Beim Lokal-TV-Kongress in Potsdam wurde die Frage gestellt, ob werbefinanfinziertes Lokal-TV als Geschäftsmodell überhaupt funktionieren kann. Wie sehen Sie das?
Im Kern geht es um die Bedeutung von Lokal-TV. Eines der Hauptanliegen für uns als Landesmedienanstalt ist die Sicherung der Medien- und Meinungsvielfalt. Angesichts des Medienwandels und im Kontext der besonderen Medienmarktsituation gewinnt Lokal-TV eine immer größere Bedeutung für eine funktionierende Demokratie, zumal auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk diese Lücken auf Grund seiner Ausrichtung nicht ausfüllen darf. In manchen Regionen verbleibt neben dem Internet, wo wider Erwarten leider im publizistischen Bereich deutlich weniger Lokales zu finden ist, oft das Lokal-TV im elektronischen Bereich als die einzige lokale Informationsquelle. Das Geschäftsmodell von Lokal-TV hat sich nicht geändert, jedoch die Rahmenbedingungen, indem immer mehr Unternehmen in den regionalen Werbemarkt drängen. Insofern muss unser Augenmerk vor allem den Rahmenbedingungen gelten. Hier sehe ich die Notwendigkeit, Anpassungen vorzunehmen, die wir nur gemeinsam mit der Politik voran bringen können.
In Deutschland gibt es regional verschiedene Fördermöglichkeiten für Lokal-TV. Welche Möglichkeiten gibt es bei Ihnen und welche können Sie sich vorstellen?
Alles in allem braucht es ein klares Commitment für Lokal-TV und einen offenen Diskurs ohne Denkverbote über Möglichkeiten der Förderung und Teilhabe, auch mit Blick auf das, was in anderen Ländern gemacht wird. In Thüringen sind wir auf die Förderung der Infrastruktur beschränkt. Wir fördern die Programmverbreitung zu und in den Kabelnetzen bereits seit Jahren. Wir müssen aber auch erkennen, dass der Kunde sein Verhalten ändert und Inhalte auch portabel und mobil nutzt. Daher helfen wir den Veranstaltern, Reichweite zu erhalten und über IP Verbreitungswege auszubauen (Smart-TV, IPTV). Die Förderung umschließt somit auch den Technologiewechsel vom Analogen über SD- zur HD-Verbreitung. Möglich ist, auch Qualität zu befördern, u. a. durch Ausbildungsangebote und Preise. Was uns aber nicht möglich ist, ist die Förderung besonderer Sendeformate oder Studiotechnik. Viele Thüringer nutzen den Satellitenempfang, den wir aber nur mit einer staatlichen Förderung unterstützen könnten.
Seit Jahren hakt es bei der nationalen Vermarktung von Lokal-TV. Was müsste passieren, damit der Knoten platzt?
Hier gibt es bereits viele Versuche, dies zu optimieren. Voraussetzung für eine nationale Vermarktung ist eine flächendeckende Versorgung. Diese erreichen wir nicht allein über Kabelnetze. Insofern glaube ich, dass die Veranstalter zunächst vor allem die regionale Vermarktung ausbauen müssen. Ich gehe davon aus, dass die Möglichkeit des Internet, insbesondere die Sozialen Netzwerke hier noch nicht ausreichend genutzt werden.
Immer wieder wird mehr Kooperation zwischen den Lokal-TV-Anbietern anregt. Wie können und sollten die Sender aus Ihrer Sicht zusammenarbeiten?
Grundsätzlich bedient Lokal-TV das rege Interesse am Geschehen im direkten Umfeld. Nicht wenige Menschen pendeln vom Wohn- zum Arbeitsort oder mögen den Blick über den örtlichen Tellerrand. Daher ist ein regionaler Programmaustausch sinnvoll. Lokal-TV hat darüber hinaus auch die Sendezeit, um komplexe Zusammenhänge zu erläutern. Gerade hier sehe ich Potential für umfangreichere Berichterstattung über Kommunal- und Landespolitik und aus den Regionen. Lokal-TV ist und bleibt immer auch ein Stück Heimat, das man sich ins Wohnzimmer, auf das Smartphone oder Tablet holt.



