München ist es geworden - die Stadt liegt beim Smart City Index des Digitalverbandes Bitkom ganz vorn. Für das Ranking werden 37 Indikatoren aus fünf Bereichen betrachtet – von Online-Bürger-Services über Sharing-Angebote für Mobilität und intelligente Ampeln bis zur Breitbandverfügbarkeit. Da ist in die verschiedenen Bereichen in den letzten Jahren viel passiert.
„Wir freuen uns sehr, Platz 1 in der Kategorie Verwaltung des Smart City Indexes erreicht zu haben“, erklärt zum Beispiel Olaf Kuch, Leiter des Direktoriums Bürgerservice, Digitales und Recht der Stadt Nürnberg in der Fachdebatte auf meinungsbarometer.info. Auf dem Weg dahin hat die Stadt Strukturen und Prozesse hinterfragt. Für gute Rahmenbedingungen für die digitale Transformation erprobt die Stadt neue Technologien, prüft Einsatzpotenziale für die gesamte Verwaltung und schafft darauf basierend entsprechende Strukturen. So setzt Kuch und sein Team sich gerade intensiv mit dem Thema Daten und deren Nutzung auseinander - etwa durch das eingeführte Datenmanagement oder durch die Diskussion um Digitale Zwillinge und ihre Potenziale.
Am Anfang steht in den Städten meist eine umfassende Strategie, so etwa auch in Hamburg. Die nimmt lauf des Hamburger Chief Digital Officers (CDO) Christian Pfromm alle Bereiche des Lebens in den Blick. Beispielhaft nennt er ein Beispiel aus der Mobilität – da erprobt die die Hamburger Hochbahn autonom fahrende Shuttles als Ergänzung zum klassischen ÖPNV. „Ein anderes spannendes Projekt ist ein KI-basierter Desinformationsindikator für Hamburger Schulen.“ Dadurch werde die Resilienz von Schülerinnen und Schülern gegenüber Online-Desinformation gestärkt, indem ein LLM-basiertes System tagesaktuelle Narrative aus Social Media erkennt und für den Unterricht nutzbar macht.
In Köln gibt es einen Masterplan zur Digitalisierung, der aus den Teilstrategien Digital Governance, Smart City und Datenökonomie besteht. Laut Andree Haack, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Digitalisierung und Regionales der Stadt Köln, ist der erste Teilplan bereits ausgearbeitet und befindet sich in der Umsetzung. „Eine wesentliche Maßnahme daraus war, das Amt für Informationsverarbeitung strukturell neu aufzustellen.“ Dafür fusioniert die Stadt die Stabsstelle Digitalisierung und das Amtes für Informationsverarbeitung. Digitalisierung könne so aus einer Hand und mit einer gemeinsamen Perspektive gedacht und umgesetzt werden - mit einem klaren Fokus auf das Thema Smart City.
Olaf Wagner, Beigeordneter für Digitalisierung, Personal und Organisation der Landeshauptstadt Düsseldorf, wirft einen Blick auf den Ausbau der digitalen Infrastruktur. „Durch den engen Austausch mit den Glasfaser-Dienstleistern vor Ort treiben wir den Glasfaserausbau aktiv voran, um leistungsfähige Netze flächendeckend verfügbar zu machen“, erklärt Wagner. Ergänzend setze die Stadt auf innovative Lösungen wie 5G-Litfaßsäulen und nutze bereits erste Sensorbasierte Datengenerierungen auf Basis von LoRaWAN, mit dem Ziel die Stadt schrittweise auf den Ausbau einer Infrastruktur für das Internet der Dinge aufzustellen.
Auch in Bochum ist digitale Infrastruktur ein zentrales Thema. Chief Digital Officer (CDO) Denes Kücük berichtet dabei über neue Schwerpunkte in der Daten- und Klimainfrastruktur: „Mit noch umfassenderer Sensorik wollen wir die Klima- und Umweltdaten für bessere Entscheidungen nutzbar machen.“ Parallel dazu entwickelt die Stadt eine Bochum App stetig weiter, um sie zu einer noch umfassenderen digitalen Begleiterin im Alltag auszubauen.
Prof. Lars Baumann, Dezernent für Personal, Digitalisierung und Recht der Landeshauptstadt Hannover, lenkt den Fokus auf die Vernetzung – er betont: „Die Digitalisierung gelingt nur im Zusammenspiel. Wir stehen deshalb in engem Austausch mit anderen Kommunen, der Region Hannover und überregionalen Partnern.“ Verschiedene geförderte Smart City-Kommunen seien über die Koordinierungs- und Transferstelle Modellprojekte Smart Cities (KTS) vernetzt, hier werde das gesammelte Wissen und Erfahrungen zusammengeführt und auch für nicht geförderte Kommunen zugänglich gemacht. Ein weiterer Aspekt der kommunalen Zusammenarbeit und digitalen Transformation sei die gemeinsame Entwicklung kommunaler Dienstleistungen im Rahmen des Onlinezugangsgesetzes (OZG) und darüber hinaus. Baumann berichtet auch von der Schaffung eines Marktplatzes und eines Kompetenzzentrums und die künftige Förderung von Entwicklungsgemeinschaften.
In Sachen Unterstützung von Bund und Ländern fordert Clemens Schülke, Bürgermeister und Beigeordneter für Wirtschaft, Arbeit und Digitales der Stadt Leipzig: „Smart City muss ein klarer Förderschwerpunkt bleiben.“ Digitale Technologien seien schließlich Schlüssel zu modernen, nachhaltigen und bürgernahen Städten. Bund und Länder müssten die Kommunen besser in den Blick nehmen. Hier sieht er auch Chancen, die Aufgaben zwischen Bund und Kommune neu zu ordnen. Es sei nicht effizient, wenn jede Kommune das Rad neu erfinden muss. Und die Digitalisierung müsse bereits bei der Gesetzgebung mitgedacht werden: „Gesetze müssen so formuliert sein, dass sie maschinenlesbar und ausführbar werden.“



