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Interview26.05.2026

Die wichtigsten Trends der Digitalisierung in der Landwirtschaft

Und wo Deutschland vorn ist - und wo noch nicht

Prof. Dr. Christina Umstätter - Institutsleiterin, Thünen-Institut für Agrartechnologie Quelle: Thünen Christina Umstätter Institutsleiterin Thünen-Institut für Agrartechnologie
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Dipl.- Journ. Thomas Barthel
Founder & Herausgeber
Meinungsbarometer.info
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Digitale Technologien erleichtern oftmals die Arbeit und machen die Tätigkeit in der Landwirtschaft gerade auch für junge und gut ausgebildete Personen attraktiv", konstatiert Prof. Dr. Christina Umstätter vom Thünen-Institut für Agrartechnologie. Das Interview hat sie mit ihrem Kollegen Martin Kraft gegeben. Sie sagen auch, was die Politik fürs Smart Farming tun sollte.

 

 





Die Landwirtschaft wird immer digitaler - wie bedeutend sind digitale Technologien aus Ihrer Sicht für eine effiziente und nachhaltige Agrar-Produktion ganz grundsätzlich?
Digitale Technologien sind zunächst Bestandteil fast aller modernen Maschinen, Anlagen und Fahrzeugen. Sie tragen zur Flexibilität und Betriebssicherheit dieser Technik bei – in der Landwirtschaft wie in allen Lebensbereichen. Digitale Informationssysteme können Management-Entscheidungen präziser und fundierter gestalten. Damit können sie zur Effizienz und Nachhaltigkeit der Produktion beitragen. Sie tragen viel Potential in sich, die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben zu erleichtern und Qualität sowie Tierwohl zu sichern. Für die Dokumentation und Behördenkommunikation bedeuten sie eine erhebliche Unterstützung, erst recht, wenn sich alle beteiligten Akteure auf einen gemeinsamen Weg einigen.

Als wichtigste Trends der Digitalisierung in der Landwirtschaft sehen wir Sensorsysteme für die Überwachung von Tieren sowie hochautomatisierte Systeme in der Außen- und Innenwirtschaft. Durch neue Technologien, wie beispielsweise virtuelle Zäune, könnte die Weidewirtschaft revolutioniert und dadurch möglicherweise mehr landwirtschaftlichen Nutztieren Zugang zu Weide- und Bewegungsflächen ermöglicht werden. Diese innovative Technologie könnte auch genutzt werden, um nicht nur das Tierwohl, sondern auch ökologische Bestrebungen zu unterstützen. Um die Implementierung auf den Betrieben zu ermöglichen, braucht es jedoch eine gesetzliche Anpassung.

Neben den Effekten digitaler Technologien auf die ökologische und die ökonomische Nachhaltigkeit der Produktion, darf die soziale Säule der Nachhaltigkeit nicht übersehen werden. Digitale Technologien erleichtern oftmals die Arbeit und machen die Tätigkeit in der Landwirtschaft gerade auch für junge und gut ausgebildete Personen attraktiv. Damit tragen sie auch zur Familienfreundlichkeit und zur Attraktivität des ländlichen Raums bei.

Insbesondere KI und Robotik gelten als neue Trends - wie sehen Sie die deutschen Landwirte dahingehend aufgestellt?
Deutschland ist bei den Innovationen und Patenten in der digitalen Landwirtschaft weltweit vorne mit dabei. Es gibt Landwirte in Deutschland, die eine Vorreiterrolle bei den digitalen Technologien innehaben. Dennoch steckt die Nutzung der künstlichen Intelligenz in der deutschen Landwirtschaft noch in den Kinderschuhen. Hier sind eher die Hersteller und Anbieter von Landtechnik und Agrar-IT gefordert. Die Robotik ist vor allem in der Milchviehhaltung bereits gut etabliert (Melkroboter, Fütterungs- und Anschieberoboter, Entmistungsroboter). Auf den Feldern ist Robotik noch kaum zu sehen, was unter anderem an regulatorischen Hemmnissen, geringen Leistungsdaten und hohen Beschaffungskosten liegt, so dass beispielsweise Hackroboter eher im Gemüsebau Einzug gefunden haben. 

Kleinere Betriebe sind bei wichtigen Digitalisierungs-Feldern zurückhaltender als große. Wie lässt sich das ändern?
Investitionsentscheidungen in digitale Technologien erfolgen in erster Linie aus betriebs- und arbeitswirtschaftlichen Erwägungen. Melkroboter sind trotz ihrer Kosten auch auf kleinen Milchviehbetrieben angekommen, da sie täglich eine erhebliche Arbeitsentlastung bringen und eine gangbare Option bei Fachkräftemangel darstellen.

Bei den digitalen Technologien kann man viele Technologien identifizieren, die in der Anschaffung teuer sind und für kleinere Betriebe mit den jetzigen Preisen deshalb keinen betriebswirtschaftlichen Sinn ergeben. Es gibt jedoch auch Technologien, die einen guten Einstieg bieten und erschwinglich sind. Das kann von preiswerteren Tierüberwachungssystemen, georeferenzierten Plattenherbometern bis hin zu Agrar-Apps gehen. Apps können ein guter und oft preiswerter Einstieg in die Digitalisierung sein. Im Pflanzenbau kann der Weg der Implementierung über die Lohnunternehmer laufen, die zusätzliche Optionen der Datenbereitstellung und -analyse anbieten können.

Natürlich spielt die digitale Affinität der entscheidenden Personen auch eine große Rolle. Aus- und Fortbildungsangebote, Beratung, Austausch mit Fachkollegen, Demonstrationstage sowie Fachmedien können digitale Kompetenzen und die Wahrnehmung des Nutzens digitaler Technologien fördern und Hemmungen abbauen.

Experten befürchten durch Cloud-Lösungen u.ä. auch eine zunehmende Abhängigkeit von großen Konzernen - was sagen Sie dazu?
Aus agrartechnologischer Sicht besteht die Abhängigkeit von großen Konzernen vor allem bei Vollausstattern, die mehrere oder sogar alle erforderlichen Technologien für einen Betriebszweig anbieten und wenig Interesse an Interoperabilität ihrer Systeme haben. Dies ist in der Tierhaltung ausgeprägter als im Pflanzenbau. Die EU-Datenverordnung und intensive Standardisierungsbemühungen der ISO bei landwirtschaftlichen Daten sind geeignete erste Schritte, die Abhängigkeit zu verringern und den Marktzugang für kleinere Firmen zu erleichtern. 

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