Nach dem Digitalpakt Schule 2.0 fließen fünf Milliarden Euro bis 2030 in digitale Bildung an Schulen. Wie sehen Sie dieses Paket - ist der Umfang aus Ihrer Sicht hinreichend?
Der "Digitalpakt 2.0" ist ein wichtiges Signal für den Ausbau der digitalen Infrastruktur der Schulen. Deshalb ist es gut, dass Bund und Länder auf der Basis der getroffenenen Verständigung schnell eine Vereinbarung geschlossen haben. Der finanzielle Umfang bleibt dabei hinter dem Engagement des Bundes beim ersten Digitalpakt zurück.
Das wiegt deshalb schwer, weil ein erheblicher Teil der im Rahmen des ersten Digitalpakts angeschafften Technik während der Laufzeit des Digitalpakts 2.0 ersetzt, ergänzt und weiterentwickelt werden muss. Die Digitalisierung der Schulen bleibt damit auch künftig eine gemeinsame Aufgabe für Bund, Länder und Schulträger.
Auf welchem Stand sind die Schulen in Ihrem Bundesland nach dem ersten Digitalpakt bereits?
Beim ersten Digitalpakt konnten wir die für Investitionen an Schulen vorgesehenen Mittel zu 99,5 Prozent abrufen und im Land nutzen, die Mittel für landesweite Vorhaben sogar zu 100 Prozent. Auch die Mittel der drei Zusatzvereinbarungen (unter anderem Administratoren und digitale Endgeräte) wurden vollständig eingesetzt. Wenige Reste fließen noch in länderübergreifende Vorhaben.
Im Zusammenspiel mit den Investitionen aus Mitteln des Landes und der Schulträger hat dies dazu geführt, dass an den Schulen eine digitale Infrastruktur in einem Umfang vorhanden ist, der einen gezielten pädagogischen Einsatz ermöglicht.
Das Land selbst stellt den Schulträgern und den Schulen zahlreiche IT-Landeslösungen zur Verfügung, etwa ein leistungsfähiges Lernmanagementsystem oder eine umfangreiche qualitätsgesicherte Online-Mediathek, und hat im Rahmen der Zusatzvereinbarung im ersten Digitalpakt persönliche Endgeräte für Lehrkräfte finanziert und beschafft.
Die pädagogische Nutzung der vorhandenen Infrastruktur im Fachunterricht und die Entwicklung von Medienkompetenz sind insgesamt auf einem guten Weg. Dies zeigt sich beispielsweise an der Nutzungsintensität der Bildungsmedien. Dennoch besteht weiter Bedarf, digitale Verfahren beispielsweise zur Kooperation innerhalb der Fachschaften, zur differenzierten Unterstützung einzelner Schülerinnen und Schüler und damit zur Verbesserung der Chancengerechtigkeit auszubauen.
Das Geld soll nicht nur in Hard- und Software fließen, sondern zum Beispiel auch in Fortbildungen von Lehrkräften. Welchen Bedarf sehen Sie bei den Lehrkräften?
Die digitale Infrastruktur an Schule ist die Voraussetzung für die Herausbildung medienkompeter junger Menschen. Wir wollen die Fähigkeit vermitteln, sich in einer sich stetig wandelnden und zunehmend digitalisierten Welt zurechtzufinden und diese zu gestalten. Diese Kultur der Digitalität steht dabei im Mittelpunkt und fordert die Lehrkräfte. Den wachsenden Bedarf in der Lehrkräftebildung konnte mit der Integration von digitalen Aspekten in allen Fortbildungen entsprochen werden. Dazu hat das Land zusätzliche Ressourcen insbesondere beim Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) bereitgestellt.
Jede Schule ist in Schleswig-Holstein im Rahmen eines gut ausgestatteten Landesprogramms mit zusätzlichen Ressourcen ausgestattet worden. Damit wird die Entwicklung der gesamten Schule oder einzelner Fachschaften unterstützt. Individuelle Fortbildung für die schulischen Multiplikatoren nehmen dabei ebenfalls eine herausragende Stellung ein. Die Entwicklung der Schul- und Unterrichtskultur muss sich auch in den Fortbildungsangeboten widerspiegeln. Neue Formate wie zum Beispiel die digitale Sprechstunde und digitale Microfortbildungen werden entwickelt.



