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Interview18.07.2016

DASDING-Programmchef macht Radio zur multimedialen Medienmarke

Warum der Hörfunk vollkommen neu definiert werden muss

Dr. Wolfgang Gushurst, Programmchef von DASDING (SWR) Quelle: DASDING Dr. Wolfgang Gushurst Programmchef DASDING
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Alexander Hiller
Redakteur
Meinungsbarometer.info
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Dr. Wolfgang Gushurst ist Programmchef bei einer der erfolgreichsten deutschen Radiowellen. Damit das bei DASDING vom SWR und bei anderen Radios so bleibt, muss sich spätestens jetzt das Radio hin zu einer multimedialen Medienmarke wandeln. Konkret heißt das für Gushurst und sein Team "dass wir unser Produkt Radio, der Nutzungssituation unserer Zielgruppe anpassen und Radio völlig neu definieren müssen."





Webcam im Studio, Clips von Gästen – welche visuellen Inhalte braucht das moderne Radio heute und in Zukunft?
Das Smartphone ist für die Head-Down-Generation das zentrale Konsum- und Kommunikationsmedium. Damit verbunden ist eine Erwartungshaltung neben reinen Audioinhalten auch Bewegtbild, Fotos o. ä zu bekommen. Das heißt, spätestens jetzt muss man sich als Radio hin zu einer multimedialen Medienmarke wandeln. Konkret heißt das, dass wir unser Produkt Radio, der Nutzungssituation unserer Zielgruppe anpassen und Radio völlig neu definieren. Durch unseren neuen Ausspielweg Visual Radio sind wir beispielsweise damit auf dem richtigen Weg, schnell und mit einfachen Mitteln Video-Content zu produzieren.

BBC-Moderator Greg James bricht mit einem Video mit Talyor Swift gerade Click-Rekorde. Welche besonderen Videoformate gibt es in Ihrem Hause?
Grundsätzlich versuchen wir für jede Social-Media-Plattform die adäquate Umsetzung zu finden. Das ist natürlich auch themenabhängig. Aufwändige Beiträge, die eine Longtailnutzung versprechen, werden mit größerem Produktionsaufwand gedreht. Eine Umsetzung für Snapchat ist dagegen schnell, unmittelbar, ein Video für Facebook muss auch ohne Ton funktionieren etc. Was uns unterscheidet, ist der Einsatz von Visual Radio: Einerseits besteht die Möglichkeit für User z. B. über Facebookkommentare direkt dabei zu sein, andererseits können wir sehr leicht auch Kollegengespräche, Experteninterviews direkt aus dem Videomitschnitt verwenden und abclippen. Einzelne Bewegtbildgefäße definieren wir immer wieder neu. So arbeiten wir beim Starinterview aktuell mit einer Bewegtbildumsetzung „Song tindern“.

Nutzen Sie Meerkat, Periscope oder ähnliche Streaming-Apps – und wenn ja für welche Übertragungen?
Mit Periscope haben wir experimentiert. Es hat uns aber nicht soviel gebracht. Meerkat und Periscope sind mehr Medienhype als tatsächliche Tools, um unsere Zielgruppe zu erreichen.  Anders ist dies beim Livestream über Facebook. Damit erreichen wir unsere Zielgruppe deutlich besser.

Der neuste Social-Media-Hype ist der Versand von Bildern oder Clips über Snapchat. Wie ist Ihr Haus auf Snapchat unterwegs?
Auch mit Snapchat experimentieren wir derzeit viel. Es ist eine gute Möglichkeit, besonders das junge Publikum anzusprechen. Die „ Erzählform“ ist aber wiederum anders als bei anderen Verbreitungswegen. Für Snapchat braucht es eher collagenartige, verspielte Umsetzungen. Inhaltlich bieten wir über Snapchat auch den Blick in die DASDING-Redaktion.

Wie muss sich die Ausbildung von Radiojournalisten für die Produktion multimedialer Inhalte künftig ändern?
Reine Radiojournalisten wird es immer weniger geben. Natürlich wird auch weiterhin wichtig sein, wie man welche Informationen für den Radioausspielweg aufbereitet. Daneben sind aber Kenntnisse wie Social-Media-Ausspielwege funktionieren und wie man Content dafür umsetzt, wichtig. Dazu gehört auch, dass man lernt, was man am besten zu welchem Zeitpunkt postet, oder der Umgang mit Bewegtbild. Die Anforderungen steigen also. Daneben wird der Konkurrenzdruck härter, Informationen werden immer schneller auf den Markt geworfen. Was dabei nicht unter die Räder kommen darf, sind die klassischen Anforderungen an Journalisten: Sorgfalt in der Berichterstattung, Recherchekompetenz etc.

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