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Interview18.02.2020

Pro Nacht mehr als 5.000 vermeidbare Gefahrenstellen auf Autobahnen

Wie sich neuer Parkraum für LKW schaffen lassen würde

Tim Baumeister, Co-Projektleiter KRAVAG Truck Parking Quelle: KRAVAG Truck Parking Tim Baumeister Co-Projektleiter KRAVAG Truck Parking
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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"Von den abgestellten Lkw finden nur knapp 2/3 einen Parkplatz, der in der Definition der Behörden als akzeptabel gilt", sagt Tim Baumeister, Co-Projektleiter KRAVAG Truck Parking Truck Parking mit Blick auf die Parkraum-Situation an den Autobahnen. Mit einer App des Unternehmens können Fernfahrer und Speditionen freie Plätze melden oder Komfort und Sicherheit bewerten und andere Funktionen nutzen.





Mit einem 5-Punkte-Plan will das BVMI gegen den LKW-Parkplatzmangel auf Autobahnen vorgehen. Wie akut sind die Probleme aus Ihrer Sicht?          
Das Problem ist nicht nur für alle Verkehrsteilnehmer offensichtlich – es lässt sich auch in den aktuellen Statistiken der Straßenbehörden klar quantifizieren. Je nach Zählung fehlen mind. 30.000 Stellplätze für Lkw pro Nacht. Von den abgestellten Lkw finden nur knapp 2/3 einen Parkplatz, der in der Definition der Behörden als akzeptabel gilt. In den Verkehrszählungen wurden pro Nacht ca. 5.000 Lkw, die in den Ein- und Abfahrten von Rastplätzen oder auf den Standspuren parkten, erfasst. Das sind pro Nacht mehr als 5.000 hoch gefährliche und vermeidbare Gefahrenstellen auf unseren Autobahnen. Meldungen über entsprechende Unfälle – teils mit tödlichen Folgen – erreichen uns mittlerweile leider wöchentlich. 

Neben neuen Parkraum sollen auch verstärkt digitale Leitsysteme zum Einsatz kommen, wie es sie an manchen Autobahnen schon gibt. Wie können digitale Leitsysteme gegen den Parkraum-Mangel helfen?
Digitale Leitsysteme helfen – wenn die Infos verlässlich beim Fahrer und seinem Disponenten ankommen. Dies werden wir nicht durch einzelne Schilder an den Parkplätzen erreichen. Daher setzen wir auf einen ganzheitlichen Ansatz mit Smartphone-App für den Fahrer und Web-Portal für den Disponenten, die jeweils verlässlich und transparent Parkmöglichkeiten entlang der Strecke anzeigen. Der wichtigste Mehrwert aber ist die Reservierbarkeit von Parkflächen. Nur durch die feste Reservierung eines Parkplatzes bekommen wir Planungssicherheit und vermeiden Stress und Überlastung der Fahrer.

Durch telematisches Kolonnen- und Kompaktparken sollen bis zu 50 % mehr Parkraum durch Verdichtung gewonnen werden. Wie bewerten Sie das?
Das ist eine gute Maßnahme. Sie ist natürlich nur ein Teil der Lösung, denn hierdurch kann der Mangel nicht beseitigt werden. Während des Umbaus entfallen sogar Parkplätze – die Situation verschärft sich somit zunächst sogar. Durch die enge Belegung ergeben sich zudem mehr Möglichkeiten für Ladungsdiebe, sich an den Fahrzeugen zu schaffen zu machen.

Das BMVI arbeitet an einer Förderrichtlinie für Lkw-Stellplätze im Autobahn-Nahbereich. Was erwarten Sie davon?
Wir weisen mit unserem Projekt bereits seit Jahren auf die Chancen des Ausbaus privater Stellplätze hin. Wir können in kurzer Zeit und zu geringen Kosten eine nennenswerte Anzahl an Parkflächen auf gesicherten Geländen schaffen. Statt mancherorts 5-10 Jahren benötigen wir nur wenige Wochen zur Erschließung eines neuen Geländes. Die Kosten pro Stellplatz können wir von mehreren 10.000 Euro auf unter 1.000 Euro senken. Mit mehr Komfort für die Fahrer und mehr Sicherheit für Fahrzeug & Ladung machen wir das Berufsbild des Kraftfahrers im Fernverkehr wieder attraktiver. Zudem müssen keine neuen Flächen erschlossen werden – das erspart uns langwierige Genehmigungsverfahren und schont die Umwelt. Die Umwege von der Autobahn sind gering – meist nur 5 – 10 Minuten. Dieser kleine Umweg lohnt sich – und spart im Vergleich zum sonst anfallenden Parkplatz-Suchverkehr sogar Zeit und Sprit.

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