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Subventionen sind Gift - erst recht für Journalismus

Wie der Lokaljournalismus überleben kann

Berthold L. Flöper, Bundeszentrale für politische Bildung Fachbereich Multimedia Lokaljournalistenprogramm Quelle: BpB Berthold Flöper Bundeszentrale für politische Bildung 02.11.2017
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"Natürlich ist jede Form lokaljournalistischer Berichterstattung in anderen Medien eine Konkurrenz um die Wahrnehmung der Konsumenten", sagt Berthold L. Flöper vom Lokaljournalistenprogramm der Bundeszentrale für politische Bildung mit Blick auf Amtsblätter und Co. Die Verlage haben aber eine ganze Reihe von Problemen.







In vielen deutschen Amtsblättern gibt es umfangreiche lokaljournalistische Beiträge in einem nichtamtlichen Teil. Welche Konkurrenz entsteht dadurch für die private Presse?
Natürlich ist jede Form lokaljournalistischer Berichterstattung in anderen Medien eine Konkurrenz um die Wahrnehmung der Konsumenten. Nun ist Konkurrenz als solche ja nicht unbedingt schlecht, zumindest publizistisch gesehen. Amtsblätter erfüllen zum Teil ähnliche Bedürfnisse wie die Lokalzeitung, denn sie erreichen alle Haushalte, enthalten viele Services und spiegeln das (Veranstaltungs-)Geschehen in der Gemeinde. Die Beiträge entsprechen aber nicht journalistischen Standards und haben einen stark werblichen Charakter. Ein Amtsblatt kann eine Lokalzeitung somit nicht ersetzen. Im Werbemarkt sieht das anders aus. Aus Bürgermeisterzimmern gesteuerte Berichterstattung, mit Steuermitteln finanziert, die für den Empfänger kostenlos ist – das ist natürlich wirtschaftlich auch ein Angriff auf das Geschäftsmodell der Verlage.
Auch Betriebe in Besitz der öffentlichen Hand drängen mit Angeboten auf den Markt – etwa Kundenmagazinen oder Digitalen Publikationen. Wie bewerten Sie das?
Reine Informationen gibt es an jeder Ecke. Die Zukunft der lokalen Verlage liegt in der Analyse, Einordnung, sowie der kritischen Begleitung und Kommentierung des lokalen Geschehens. Solange Publikationen der öffentlichen Hand, ob nun Amtsblätter oder Kundenmagazine kommunaler Energieversorger, sich aus diesem Verantwortungsbereich heraushalten und keine presseähnliche Berichterstattung betreiben, sind sie keine Konkurrenz der Tageszeitungen.

Viele Tageszeitungen schließen ihrerseits Lokalredaktionen. Welchen Anteil haben die Verlage selbst am Trend zum öffentlich finanzierten Lokaljournalismus?
Lokalzeitungen müssen wirtschaftlich arbeiten, um langfristig überleben zu können. Wenn ihnen dauerhaft Werbeeinnahmen verloren gehen, müssen sie Redaktionen verkleinern oder schließen. Dabei spielt die Konkurrenz durch Amtsblätter und Kundenmagazine eine, aber nicht zwangsläufig die entscheidende Rolle - woran Lokalzeitungen scheitern, ist von Fall zu Fall unterschiedlich und bedeutet nicht zwangsläufig das Ende guter regionaler Berichterstattung. Lokaljournalismus kann auch in lokalen Fernsehsendern, Radios oder digitalen Produkten stattfinden. Nicht jede geschlossene oder verkleinerte Lokalredaktion bedeutet somit das Ende des Lokaljournalismus in einer Region.

Lokale Tageszeitungen können auf die Herausforderungen durch Amtsblätter und andere öffentliche Angebote reagieren, indem sie das lokale Geschehen auch auf einer Ebene abbilden, die keinen Platz im klassischen Zeitungsteil findet. Vereinsseiten oder digitale Publikationen, welche das Gemeindeleben abbilden, bieten vielfältige Möglichkeiten, das eigene Blatt attraktiver zu machen, ohne die journalistischen Standards zu senken oder die eigene Schwerpunktsetzung aufzugeben. Darüber hinaus bietet eine Lokalzeitung durch Hintergrundberichte, Recherchen und Einordnung qualitativ einen ganz anderen Mehrwert für den Leser als ein rein service-orientiertes Produkt.

Inwiefern sollte Lokaljournalismus in wirtschaftlich weniger attraktiven Regionen öffentlich gefördert werden?
Nennen Sie mir einen Weg, wie man öffentliche Förderung ohne politische oder sonstige Einflussnahme sicherstellen kann – und man könnte drüber reden. Da das aber aus den verschiedensten Gründen nicht möglich ist, kann eine direkte staatliche Förderung für private journalistische Medien nicht in Frage kommen. Subventionen sind Gift, das gilt erst recht für Journalismus. Allerdings könnte die öffentliche Hand die Existenzbedingungen für Medien erleichtern. Da gäbe es viele Stellschrauben, angefangen bei der Mehrwertsteuer.

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