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Interview03.08.2016

Pokémon Go: Automobilclub wehrt sich gegen noch engeres Gesetzeskorsett

Warum keine neuen Gesetze helfen, sondern nur die Vernunft aller Verkehrsteilnehmer

Dr. Michael Haberland, Präsident Mobil in Deutschland e.V. Quelle: Mobil in Deutschland e.V. Dr. Michael Haberland Präsident Mobil in Deutschland e.V.
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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Die deutschen Automobilclubs wollen keine neuen Gesetze, die den Missbrauch von sogenannten Location-based Games im Straßenverkehr verhindern. Vielmehr hilft gegen den Hype um Pokémon Go "nur die Vernunft der Verkehrsteilnehmer, das Smartphone mit Verstand im Straßenverkehr zu nutzen", so Dr. Michael Haberland, Präsident "Mobil in Deutschland".





Experten befürchten, dass es durch Location-based Games zu einer Zunahme von Verkehrsunfällen kommt. Was raten Sie Verkehrsteilnehmern?
Als moderner und liberaler Automobilclub glauben wir an den mündigen und verantwortungsbewussten Autofahrer und Verkehrsteilnehmer. Daher appellieren wir an die eigene Vernunft der Verkehrsteilnehmer, das Smartphone mit Verstand im Straßenverkehr zu nutzen. Dazu gehört der Umgang mit Apps wie „Pokémon Go“, wie aber auch der gesamte Umgang mit technischen und anderen Ablenkungen im Straßenverkehr. Hier sei beispielweise an die extrem gefährliche und zu unterlassende Nutzung des Smartphones als Fahrer in der Hand am Steuer erinnert. Wenn man sich vernünftig, aufmerksam und vorausschauend verhält, dann gefährdet man weder sich selbst noch andere Verkehrsteilnehmer fahrlässig und kann mögliche Gefahren frühzeitig erkennen.

Bei Location-based Games werden die Spieler an für sie unbekannte Örtlichkeiten geführt. Wie lässt sich sicherstellen, dass (insbesondere junge Nutzer) nicht in Gefahr geraten?
Ein sicherlich wichtiges Kernelement stellt dabei bereits die Programmierung der Spiele selbst dar. Bezogen auf das Spiel „Pokémon Go“ würde dies aus der Verkehrsperspektive beispielsweise bedeuten, dass die Pokémon Figuren nicht in der Nähe von Straßen, Fahrrad- oder Fußwegen platziert werden. Auf diese Weise werden Spieler nicht unnötig Gefahrensituationen – diese müssen gar nicht in für den Spieler unbekannten Örtlichkeiten liegen – ausgesetzt und auch nicht in die Versuchung gebracht, aufgrund einer Verschmelzung der virtuellen Spielewelt und der realen Umwelt, gefährliche Situationen in Kauf zu nehmen. Dies sollte auch im Sinne der sozialen Verantwortung der Herausgeber von Location-based Games gegenüber Kunden und Nutzern liegen.

Die Hype-App Pokémon Go hat eine USK-Empfehlung ab 6 Jahre. Wie sollten die jungen Nutzer auf das Spiel und etwaige Gefahren vorbereitet werden?
Um junge Spieler – ebenso aber auch ältere – gegenüber den möglichen Gefahren durch die Nutzung von derartigen Apps zu wappnen, sind eine tiefgreifende Aufklärung und Sensibilisierung notwendig. Die Nutzer müssen auf diese Weise ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass ein virtuelles Spiel, durch den falschen Umgang, ganz schnell zu einer realen Gefahr werden kann. Hierbei können und müssen Eltern, Schulen und auch Medien eine wichtige Rolle einnehmen, um die sich stetig weiterentwickelnde Technisierung unseres Alltags einerseits begreifbar zu machen, und andererseits zugleich den richtigen Umgang mit neuen Angeboten und Möglichkeiten derart zu fördern, dass Gefahren vermieden werden können.

Angesichts der Gefahren rund um den aktuellen Trend – braucht es neue gesetzliche Regulierungen?
Lassen Sie mich diese Frage mit einem Nein beantworten. Der Ruf nach neuen gesetzlichen Regulierungen ist schnell getan – doch diese stellen ganz gewiss kein Allheilmittel dar und schützen erst recht nicht vor den Konsequenzen unbedachter Verhaltensweisen. Wenn ein Fußgänger unachtsam und mit Blick auf das Handy-Display auf die Straße läuft um Pokémon-Tiere einzufangen, oder ein Autofahrer durch ein Spiel völlig abgelenkt vom Straßenverkehr fährt und vielleicht sogar einfach auf der Straße stehen bleibt, dann helfen keine neuen Regularien. Es gibt hier klare gesetzliche Regelungen. Hier ist Vernunft, Aufklärung und die Sensibilisierung der Verkehrsteilnehmer gefragt, anstatt diese in ein noch engeres Gesetzeskorsett hinein zu zwingen, das sie nicht schützen kann.

 

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