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Osnabrück mahnt Änderung der Förderpraxis an

Wie der E-Bus in Fahrt kommt

Joachim Kossow, Stadtwerke Osnabrück Quelle: Stadtwerke Osnabrück Joachim Kossow Projektleiter Stadtwerke Osnabrück 06.11.2017
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Alexander Hiller
Redakteur
Meinungsbarometer.info
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"Die Politik auf Lokal-, Landes- und Bundesebene hat sich bislang zu einer Elektrifizierung des  ÖPNV bekannt. Diesem Bekenntnis müssen deutlichere Taten folgen", sagt Joachim Kossow, Projektleiter bei den Stadtwerken Osnabrück. Denn seiner Erfahrungen mit den eingesetzten E-Bussen sind sehr gut.







Sie testen den E-Bus-Einsatz – welche Vorteile versprechen Sie sich vom Einsatz von E-Bussen?
Für unser Unternehmen stellt der Einsatz von E-Bussen die beste Lösungsmöglichkeit für die aktuellen Herausforderungen der Mobilitätswende da. E-Busse fahren lokal emissionsfrei und sind, wenn sie, wie bei uns geplant, mit Ökostrom betrieben werden, nachhaltig erfolgreich. Im Innenstadtbereich werden neben den Schadstoffemissionen auch die Lärmbelastungen reduziert. Im Betrieb sind E-Busse bei entsprechender Laufleistung zudem günstiger als Dieselbusse. Mittelfristig hilft die Elektrifizierung der E-Busse auch bei Lösungen von Problemen der regenerativen Energien da durch ein entsprechendes Lademanagement Angebotsspitzen genutzt werden können.
Als eines der großen Probleme bei E-Autos gelten Reichweite und Ladeinfrastruktur. Wie lösen Sie das bei Ihrem Projekt?
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, das Reichweitenproblem zu lösen: Fahrzeuge mit „großen“ Batterien, die nur in der Nacht auf den Betriebshöfen geladen werden, oder Fahrzeuge mit „kleineren“ Batterien, die neben einer Ladung auf dem Betriebshof auch zwischen den Fahrten tagsüber an den Endhaltestellen geladen werden (das sog. „Opportunity charging“). Da durch die größeren Batterien die Fahrzeugkosten steigen und die Fahrgastkapazität der Busse geringer wird werden wir in Osnabrück ein System mit der Ladung an Endwenden einsetzen. Die Ausschreibung der Fahrzeuge ist ebenfalls so ausgelegt, dass diese durch ein intelligentes Batteriemanagementsystem lange halten und die Reichweite auch nach mehreren Jahren noch erreicht wird.

Welche Hindernisse sehen Sie darüber hinaus auf dem Weg der Elektrifizierung des ÖPNV?
Es reicht nicht aus, Dieselbusse „eins-zu-eins“ durch E-Busse zu ersetzen. Bei der Elektrifizierung des straßengebundenen ÖPNV müssen wir im System denken. Neben einer sehr engen Verzahnung von Fahrzeugen, Ladeinfrastruktur, Netzbetreibern und Stromproduzenten müssen wir das System grundsätzlich für den Kunden attraktiv machen. Es hat sich gezeigt, dass die Antriebsart nur eine geringe Rolle bei der Wahl des Busses als Verkehrsmittel spielt. Wir brauchen daher moderne Fahrzeuge mit modernem Design, schnelle Reisezeiten, freundliches Personal und eine intelligente Vernetzung der nachhaltigen Verkehrsmittel. In Osnabrück läuft dies unter den Schlagworten „Elektrifizierung – Digitalisierung – Multimobilität“. Dazu brauchen wir die Unterstützung insbesondere der Fahrzeughersteller, denn diese müssen die gewünschten Fahrzeuge auch liefern können.

Welche Unterstützung würden Sie sich von der Politik wünschen?
Die Politik auf Lokal-, Landes- und Bundesebene hat sich bislang zu einer Elektrifizierung des  ÖPNV bekannt. Diesem Bekenntnis müssen deutlichere Taten folgen. Dies betrifft zum einen den Bereich der Förderung von Fahrzeugen und Ladeinfrastruktur. Die aktuelle Fahrzeugförderung fördert Dieselbusse mit 40 %, E-Busse aber (im Zusammenhang von Fahrzeugmehrkosten und maximaler Förderhöhen) nur mit ca. 34 %. Daneben gibt es keine Systemförderung, das heißt Fördermittel für Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur müssen getrennt voneinander beantragt werden. Hier muss beachtet werden ob und in welchem  Rahmen Fördermittel aus verschiedenen Töpfen kumulierbar sind. Dadurch werden Ressourcen gebunden und Bürokratien aufgebaut. Außerdem ist die Förderung des ÖPNV derzeit nicht mit dem des MIV vergleichbar. Im Rahmen des EU-Projekts „ELIPTIC“ gibt es dazu die Kampagne „Faktor 100“, die eine Förderung der E-Busse um den Faktor 100 gegenüber dem MIV fordert (www.eliptic-project.eu/sites/default/files/Faktor100_Folder_RZ6_.pdf) Zuletzt besteht zur Zeit noch das Problem, dass der Strom für E-Busse nicht grundsätzlich von der EEG-Umlage befreit ist. Dadurch erhöhen sich die Betriebskosten je verbrauchter kWh um über 6 Cent, was ein deutlicher Preistreiber ist.

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