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Interview11.06.2026

Hochpräzises Vorhersageradar für Starkregenereignisse im Saarland

Wo die Landwirtschaftsbetriebe an der Saar auf dem Weg zum Smart Farming stehen

Petra Berg - Ministerin für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz im Saarland Quelle: MUKMAV / Daniel Bittner Petra Berg Ministerin für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz Landesregierung Saarland
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Dipl.- Journ. Thomas Barthel
Founder & Herausgeber
Meinungsbarometer.info
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"Aus meiner Sicht sind digitale Technologien ein zentraler Schlüssel für eine sowohl effiziente als auch nachhaltige Agrarproduktion", sagt die saarländische Landwirtschaftsministerin Petra Berg (SPD). Bei den Betrieben sieht sie mit dem anstehenden Generationenwechsel eine steigende Offenheit für Digitalisierung.





Die Landwirtschaft wird immer digitaler - wie bedeutend sind digitale Technologien aus Ihrer Sicht für eine effiziente und nachhaltige Agrar-Produktion ganz grundsätzlich? 
Aus meiner Sicht sind digitale Technologien ein zentraler Schlüssel für eine sowohl effiziente als auch nachhaltige Agrarproduktion.

Durch den gezielten Einsatz digitaler Anwendungen lassen sich Produktionsprozesse präziser steuern und Ressourcen effizienter einsetzen. Und wer Ressourcen einspart, schont die Umwelt und den eigenen Geldbeutel.

Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Wenn wir durch digitale Systeme den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder Düngung punktgenau steuern, sparen wir teilweise mehr als die Hälfte an Betriebsmitteln ein. Das Gleiche gilt für die Tierhaltung: Sensoren und Drohnen ermöglichen uns ein Monitoring und einen Schutz der Tiere, der früher schlicht unmöglich war.

Gleichzeitig bedeutet der Schritt hin zu mehr Digitalisierung nicht nur, einzelne Handgriffe zu verändern, sondern auch, bestehende Systeme zu überdenken. Wir haben die Chance, die gesamte Produktion klimaschonender und resilienter aufzustellen.

Insbesondere KI und Robotik gelten als neue Trends - wie sehen Sie die Landwirte in Ihrem Bundesland dahingehend aufgestellt? 
Wir sehen eine enorme Bandbreite, die von hochgradig digitalisierten Betrieben bis hin zu traditionell geführten Höfen reicht. Ob neue Technologien adaptiert werden, hängt dabei stark von der individuellen Betriebsstruktur und der Investitionskraft ab.

Festzustellen ist aber, dass digitale Anwendungen insbesondere im Bereich der Entscheidungsunterstützung, wie bei Ausbring- und Applikationszeitpunkten, bereits etabliert sind. Ein gutes Beispiel ist hierfür das saarländische Angebot „LORA-Warn“. Das ist ein hochpräzises Vorhersageradar für Starkregenereignisse, welches perspektivisch in den GeoBoxViewer eingebunden wird. Damit wird Landwirtinnen und Landwirten ermöglicht, witterungsabhängige Maßnahmen wie Aussaat oder Erntefenster noch exakter zu planen.

Im Bereich der Robotik, etwa bei autonomen Landmaschinen, sehen wir großes Potenzial. Besonders im integrierten Landbau können sich solche Systeme langfristig auszahlen.

Kleinere Betriebe sind bei wichtigen Digitalisierungs-Feldern zurückhaltender als große. Wie lässt sich das ändern?
Grundsätzlich sind digitale Technologien für Betriebe jeder Größe sinnvoll und können überall einen Mehrwert schaffen.

Hauptgrund für die Zurückhaltung der kleineren Betriebe sind oftmals die notwendigen Investitionen und die damit verbundene Unsicherheit, ob sich diese wirtschaftlich tatsächlich lohnen. Um das zu ändern, braucht es vor allem zweierlei: Zum einen eine praxisnahe Forschung und einen funktionierenden Wissenstransfer. Landwirtinnen und Landwirte müssen konkret nachvollziehen können, welchen Nutzen digitale Technologien im Betriebsalltag bringen.

Zum anderen ist es entscheidend, dass digitale Lösungen finanziell zugänglich werden. Technologien müssen stärker standardisiert und anwenderfreundlicher werden, sodass sie nicht nur großen Betrieben vorbehalten bleiben.

Wir als Agrarministerium stehen im engen Austausch mit Einrichtungen wie dem Fraunhofer IESE, der Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung Hofgut Neumühle sowie der RPTU Kaiserslautern, insbesondere im Bereich Digital Farming. Diese Institutionen tragen dazu bei, neue Technologien zu entwickeln, zu erproben und Aus- und Weiterbildungsangebote in die Praxis zu bringen.

Ergänzend dazu bleiben klassische Ansätze wichtig, wie die Kooperationen zwischen Betrieben. Gemeinsame Investitionen oder überbetrieblicher Maschineneinsatz können helfen, Kosten zu senken und den Zugang zu moderner Technik zu erleichtern.

Mit dem anstehenden Generationenwechsel sehen wir jedoch ohnehin eine steigende Offenheit für Digitalisierung. Wenn wir es schaffen, die Investitionshürden zu senken, kann die Digitalisierung zum Werkzeug werden, mit dem auch kleinere Familienbetriebe dem Arbeitskräftemangel trotzen und wettbewerbsfähig bleiben können.

Experten befürchten durch Cloud-Lösungen u.ä. auch eine zunehmende Abhängigkeit von großen Konzernen – was sagen Sie dazu? 
Diese Befürchtung ist durchaus berechtigt und sollte ernst genommen werden. 

Auf der Agrarministerkonferenz haben wir die Entwicklung eines öffentlichen Agrardatenraums diskutiert, der eine souveräne und freie Datennutzung garantierten soll. Dabei sind aus meiner Sicht mehrere Punkte zentral: Erstens muss die Bürokratielast reduziert werden. Digitale Lösungen müssen entlasten, nicht belasten. Zweitens müssen die Entscheidungsrechte über die eigenen Betriebsdaten bei den Landwirtinnen und Landwirten bleiben.

Weitere wichtige Aspekte sind die Interoperabilität und das „Once-only“-Prinzip. Daten sollten problemlos zwischen Anwendungen ausgetauscht werden können, und gleichbleibende Daten sollten nur einmal erfasst werden müssen.

Dass Digitalisierung auch ohne Cloud funktioniert, zeigt der GeoBox-Feldatlas in Rheinland-Pfalz, denn hier bleiben georeferenzierte Daten lokal bei der Landwirtin und beim Landwirt. Solche Ansätze zeigen, dass Digitalisierung und Datensouveränität durchaus miteinander vereinbar sind.

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