Beim Lokal-TV-Kongress in Potsdam wurde die Frage gestellt, ob werbefinanziertes Lokal-TV als Geschäftsmodell überhaupt funktionieren kann. Wie sehen Sie das?
Tatsächlich ist es sehr schwierig, Lokalfernsehen zu produzieren, welches sich dauerhaft ausschließlich durch Werbung finanziert. Nach unserer Erfahrung können viele Veranstalter vom Lokalfernsehen allein nicht leben und haben daneben weitere geschäftliche Standbeine. Die jüngsten technischen Neuerungen bergen zwar ein unglaubliches Potential und vereinfachen vieles: So können mit hoher Effizienz mehrere Kanäle bespielt, Inhalte mehrfach verarbeitet und damit zusätzliche Reichweite generiert werden, allerdings müssen auch diese Verbreitungswege gut gepflegt und professionell "gefüttert" werden, was auch höheren finanziellen Aufwand bedeutet. Die technische Fortentwicklung ist somit Segen und Fluch in einem. Es muss noch mehr Arbeit geleistet und koordiniert werden, um einen tatsächlich höheren Nutzen zu erzielen. Dafür wird gutes Personal benötigt, wofür ebenfalls die finanziellen Kapazitäten fehlen.
In Deutschland gibt es regional verschiedene Fördermöglichkeiten für Lokal-TV. Welche Möglichkeiten gibt es bei Ihnen und welche können Sie sich vorstellen?
Die SLM hat sich seit jeher im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten klar zum lokalen Fernsehen bekannt und war zu jeder Zeit bestrebt, es zu unterstützen. Geschehen ist das auf verschiedene Weise: Durch die Erhebung von Reichweitenzahlen, welche die Veranstalter für die Vermarktung einsetzen können, Studien zur Werbewirksamkeit, Unterstützung bei dem Aufbau von Marketing- und Programmtauschplattformen bis hin zu finanziellen Hilfen für die Umstellung auf den digitalen Sendebetrieb.
2014 hat der Gesetzgeber in Sachsen erstmals die Möglichkeit für die Förderung der Verbreitungskosten geschaffen, welche die SLM im Rahmen eines Förderprogrammes seit 2015 umgesetzt hat.
Eine darüber hinausgehende Förderung der Programmproduktion ist aber aus Rechtsgründen grundsätzlich nicht möglich. Damit sind auch die Möglichkeiten einer Unterstützung begrenzt.
Seit Jahren hakt es bei der nationalen Vermarktung von Lokal-TV. Was müsste passieren, damit der Knoten platzt?
Es gab – insbesondere auch in Sachsen – schon viele Ideen, Initiativen und auch praktische Ansätze, eine gemeinsame Vermarktungsplattform aufzubauen. Leider haben sie sich in der Realität nur bedingt bewährt.
Die Grundlage wäre ohnehin der feste Wunsch großer, überregional aktiver Unternehmen, im lokalen Fernsehen werben zu wollen, was aber bisher nicht erkennbar ist. Der Aufwand steht für sie ganz offensichtlich in keinem Verhältnis zu dem zu erwartenden Nutzen. Das liegt vor allem daran, dass die Lokalfernsehlandschaft sehr inhomogen ist und sehr verschieden aufgestellte Sender umfasst, die zudem mit unterschiedlichen Sendeschemata arbeiten. Aber auch die Relevanz des Mediums wird unterschätzt.
Zusammenfassend kann man sagen, dass das Vermarktungspotential des Lokalfernsehens tatsächlich eher vor Ort bzw. in der Region bei den dort ansässigen Unternehmen liegt (welche ihrerseits wiederum nie eine Chance hätten, im überregionalen Fernsehen Werbung schalten zu können).
Immer wieder wird mehr Kooperation zwischen den Lokal-TV-Anbietern angeregt. Wie können und sollten die Sender aus Ihrer Sicht zusammenarbeiten?
In Sachsen kooperieren viele Sender im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten durchaus miteinander, beispielsweise durch das gemeinsame Format "Sieben Tage Sachsen". Auch einzelne Sender, wie bspw. in Riesa und Meißen, arbeiten gut zusammen. Allerdings – das steht dem gegenüber – sind solchen Kooperationen auch Grenzen gesetzt. Denn gerade die kleinteilige, sublokale Berichterstattung ist das Alleinstellungsmerkmal des lokalen Fernsehens und das, womit es seine Zuschauer an sich binden kann.



