Menue-Button
← FACHDEBATTE
Interview12.05.2026

Bildungsangebote und finanzielle Anreize für Smart Farming in Thüringen

Über Chancen und Hürden in der Transformation der Landwirtschaft

Colette Boos-John - Thüringer Ministerin für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum Quelle: TSK/Andreas Pöcking Colette Boos-John Ministerin für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum Landesregierung Thüringen
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Dipl.- Journ. Thomas Barthel
Founder & Herausgeber
Meinungsbarometer.info
ZUR FACHDEBATTE

"Digitale Technologien werden in der Landwirtschaft immer wichtiger", konstatiert Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John (CDU). Gerade für kleinere Betriebe setzt sie auf Aus- und Weiterbildung und ein Investitionsförderprogramm.





Die Landwirtschaft wird immer digitaler - wie bedeutend sind digitale Technologien aus Ihrer Sicht für eine effiziente und nachhaltige Agrar-Produktion ganz grundsätzlich?
Digitale Technologien werden in der Landwirtschaft immer wichtiger. Sie helfen etwa beim Einsparen von Betriebsmitteln wie Dünger, Pflanzenschutzmitteln oder Diesel. Und sie verbessern die Arbeitsbedingungen. Gerade in der Tierhaltung kann die Automatisierung viel Arbeitszeit einsparen und den Arbeitsaufwand reduzieren, denken Sie nur an Melkroboter oder automatisierte Lenksysteme. In Erfurt gibt es ein Start-up namens E-Terry, das einen autonomen Agrarroboter für die Arbeit auf dem Feld entwickelt hat. Der hilft zum Beispiel beim Unkrautjäten – KI-gestützt. Ziel von E-Terry ist es, den gesamten Ackerbau von der Aussaat bis zur Ernte zu digitalisieren und zu automatisieren. Das wäre eine Revolution. Thüringen ist ganz vorn mit dabei. Und übrigens geht es nicht nur um die Arbeit im Stall oder auf dem Feld – auch im Büro steigt der Managementbedarf. Da müssen Anträge gestellt und Dokumentationspflichten erbracht werden. Die richtige Software oder KI hilft dann, den Überblick zu behalten und die gesammelten Daten zielgerichtet auszuwerten.

Man muss aber auch klar sagen: Alle Digitalisierung bleibt hinter ihrem Zweck und Potential zurück, wenn der Nutzer nicht entsprechend ausgebildet ist. Das meint einerseits, dass das Thema Digitalisierung und KI auch in der landwirtschaftlichen Ausbildung einen wachsenden Stellenwert bekommen muss. Und zum anderen: Eine fundierte landwirtschaftliche Ausbildung und technisches Verständnis für Maschinen und Abläufe kommt immer noch als erstes. Die KI kann assistieren, aber letztlich wirkt sie immer nur so gut, wie sie „geführt“ wird.

Insbesondere KI und Robotik gelten als neue Trends - wie sehen Sie die Landwirte in Ihrem Bundesland dahingehend aufgestellt? 
Eine Umfrage unseres Landesamts für Landwirtschaft hat gezeigt, dass die Thüringer Betriebe da noch sehr unterschiedlich aufgestellt sind. In der Tierhaltung sind Roboter, die beispielsweise beim Melken, Entmisten und Futteranschieben helfen, schon seit Jahren etabliert und nichts Neues mehr. In der Bodenbewirtschaftung sind die Betriebe dagegen eher noch zurückhaltend. Feldroboter, die aussäen, KI-basiert Unkraut entfernen oder den Boden bearbeiten, sind bislang äußerst selten zu finden. Vielleicht kann ja E-Terry in diese Lücke vorstoßen. Mir scheint, die großen Betriebe vertrauen im Moment eher noch darauf, dass neue automatisierte Funktionen künftig in traditionellen Maschinen integriert werden, wie z.B. Lenk- und Steuerhilfen mittels RTK-GPS oder Vorgewende-Management.

Ich glaube, es wird sehr darauf ankommen, den Bedienkomfort und das Zusammenspiel der digitalen Technologien zu verbessern. Aus Gesprächen mit den Landwirten wissen wir, dass ihnen manche Maschinen zu komplex oder dass diese einfach nicht kompatibel mit anderen Technologien sind. Mitunter ist aber auch ganz einfach nicht klar, welche Zusatzfunktionen es eigentlich gibt, die man nutzen könnte. Auch die rechtliche Situation ist beim Einsatz von Robotern – beispielsweise Drohnen – mitunter ein Thema. Das Potential ist aber sehr groß, und ich bin überzeugt, dass die Entwicklung in Richtung Digitalisierung mit großen Schritten weitergehen wird. Allein in der Verwaltung fallen große Datenmengen an, die durch eine spezialisierte KI gut ausgewertet und genutzt werden können.

Kleinere Betriebe sind bei wichtigen Digitalisierungs-Feldern zurückhaltender als große. Wie lässt sich das ändern? 
Gerade kleinere Betriebe scheuen oft die hohen Investitionskosten für solche Technologien, insbesondere dann, wenn sich die Vorteile nicht unmittelbar direkt aufzeigen lassen. Zudem sind natürlich nicht immer alle sofort für neue Technologien aufgeschlossen. Da kann es zunächst auch einmal notwendig sein, mentale Hürden und Vorbehalte abzubauen, etwa durch entsprechende Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote. Grundsätzlich sollte in der landwirtschaftlichen Ausbildung schon möglichst früh ein Verständnis für neue Technologien wie IT, Elektronik, Sensorik usw. aufgebaut werden. Studien zum Thema „Smart Farming“ zeigen, dass ein digitales Verfahren um so eher im eigenen Betrieb umgesetzt wird, je besser es in der landwirtschaftlichen Ausbildung vermittelt und verstanden wird. Aber natürlich spielen auch finanzielle Anreize eine Rolle. Thüringen macht deshalb mit dem Agrarinvestitionsförderprogramm (AFP) ein Angebot an die Landwirte, Maschinen und Geräte gefördert zu bekommen.

Experten befürchten durch Cloud-Lösungen u.ä. auch eine zunehmende Abhängikeit von großen Konzernen - was sagen Sie dazu? 
Schwierige Frage. Die Schrumpfung des Markts für Clouddienste auf wenige, große Anbieter ist bekannt. Diese Entwicklung hat im Grunde zu einer Oligopolbildung geführt, die ungesund ist. Wir müssen genau im Blick behalten, dass es hier nicht zu einem Marktversagen kommt. Unabhängig davon muss der Nutzer entscheiden, ob ihm das Produkt einen Nutzen bringt und ob er dem Anbieter seine Daten anvertrauen kann. In jedem Fall ist es empfehlenswert, die eigenen Daten entsprechend zu sichern.

■■■ WEITERE BEITRÄGE DIESER FACHDEBATTE

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Karl Josef Duffner
Präsident
LandBauTechnik-Bundesverband e.V.

Karl Josef Duffner - Präsident LandBauTechnik-Bundesverband e.V.
Smart Farming | Landwirtschaft | Digitalisierung

Keine wirtschaftliche Landwirtschaft ■ ■ ■

Was das für die Menschen in der Branche bedeutet

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Karl Josef Duffner
Präsident
LandBauTechnik-Bundesverband e.V.

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Michaela Kaniber
Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus
Freistaat Bayern

Michaela Kaniber - Bayerisches Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus
Landwirtschaft | Smart Farming | KI

Wie digitale Technologie zum ■ ■ ■

Und wie der Bayern bei der Transformation hilft

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Michaela Kaniber
Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus
Freistaat Bayern

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Cornelia Schmachtenberg
Ministerin für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz
Landesregierung Schleswig-Holstein

Cornelia Schmachtenberg - Ministerin für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz des Landes Schleswig-Holstein
Smart Farming | Landwirtschaft | Digitalisierung

Schleswig-Holstein und die faire ■ ■ ■

Wie Robotik, KI, Drohnen und Co in der ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Cornelia Schmachtenberg
Ministerin für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz
Landesregierung Schleswig-Holstein

ZUR FACHDEBATTE
■■■ DIESE FACHDEBATTE KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN
Uwe Schimunek

INITIATOR
Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info

ÜBER UNS

Meinungsbarometer.info ist die Plattform für Fachdebatten in der digitalen Welt. Unsere Fachdebatten vernetzen Meinungen, Wissen & Köpfe und richten sich an Entscheider auf allen Fach- und Führungsebenen. Unsere Fachdebatten vereinen die hellsten Köpfe, die sich in herausragender Weise mit den drängendsten Fragen unserer Zeit auseinandersetzen.

überparteilich, branchenübergreifend, interdisziplinär

Unsere Fachdebatten fördern Wissensaustausch, Meinungsbildung sowie Entscheidungsfindung in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Gesellschaft. Sie stehen für neue Erkenntnisse aus unterschiedlichen Perspektiven. Mit unseren Fachdebatten wollen wir den respektvollen Austausch von Argumenten auf Augenhöhe ermöglichen - faktenbasiert, in gegenseitiger Wertschätzung und ohne Ausklammerung kontroverser Meinungen.

kompetent, konstruktiv, reichweitenstark

Bei uns debattieren Spitzenpolitiker aus ganz Europa, Führungskräfte der Wirtschaft, namhafte Wissenschaftler, Top-Entscheider der Medienbranche, Vordenker aus allen gesellschaftlichen Bereichen sowie internationale und nationale Fachjournalisten. Wir haben bereits mehr als 600 Fachdebatten mit über 20 Millionen Teilnahmen online abgewickelt.

nachhaltig und budgetschonend

Mit unseren Fachdebatten setzen wir auf Nachhaltigkeit. Unsere Fachdebatten schonen nicht nur Umwelt und Klima, sondern auch das eigene Budget. Sie helfen, aufwendige Veranstaltungen und überflüssige Geschäftsreisen zu reduzieren – und trotzdem die angestrebten Kommunikationsziele zu erreichen.

mehr als nur ein Tweet

Unsere Fachdebatten sind mehr als nur ein flüchtiger Tweet, ein oberflächlicher Post oder ein eifriger Klick auf den Gefällt-mir-Button. Im Zeitalter von X (ehemals Twitter), Facebook & Co. und der zunehmenden Verkürzung, Verkümmerung und Verrohung von Sprache wollen wir ein Zeichen setzen für die Entwicklung einer neuen Debattenkultur im Internet. Wir wollen das gesamte Potential von Sprache nutzen, verständlich und respektvoll miteinander zu kommunizieren.