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Interview19.07.2016

Eigene Formate aus der Digitalen Garage

Wie multimedial bei Radio Bremen gearbeitet wird

Helge Haas, Programmleiter, Junge Angebote bei Radio Bremen Quelle: Radio Bremen Helge Haas Programmleiter Radio Bremen
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Alexander Hiller
Redakteur
Meinungsbarometer.info
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"Webcam im Studio ist überwiegend langweilig und kann Radio auch entzaubern", sagt Helge Haas, Programmleiter, Junge Angebote bei Radio Bremen. Deswegen setzt er auf eigene Formate. Und auf Innovation bei der Ausbildung - u.a. mit einem einzigartigen Volontariat.





Webcam im Studio, Clips von Gästen – welche visuellen Inhalte braucht das moderne Radio heute und in Zukunft?
Webcam im Studio ist überwiegend langweilig und kann Radio auch entzaubern. Sinnvoll wird die Webcam im Studio, wenn sie gezielt für Aktionen und bei prominenten Gästen eingesetzt wird.

BBC-Moderator Greg James bricht mit einem Video mit Talyor Swift gerade Click-Rekorde. Welche besonderen Videoformate gibt es in Ihrem Hause?
Die Digitale Garage von Radio Bremen entwickelt und produziert Formate für junge Zielgruppen.
Aktuelles Projekt ist „was mit Fabian“, ein reines Webvideo/YouTube-Format:
• kommentierende YouTube-Videos, prägnante Visual Statements in grafisch aufbereiteten Bildern bei Facebook und Twitter
• begleitende Inhalte von, mit und über Fabian bei Snapchat und Instagram
• im Zentrum der Marke „Was mit Fabian“ steht das Format „Das geht besser“. In kurzen YouTube-Videos kommentiert Fabian aktuelle Ereignisse
• „was mit Fabian“ experimentiert mit unterschiedlichen Formaten auf unterschiedlichen Plattformen
• als Gesamtmarke „Was mit Fabian“ sind wir täglich da, wir reagieren aktuell auf Ereignisse und auf Kommentare
• der erfahrene YouTuber Fabian Nolte ist Namensgeber und alleiniger Kopf des Formats
• „was mit Fabian“ ist Fabian Nolte: satirisch, pointiert, manchmal zynisch und immer unterhaltend

Ein weiteres Projekt steht kurz vor dem Launch: ein Webvideo-Dokuformat, getragen von einem jungen Journalisten-Kollektiv, welches wöchentlich erscheinen und in den sozialen Netzwerken ausgespielt wird

Nutzen Sie Meerkat, Periscope oder ähnliche Streaming-Apps – und wenn ja für welche Übertragungen?
Wir haben bereits Erfahrungen mit Periscope gesammelt. Beispielsweise wurde im Anschluss an eine bundesweite Tatort-Ausstrahlung eine Talkrunde (u.a. mit Oliver Mommsen) live per Periscope gestreamt. Darüber hinaus experimentieren wir bei „was mit Fabian“ mit dem Facebook-Livestream-Feature (sowohl direkt per Smartphone als auch mit professionellem Kamera-Equipment). Geplante Anwendungsbereiche für den Facebook-Livestream sind z.B. Kommentarshows mit Fabian Nolte. Beim jetzigen Wissenstand scheint die Nutzung von Periscope zugunsten von Facebook-Live (wesentlich mehr Reichweite) deutlich an Relevanz zu verlieren.

Insgesamt bauen wir Streaming als Ausspielweg für die Onlineseiten von Radio Bremen stark aus. Dabei geht es um die Übertragung von Live-Events aus der Region, die ein breites Publikum ansprechen. Bei aktuellen Ereignissen werden wir auch auf Periscope oder Facebook-Live setzen. Das hängt aber stark vom Ereignis ab.

Der neuste Social-Media-Hype ist der Versand von Bildern oder Clips über Snapchat. Wie ist Ihr Haus auf Snapchat unterwegs?
Im Rahmen von „was mit Fabian“ pflegen wir zusätzlich einen Snapchat-Account. Dort werden eigenständige Videos und Bilder  (Reaktionen auf tagesaktuelle Ereignisse und Gesprächsthemen, behind the scenes …) verbreitet, meist per „Story“. Teasing auf die YouTube-Videos findet auch statt, ist aber eher nachrangig.

Wie muss sich die Ausbildung von Radiojournalisten für die Produktion multimedialer Inhalte künftig ändern?
Radiojournalisten müssen wissen, wie ihre Hörerinnen und Hörer soziale Netzwerke nutzen und wie die verschiedenen Sozialen Netzwerke funktionieren, denn dort ist ihr Publikum. Sie müssen die Inhalte für die Homepage, aber vor allem für die jeweils passenden Sozialen Netzwerke mitdenken können.

Radio-Journalisten müssen sich darauf einstellen, dass sie in erster Linie Content-Produzenten sind, und nicht nur auf ein Medium beschränkt. Dazu gehört beispielsweise auch, dass von Ereignissen und Interviewterminen zusätzlich zum Audio auch Video- und Bildmaterial für die Onlinepräsenz und die sozialen Netzwerke aufgezeichnet wird. Das erfordert ein zeitgemäßes technisches Equipment und eine entsprechende Weiterqualifizierung der Mitarbeiter.

Alle Volontärinnen und Volontäre werden deshalb bei Radio Bremen crossmedial ausgebildet. Wir bieten darüber hinaus das erste Socialmedia-Volontariat der ARD an, die erste Volontärin (Duygu Gezen) befindet sich in der Mitte ihres Volontariats.

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