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18.10.2018
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PRIVATRADIOMANAGER: UKW-ABSCHALTUNG GROB FAHRLÄSSIG

Wann eine Technik überholt ist

Karlheinz Hörhammer, Vorsitzender der Geschäftsführung von ANTENNE BAYERN

Karlheinz Hörhammer, Vorsitzender der Geschäftsführung von ANTENNE BAYERN [Quelle: ANTENNE BAYERN]


"Für werbefinanzierte Angebote ist es wichtig, auf allen Distributionswegen vertreten zu sein und ihre Hörer/Nutzer über alle Endgeräte zu erreichen", betont Karlheinz Hörhammer, Vorsitzender der Geschäftsführung von ANTENNE BAYERN. Deshalb ist er gegen eine Abschaltdebatte - zumindest jetzt.


In zwei Regionen sind die Deutschlandradio-Programme künftig nicht mehr per UKW zu empfangen und sollen vor allem über DAB+ Hörer erreichen. Was bedeutet das aus Ihrer Sicht für den digitalen Übertragungsstandard?
Im Ergebnis bedeutet dies ja im Umkehrschluss, dass 81,9% der potenziellen Hörer in diesen beiden Regionen nicht mehr von Deutschlandfunk erreicht werden können (DAB+ deutschlandweiter Anteil 18,1%), da nach dem aktuellen Stand UKW nach wie vor der Hauptübertragungsweg darstellt.

Die Durchdringung mit DAB+ Geräten ist in den letzten Jahren stark gestiegen – auf nun deutschlandweite 18,1 %. Wie bewerten Sie den Schritt des Deutschlandradios im Lichte dieser Entwicklung?
Für eine mit Gebühren finanzierte öffentlich rechtliche Anstalt stellt eine Verbreitung von nur 18,1% DAB+ sicher kein Problem dar, da die Finanzierung über Rundfunkgebühren erfolgt. Anders stellt sich das für Privatsender dar, da deren Wirtschaftlichkeit ausschließlich von erzielten Hörerreichweiten abhängt.

Gerade bei jüngeren Zielgruppen ist IP-basierte Radionutzung im Kommen - was bedeutet es für die klassischen Radiomarken, wenn eine zahllose überregionale Konkurrenz nur einen Klick entfernt sendet?
Der Radio/Audiomarkt ist ein Markt, in dem seit einigen Jahren ohnehin eine heftige Wettbewerbssituation herrscht. Anbieter über UKW, DAB+, IP-basiert und auf den Plattformen diverser Aggregatoren werben um die Gunst der Hörer/Nutzer. Für werbefinanzierte Angebote ist es wichtig, auf allen Distributionswegen vertreten zu sein und ihre Hörer/Nutzer über alle Endgeräte zu erreichen. Der Hörer/Nutzer wird sich sein Angebot über den für ihn einfachsten Weg einschalten – für ihn spielt es am Ende des Tages keine Rolle, ob der Verbreitungsweg UKW, DAB+ oder IP ist.

Ab 2021 will Deutschlandradio weitere UKW-Sender außer Betrieb nehmen. Kommt dann einen neue UKW-Abschaltdebatte?
Eine Abschaltdebatte sollte man nur dann führen, wenn die Nutzung eines bestimmten Distributionsweges unter wirtschaftlichen – aber vor allen Dingen unter Reichweitengesichtspunkten nicht mehr sinnvoll ist. Ein gut genutztes System (UKW) abzuschalten in der Hoffnung, dass dadurch ein anderes Übertragungsverfahren (DAB+) sich besser entwickelt, halte ich für grob fahrlässig.