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20.10.2020
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PRODUZENTEN-ALLIANZ SIEHT GEFAHR IN ZUSAMMENSETZUNG DER NEUEN FÖRDERGREMIEN

Was am Entwurf des neuen Filmfördergesetzes den Produzenten hilft - und was nicht

Alexander Thies, Vorsitzender des Vorstands der Allianz Deutscher Produzenten - Film & Fernsehen e.V.

Alexander Thies, Vorsitzender des Vorstands der Allianz Deutscher Produzenten - Film & Fernsehen e.V. [Quelle: Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen e.V.]


Deutsche Kinofilme sind im Vergleich zu Hollywood-Produktionen "viel zu oft unterfinanziert", konstatiert Alexander Thies, Vorsitzender des Vorstands der Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen e.V.. Die Konentration auf weniger Projekte nach dem neuen Filmfördergesetz könnte da helfen - anderseits könnten interessante Projekte gar keine Förderung erhalten.


Die Filmförderung soll stärker auf eine geringere Anzahl von Projekten konzentriert werden – eine Chance oder eine Gefahr für den Qualitätsfilm?
Mehr Geld pro Film ist natürlich begrüßenswert. Unsere Produktionen müssen im Kino neben Hollywood bestehen, und dort gelten inzwischen 100-Millionen-Dollar-Budgets als mehr oder weniger normal. Deutsche Filme müssen dagegen in aller Regel mit Budgets weit unter 10 Mio. Euro auskommen, und dafür kann man dem Publikum natürlich nicht die Schauwerte der transatlantischen Konkurrenz bieten. Zwar schlagen sich deutsche Produktionen angesichts dieses enormen Ungleichgewichts ausgezeichnet – 37 Millionen Zuschauer und ein Marktanteil von fast 30 Prozent im vergangenen Jahr sprechen da eine deutliche Sprache. Trotzdem sind deutsche Filme viel zu oft unterfinanziert, und dagegen kann eine Fokussierung auf weniger Projekte, die dann angemessener budgetiert werden können, helfen. Andererseits geht mit der von der Novelle befürworteten Konzentration der Fördermittel auf weniger Produktionen auch die Flexibilität der Entscheidungen der Vergabekommission verloren, so dass nicht ausgeschlossen ist, dass von Fall zu Fall auch einmal wirklich förderungswürdige Produktionen durch den Raster fallen.

Über die Förderung eines Projektes sollen künftig kleinere Gremien entscheiden. Wie bewerten Sie das neue Modell?
Grundsätzlich sind kleinere Gremien besser als zu große: Film ist ja kein Massenprodukt, bei dem die Förderwürdigkeit anhand einer Strichliste identifiziert werden kann. Kleinere Gremien können konzentrierter diskutieren und flexibler entscheiden. Nicht zielführend erscheint uns allerdings, drei von fünf Gremienposten mit Verwertern zu besetzen. Hier droht die Gefahr, dass Entscheidungen nur aufgrund oberflächlicher Kommerzerwägungen getroffen werden, die es innovativen Projekten künftig schwer machen könnten. Auch dürfte die Zahl der Mitglieder des Pools, aus dem die jeweiligen Mitglieder der Vergabekommission berufen werden, mit 32 Mitgliedern zu groß sein, da es so nicht möglich sein wird, eine gewisse Kontinuität in den Entscheidungen der Vergabekommission sicher zu stellen.

Künftig soll verstärkt in die Förderung von Drehbüchern investiert werden. Welche Defizite gab es bislang in diesem Bereich?
Bernd Eichinger hat mal gesagt, aus guten Drehbüchern könnten zwar schlechte Filme entstehen, niemals aber gute Filme aus schlechten Drehbüchern. Ein gutes, ausgearbeitetes Drehbuch ist also die Bedingung für einen guten Film. Man muss leider feststellen, dass wegen der besonderen Finanzierungssituation bei uns noch zu oft Bücher in die Produktion gehen, die noch nicht wirklich ausgereift und zu Ende entwickelt sind – was auch wieder eine Geldfrage ist. Hier könnte eine verstärke Drehbuchförderung helfen.

Gefördert werden können künftig auch Kurzfilme. Welchen Sinn hat die Förderung der Nische?
Abgesehen davon, dass eine Kurzfilmförderung nach dem FFG keineswegs neu ist, wäre es kurzsichtig, dies als „Nischenförderung“ abzutun. Die Filmförderung soll nicht nur kommerziell erfolgversprechende Projekte ermöglichen, sondern auch helfen, den Film als Kunstform zu erhalten und weiterzuentwickeln. Im Übrigen bietet der Kurzfilm jungen Talenten eine relativ preiswerte Möglichkeit, erste Erfahrungen zu machen und mit ihren Werken auf nationalen und internationalen Filmfestivals zu reüssieren und damit auf sich aufmerksam zu machen.

Erstmals beteiligen sich Videoabrufdienste an der für die Förderung maßgeblichen Filmabgabe. Welche Rolle spielen die neuen digitalen Dienste für die deutsche Filmwirtschaft?
Die Bedeutung von Videoabrufdiensten für die deutsche Filmwirtschaft wird in dem Maß wachsen, in dem sie die Angebote der stationären Videotheken im Home-Entertainment-Sektor ersetzen. Voraussetzung ist aber natürlich, dass auch ausländische Videoabrufdienste mit ihren aus Deutschland heraus erzielten Umsätzen zu der Abgabe herangezogen werden. Interessant wird es, zu beobachten, inwieweit sich der Kinofilm dort neben den Exklusiv-Serien von Netflix, Amazon & Co. und den ebenfalls immer hochwertiger werdenden Fernsehserien behaupten wird.