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Interview24.06.2026

Interesse an Smart Farming in Hessen wächst spürbar

Wie das Land die Betriebe dabei unterstützt

Ingmar Jung - Hessischer Minister für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat Quelle: Paul Schneider/ Hessische Staatskanzlei Ingmar Jung Minister für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat Landesregierung Hessen
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Dipl.- Journ. Thomas Barthel
Founder & Herausgeber
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"Digitale Technologien sind längst kein Zusatz mehr, sondern grundlegende Voraussetzung für eine leistungsfähige, nachhaltige und wettbewerbsfähige Landwirtschaft", betont der Hessische Landwirtschaftsinister Ingmar Jung (CDU). Sein Ziel ist es, dass digitale Lösungen nicht nur im Einzelbetrieb funktionieren, sondern flächendeckend ankommen.





Die Landwirtschaft wird immer digitaler - wie bedeutend sind digitale Technologien aus Ihrer Sicht für eine effiziente und nachhaltige Agrar-Produktion ganz grundsätzlich? 
Digitale Technologien sind längst kein Zusatz mehr, sondern grundlegende Voraussetzung für eine leistungsfähige, nachhaltige und wettbewerbsfähige Landwirtschaft. Sie helfen dabei, Betriebsmittel präziser und effizienter einzusetzen und Prozesse insgesamt besser zu steuern.

Gerade angesichts steigender Anforderungen beim Umwelt- und Ressourcenschutz, und auch wachsender wirtschaftlicher Herausforderungen, eröffnen uns digitale Anwendungen neue Spielräume. Sie ermöglichen es den Betrieben, auf Basis verlässlicher Daten fundierte Entscheidungen zu treffen, Kosten im Blick zu behalten und gleichzeitig nachhaltiger zu wirtschaften. Das ist kein Selbstzweck: Digitalisierung stärkt die Betriebe ganz konkret in ihrer Wettbewerbsfähigkeit, sichert Wertschöpfung in der Region und trägt dazu bei, dass unsere Landwirtschaft auch in Zukunft leistungsfähig bleibt.

Insbesondere KI und Robotik gelten als neue Trends - wie sehen Sie die Landwirte in Ihrem Bundesland dahingehend aufgestellt? 
In Hessen zeigt sich ein differenziertes Bild, das aber zugleich auch dynamisch ist. Es gibt Betriebe, die beim Einsatz von KI und Robotik bereits sehr weit sind. Die uns zeigen, was heute schon möglich ist. Gleichzeitig stehen andere noch am Anfang und brauchen dabei Unterstützung. Entscheidend ist: Das Interesse wächst spürbar, und zwar über alle Betriebszweige hinweg.

Für den weiteren Fortschritt kommt es stark auf den Wissenstransfer in die Praxis an. Genau hier setzen wir an. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen unterstützt die Betriebe mit gezielter Beratung und Qualifizierungsangeboten rund um die Digitalisierung. Mit Projekten wie „DigiNetz – Vernetzende Beratung“ stärken wir den Austausch untereinander und sorgen dafür, dass Erfahrungen schneller in die Breite getragen werden.

Unser Ziel ist klar: Wir wollen, dass digitale Lösungen nicht nur im Einzelbetrieb funktionieren, sondern flächendeckend ankommen: praxistauglich, wirtschaftlich sinnvoll und anschlussfähig für möglichst viele Betriebe.

Kleinere Betriebe sind bei wichtigen Digitalisierungs-Feldern zurückhaltender als große. Wie lässt sich das ändern? 
Es stimmt, gerade kleinere Betriebe tun sich bei der Digitalisierung oft schwerer. Nicht aus mangelnder Offenheit, sondern weil Investitionen gut abgewogen werden müssen und der Nutzen im Betriebsalltag unmittelbar erkennbar sein muss.

Deshalb setzen wir in Hessen bewusst auf eine Kombination aus Förderung und praxisnaher Unterstützung. Wir fördern gezielt Investitionen in digitale Technologien und IT-Anwendungen, aber auch Beratungsleistungen, die den Betrieben helfen, die für sie passenden Lösungen zu finden und sinnvoll in ihre Abläufe zu integrieren.

Ein wichtiger Punkt ist dabei der Zugang zu Wissen. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen und bewährte Strukturen wie die Maschinenringe leisten hier einen zentralen Beitrag, indem sie Erfahrungen bündeln, weitergeben und konkrete Hilfestellung im Alltag bieten.

Digitalisierung muss sich rechnen und im Betrieb funktionieren, unabhängig von der Betriebsgröße. Wenn wir Hemmschwellen abbauen und den Nutzen sichtbar machen, wird sie auch für kleinere Betriebe zu einer echten Chance.

Experten befürchten durch Cloud-Lösungen u.ä. auch eine zunehmende Abhängigkeit von großen Konzernen - was sagen Sie dazu? 
Die Frage nach möglichen Abhängigkeiten durch Cloud-Lösungen und digitale Plattformen ist berechtigt und wir nehmen sie sehr ernst. Denn Digitalisierung darf nicht dazu führen, dass neue einseitige Abhängigkeiten entstehen.

Gleichzeitig sollten wir die Vorteile nicht ausblenden. Cloud-Lösungen bieten vielen Betrieben einen niederschwelligen Zugang zu digitalen Anwendungen, sind flexibel nutzbar und erleichtern die Zusammenarbeit über Betriebsgrenzen hinweg. Für viele ist das eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung.

Entscheidend ist deshalb der richtige Rahmen. Die Hoheit über die eigenen Daten muss bei den landwirtschaftlichen Betrieben bleiben. Sie müssen selbst bestimmen können, wer ihre Daten nutzt und zu welchem Zweck. Ebenso wichtig ist, dass die geltenden rechtlichen Vorgaben beim Datenschutz und bei der Datensicherheit konsequent eingehalten werden.

Wir setzen uns daher dafür ein, offene und anschlussfähige Strukturen zu stärken. Ziel ist es, Lösungen zu fördern, die den Betrieben echten Mehrwert bieten, ohne sie an einzelne Anbieter zu binden. So schaffen wir die Grundlage für Innovation und sorgen gleichzeitig dafür, dass die Betriebe unabhängig und handlungsfähig bleiben.

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