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Interview27.01.2026

Realschullehrer für Verdopplung des Digitalpakt-Volumens

Und wofür die Mittel eingesetzt werden sollten

Ralf Neugschwender - Bundesvorsitzender, Verband Deutscher Realschullehrer (VDR) Quelle: VDR/Florian Boehm Ralf Neugschwender Bundesvorsitzender Verband Deutscher Realschullehrer (VDR)
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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Für Ralf Neugschwender vom Verband Deutscher Realschullehrer (VDR) ist der Digitalpakt Schule 2.0 "ein wichtiges Signal, aber finanziell nicht ausreichend ausgestattet". Er erklärt, was Lehr- und Schülerschaft bräuchten und warum Digitalisierung ganzheitlich gedacht sollte.





Nach dem Digitalpakt Schule 2.0 fließen fünf Milliarden Euro bis 2030 in digitale Bildung an Schulen. Wie sehen Sie dieses Paket - ist der Umfang aus Ihrer Sicht hinreichend?
Der Digitalpakt Schule 2.0 ist ein wichtiges Signal, aber finanziell nicht ausreichend ausgestattet. Fünf Milliarden Euro bis 2030 liegen sogar unter dem Volumen des ersten Digitalpakts. Als Teil des Deutschen Lehrerverbandes teilen wir die Kritik des DL ausdrücklich: Wenn Länder sich bereits getätigte Ausgaben anrechnen lassen können und der Bund sich perspektivisch aus der Finanzierung zurückzieht, entsteht kein echter Fortschritt. Digitalisierung ist eine Daueraufgabe – dafür bräuchte der Digitalpakt das doppelte Volumen.

Auf welchem Stand sind die Schulen nach dem ersten Digitalpakt bereits?
Ich kann und will keinen vollständigen Überblick über die Situation aller Schulen in allen Bundesländern beanspruchen. Meine Einschätzung basiert auf zahlreichen Rückmeldungen aus den Schulen der Sekundarstufe I, insbesondere aus dem Bereich der Realschulen. Danach verfügen viele Schulen heute zwar über digitale Endgeräte und interaktive Tafeln, gleichzeitig sind zentrale strukturelle Probleme ungelöst geblieben. Es wurde vor allem Technik angeschafft, ohne zunächst Wartung, Ersatzbeschaffung und langfristigen Betrieb ausreichend mitzudenken. In der Folge kämpfen Schulen mit veralteten Geräten, instabilem WLAN und fehlendem Support. Hinzu kamen hohe bürokratische Hürden, die den Mittelabfluss teils erheblich verzögert haben.

Das Geld soll nicht nur in Hard- und Software fließen, sondern zum Beispiel auch in Fortbildungen von Lehrkräften. Welchen Bedarf sehen Sie bei den Lehrkräften?
Auch hier stütze ich mich auf die Rückmeldungen aus der Schulpraxis der Sekundarstufe I. Der Fortbildungsbedarf ist groß und inhaltlich anspruchsvoll. Lehrkräfte benötigen Qualifizierungen zu KI-gestütztem Lernen, Medienkompetenz, Datenschutz, Deepfakes und neuen Prüfungsformaten. Entscheidend ist, dass Fortbildung verbindlich, kontinuierlich und mit zeitlicher Entlastung organisiert wird. Gleichzeitig darf IT-Administration nicht weiter auf Lehrkräfte abgewälzt werden. Schulen brauchen professionellen technischen Support – nicht engagierte Kolleginnen und Kollegen, die diese Aufgaben nebenbei übernehmen.

Auch neue Konzepte sollen gefördert werden - wo sehen Sie da besondere Potenziale?
Besondere Potenziale zeigen sich dort, wo Digitalisierung ganzheitlich gedacht wird – also im Zusammenspiel von Unterricht, Schulorganisation und Verwaltung. Rückmeldungen aus den Schulen der Sekundarstufe I zeigen, dass digitale Verwaltungsprozesse ebenso notwendig sind wie der Einsatz professioneller KI-Systeme für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler. Gerade hierfür fehlen bislang ausreichende Mittel, etwa für hochwertige Lizenzen. Der Digitalpakt 2.0 muss zudem die Chancengerechtigkeit stärken: Jedes Kind braucht unabhängig vom Elternhaus Zugang zu digitalen Endgeräten und leistungsfähigen Lernplattformen. Nur dann wird Digitalisierung zur verlässlichen Grundlage guter Schule.

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