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Interview23.06.2016

Soundcheck: MP3-Miterfinder erstellt Klangranking

Warum CDs, SACDs und Downloads vorne liegen und UKW- und Internetradio abgehängt sind

Prof. Dr.-Ing. Dr. rer. nat. h.c. mult. Karlheinz Brandenburg, Leiter des Fachgebietes Elektronische Medientechnik an der TU Ilmenau, Direktor des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie (IDMT) Quelle: TU Ilmenau Prof. Karlheinz Brandenburg MP3-Erfinder Fraunhofer-Institut IDMT
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Alexander Hiller
Redakteur
Meinungsbarometer.info
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"Um die beste Tonqualität können wir regelrechte Glaubenskriege führen", sagt der MP3-Miterfinder, Prof. Dr. Karlheinz Brandenburg. Zusammen mit dem Meinungsbarometer.info hat der Forscher exklusiv und zum ersten Mal ein Klangranking aller gängigen Musikabspielformate erstellt. Ein Test mit überraschenden Ergebnissen.





Welches Medium, welcher Übertragungsweg bietet  theoretisch/physikalisch den besten Klang?
Klangqualität ist etwas sehr subjektives: Was für die einen Ohren noch akzeptabel ist, klingt für andere schon schräg. Die gehörte Qualität hängt aber auch vom konkret gehörten Musikstück ab, manche Verfahren haben klare Schwachstellen. Beim Einsatz von digitalen datenreduzierten Verfahren (also Streaming / Download von Portalen / DAB / Internetradio / DVB) gibt es eine massive Abhängigkeit vom verwendeten Codec (also .mp3 oder AAC oder Dolby Digital oder FLAC …), aber auch von der verwendeten Bitrate. Grundsätzlich gilt:Theoretisch gibt es nur Einschränkungen zur perfekten subjektiven Qualität bei: FM-Rundfunk, LP und datenreduzierten Varianten mit zu geringer Bitrate, also .mp3 (manche Störungen für bestimmtes Musik-Material sind immer hörbar). Wenn alles richtig gemacht ist, schneiden die folgenden Verfahren in Hörtests perfekt ab: CD, SACD, Download/Streaming unter Verwendung sogenannter „lossless“-Codierverfahren (z.B. FLAC) und AAC bei hohen Bitraten (wie z.B. im iTunes Music Shop im Einsatz). Die Unterschiede zu DTS oder Dolby Digital bzw. .mp3 bei 256 oder 320 kbit/s sind sehr gering. Radio über DVB-C oder DVB-S ist häufig (wegen der nicht eingesetzten Dynamik-Kompression) dem FM-Rundfunk vorzuziehen, auch wenn dasselbe Programm gehört wird.

Wie sieht es in der gängigen Praxis aus?
Wir können regelrechte Glaubenskriege um die beste Tonqualität führen. Da die Erwartung des Gehirns eine starke Rolle spielt („Vinyl-Platten klingen doch am besten“), wird die Antwort von Person zu Person unterschiedlich sein. Wir können ein paar „Qualitäts-Sünder“ identifizieren: Dynamikkompression, zu geringe Bitraten insbesondere beim Internet-Radio, da klingt manches schauderhaft und Fehler in den Encodern, die je nach Abspielgerät zu hörbaren Störungen führen können. Meine persönliche Reihenfolge (von gut zu schlecht) bei gut gemachten Aufnahmen und entsprechenden Bitraten ist:

1)    CD (die Referenz) / SACD / Download (lossless Codec)

2)    Download (guter „lossy“ Codec)

3)    Radio über DVB / Streaming (je nach Bitrate)

4)    DAB+ / LP

5)    UKW / Internetradio (relativ hohe Bitrate, guter Codec)

6)    Internetradio (falsche Bitrate für den Codec)

Werden künftig datenreduzierte Musikformate, wie mp3, an Bedeutung verlieren, da im Internet immer größere Datenmengen bewegt werden können?
Das Argument kenne ich seit 1983, also bevor .mp3 erfunden war. Es gibt immer noch viele Anwendungen, bei denen die übertragene Datenmenge ökonomisch ins Gewicht fällt. Dazu kommt noch, dass .mp3 von allen Endgeräten verstanden wird, schon deshalb wird es überleben. Auf der anderen Seite sind datenreduzierte Musikformate jetzt schon im Studio und in der Zuspielung fast nicht mehr existent.

Welche Musikformate und Plattformen werden künftig nach Ihrer Einschätzung an Relevanz gewinnen, welche verlieren? Gibt es am Horizont schon neue Musikformate oder Plattformen?
Schon seit 15 Jahren wird über „objektorientierte“ Musikformate diskutiert. Jetzt gibt es mit Dolby Athmos im Kino (schon häufig zu finden) und dem MPEG-H-Standard für Broadcast und Heimanwendungen (noch in der Diskussion in den entsprechenden Gremien) einen Übergang in die Praxis. Solche Formate erlauben nicht nur größere Flexibilität bei der Wiedergabeanordnung (Zahl und Ort der Lautsprecher), sondern auch viel besseren Raumklang als bisherige Surround-Systeme. Im Bereich der Großbeschallung (Bregenzer Festspiele, Planetarien, Oper) finden sich schon viele solche Systeme. All diese Beispiele finden sich auch als Forschungsschwerpunkt unseres Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie.

Aktuell sehen wir das Bemühen, die Tonqualität von Internetradio und Streaming-Systemen zu verbessern. Das ist oft weniger eine Frage der Codecs und mehr ein operationales Problem. Wir leben ja auch seit Jahrzehnten damit, dass der Sound im FM-Rundfunk durch Kompressoren (die die Stationen lauter klingen lassen) deutlich beeinträchtigt wird.

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