aller Größen offen, und viele Lösungen sind gezielt auch für kleinere Betriebe geeignet. Zudem bieten Lohnunternehmen digitale Technologien als Dienstleistung an, sodass auch kleinere Betriebe ohne große Investitionen profitieren können. Unser Ziel ist es, Digitalisierung im ländlichen Raum breit zugänglich zu machen und strukturelle Nachteile zu vermeiden.

Experten befürchten durch Cloud-Lösungen u.ä. auch eine zunehmende Abhängigkeit von großen Konzernen - was sagen Sie dazu?
Die Frage der Abhängigkeit nehmen wir sehr ernst. Datenhoheit, Transparenz und offene Schnittstellen sind zentrale Voraussetzungen für eine faire Digitalisierung. Wir setzen uns dafür ein, dass Betriebe die Kontrolle über ihre Daten behalten und Systeme interoperabel sind.

Gleichzeitig profitieren Betriebe auch von öffentlichen Daten, etwa zu Wetter, Böden oder Flächen. Dafür wurden bereits wichtige Grundlagen geschaffen – z. B. Geodatenportale wie der DigitaleAtlasNord sowie Open-Data-Initiativen, die Daten kostenfrei und leichter nutzbar machen. Zudem stellt das Land Schleswig-Holstein digitale Tools beispielsweise zur Erfüllung der Dokumentationspflichten im Bereich der Düngung oder zur Erbringung von Nachweisen zum Sammelantrag per Smartphone-App zur Verfügung.

Die Digitalisierung bietet große Chancen für die Landwirtschaft – diese gilt es aktiv und verantwortungsvoll zu gestalten.

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