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Interview15.07.2016

Radio ist mehr als nur Audio

Warum bei hr3 und YOU FM Videos zum festen Setting gehören müssen

Sebastian Gehrlein, Leitung Crossmedia Pop Unit hr3 & YOU FM beim Hessischen Rundfunk Quelle: Hessischer Rundfunk Sebastian Gehrlein Leitung Crossmedia Pop Unit hr3 & YOU FM Hessischer Rundfunk
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Alexander Hiller
Redakteur
Meinungsbarometer.info
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Videos gehören jetzt und in Zukunft zum festen Setting im Hörfunk. Das sagt Sebastian Gehrlein von hr3 & YOU FM. Über Videos sollen die Nutzer Einblicke in die Redaktion bekommen und es soll Nähe vermittelt werden. Als einer der wenigen öffentlich-rechtlichen Hörfunkwellen setzt der HR auch bereits auf Periscope. Etwa beim Livestreaming von „tatort - Die Show“.





Webcam im Studio, Clips von Gästen – welche visuellen Inhalte braucht das moderne Radio heute und in Zukunft?
Unser Ziel ist es, die User mit unseren Inhalten da erreichen, wo sie neben der klassischen Radionutzung noch sind: in den sozialen Netzwerken. Mit Audioinhalten kommen wir an der Stelle nicht weiter. Daher gehören Videos jetzt und in Zukunft zum festen Setting der Ausspielwege. Über Videos können wir den Nutzern Einblicke in die Redaktion geben, Nähe vermitteln und unsere Personalities nach vorne stellen. Die klassische Webcam im Studio erfüllt einen ähnlichen Zweck, spielt in unserer Kommunikation aber eine immer geringere Rolle. Einem musikgetriebenen Radioformat bei der Entstehung zuzuschauen ist an sich nicht spannend. Zumal  bildstarke Inhalte, wie zum Beispiel Besuche von Künstlern oft aufgezeichnet sind, da sich die Terminpläne der Stars nicht immer mit den Sendezeiten der wichtigsten Sendungen decken.

BBC-Moderator Greg James bricht mit einem Video mit Talyor Swift gerade Click-Rekorde. Welche besonderen Videoformate gibt es in Ihrem Hause?
Wir setzen aktuell auf eine Mischung verschiedener Formate. Schnelle Smartphone-Clips der Moderatoren drehen Inhalte aus dem aktuellen Programm vor allem bei Facebook Instagram und Snapchat weiter. Hochwertig produzierte Videos von bildstarken Programm-Highlights z.B. Akustik-Sessions von YOU FM Künstlern im Studio oder von  YOU FM-Veranstaltungen, sind auch Highlights auf der YOU FM-Webseite und bringen Reichweite und Bekanntheit bei YouTube. Abseits des Tagesgeschäfts produzieren wir im hr „ tatort - Die Show“ eine interaktive Sendung, die bereits drei Mal direkt im Anschluss an die Ausstrahlung des Tatorts live gestreamt wurde. Sie greift die Fragen und Stimmung der großen Tatortfangemeinde auf, die den Krimi allwöchentlich auf dem Second Screen begleiten. Im Laufe des Jahres werden weitere Formate in Zusammenarbeit mit dem entstehenden Jungen Angebot von ARD und ZDF hinzukommen.

Nutzen Sie Meerkat, Periscope oder ähnliche Streaming-Apps – und wenn ja für welche Übertragungen?
Periscope kommt beim Livestreaming von „tatort - Die Show“ zum Einsatz. Die komplette Sendung ist neben der Ausspielung auf unseren Seiten live in der App zu sehen. Facebook Live setzen wir seit die Möglichkeit besteht immer wieder begleitend zum Hörfunkprogramm ein.  Im Fokus sind hier ereignisgetriebene Themen, bei denen sich gut Nutzerfeedback via Facebook einbinden lässt und die als Liveevent von Interesse sind. Wenn sich zum Beispiel Hörer im Rahmen einer Programmaktion live im Radio ein Tatoo stechen lassen, oder  Mädels eine Glatze rasiert wird – dann hat das einen hohen Unterhaltungswert und Einschaltimpuls.

Der neuste Social-Media-Hype ist der Versand von Bildern oder Clips über Snapchat. Wie ist Ihr Haus auf Snapchat unterwegs?
Im hr ist YOU FM gerade bei Snapchat gestartet. Wir haben den von uns präsentierten World Club Dome, ein großes Dance-Festival in Frankfurt mit Snaps begleitet und sind sehr zufrieden mit den Nutzungszahlen. Das Gros der Nutzer bei Snapchat ist unter 20 Jahre, aber der Trend greift um sich und ist für YOU FM eine schöne Möglichkeit diesen jungen Teil der Hörer zu erreichen. Hier werden wir in den nächsten Monaten mit verschiedenen Möglichkeiten, Content zu vermitteln, experimentieren.

Wie muss sich die Ausbildung von Radiojournalisten für die Produktion multimedialer Inhalte künftig ändern?
Sie muss natürlich breiter werden. Im hr ist das redaktionelle Volontariat bereits klar trimedial ausgelegt und die Volontäre bekommen die Gelegenheit in ihrer Ausbildung auch neue Formen des transmedialen Arbeitens zu erproben und zu entwickeln. Das geht zum Teil deutlich über den Arbeitsalltag von Redaktionen hinaus – aber die Arbeitsprozesse sind im Wandel und Volos von heute sind idealerweise mal Impulsgeber von morgen. Was eine Ausbildung allerdings nicht leisten kann, ist Leidenschaft  für crossmediales Produzieren in jeden Radiomacher zu pflanzen. Aus meiner Erfahrung im Ressort Crossmedia weiß ich, dass die elementar ist, um institutionalisierte Crossmedialität auch wirklich zu leben. Entsprechend werden die Mitarbeiter von YOU FM und auch die Volontäre des hr auch ausgesucht. Wer ein Talent und ein Interesse am medienübergreifenden Arbeiten hat wird zukünftig im Vorteil sein.

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