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Bericht31.08.2011

Satellitenschüssel unerwünscht

Langewiesen bleibt seiner lokalen Antennengemeinschaft aus DDR-Zeiten treu

Quelle: Bernd Hassler/Langewiesen

Idyllisch schmiegt sich das kleine Städtchen Langewiesen am Nordrand des Thüringer Waldes ins Tal der Ilm. Im Ortskern der 3500 Seelen-Gemeinde dominieren kleine zweigeschossige Häuschen mit Schieferfassade und winzigen Fenstern. Fast überall werden die schmucken Fassaden von üppig blühenden Blumenkästen geschmückt. Dafür, dass das so bleibt, hat sich jüngst ein Fachverband gegründet, der die hübschen Häuschen nach deutschem Reinheitsgebot vor der Verunstaltung durch Satellitenanlagen bewahren will. Denn Wolfgang Mittelbach und sein Thüringer Fachverband für Antennen- und Kabelanlagen e.V. (TFAK e.V.) will bewahren, was es zu bewahren gibt. So erzählt er mir, dass bis heute 95 % der Einwohner der Stadt ihr Fernsehen über die lokale Antennengemeinschaft empfangen. Dabei erinnert er sich, „wie wir 1983 den ganzen Ort aufgebuddelt haben, um dann 1985 endlich auch Westprogramme störungsfrei über das verlegte Kupferkabel empfangen zu können. Geholfen hat uns damals ein formaljuristischer Trick aufgrund der Tatsache, dass auch das Programm „DDR 2“ schlecht zu empfangen war. So haben wir einfach in den Antrag zur Bewilligung geschrieben, dass eine Antennengemeinschaft zur Verbesserung des Empfangs des demokratischen Rundfunks und aller international einfallender Sender notwendig sei“.

Bis heute existieren noch viele dieser DDR-Anlagen, die das Fernsehsignal vom Satelliten oder vom terrestrischen Fernsehen empfangen und ins örtliche Kabelnetz einspeisen. Allein in Mitteldeutschland sollen es noch über 2000 Antennengemeinschaften sein. Für Mittelbach liegen die Vorteile dieser Anlagen klar auf der Hand, denn für eine Jahresgebühr von lediglich 35 EUR können die Menschen vor Ort ihr Radio und Fernsehen empfangen – auf Wunsch sogar Internet. Auch den Bürgermeister des schmucken Ortes weiß Mittelbach hinter sich. So unterstützt Horst Brandt den Verband mit voller Tatkraft, denn auch er kann keinen Sinn darin erkennen, dass an jedem Haus und jeder Fassade eine Satellitenschüssel hängt und das Ortsbild verschandelt.

Auch mit der demnächst anstehenden Digitalisierung des analogen Satelliten zum 30.4.2012 wird sich bei der Antennengemeinschaft in Langewiesen wenig ändern, denn der digitale Fortschritt wird zum Teil gleich wieder rausgenommen. „So haben wir uns bewusst dafür entschieden, den analogen Empfang für unsere älteren Bürger zu erhalten“, erklärt Mittelbach. „Dafür reanalogisieren wir einige Programme, damit niemand gezwungen wird, in neue digitale Empfangstechnik investieren zu müssen“. Immerhin soll mit der unkonventionellen Methode absolut ausgeschlossen werden, dass bei irgendjemandem im Ort am 30.4. der Bildschirm schwarz bleibt. „Das gibt Freiraum für unsere eigentliche Verbandsaufgabe, den nicht rechtsfähigen Antennengemeinschaften in Thüringen Bestandsschutz zu gewähren“.

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