Ihre Stadt gehört zu den smartesten in Deutschland. Welche Anstrengungen haben Sie in der letzten Zeit dafür unternommen?
Die Platzierung Osnabrücks im Smart-City-Index repräsentiert eine gemeinsame Anstrengung der gesamten Stadtgesellschaft: Sie ist nicht nur der Erfolg der Arbeit der Stadtverwaltung, sondern vieler Akteure wie unserer Tochterunternehmen oder auch der florierenden Startup-Szene in Osnabrück. Die Stadt Osnabrück hat viel dafür getan, diesen Akteuren Raum zu geben, um digitale Innovationen voranzutreiben. Durch die Förderung „Modellprojekte Smart Cities“ des Bundes sind wir als Verwaltung in der Lage, digitale Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu erproben. Nach einem erfolgreichen Test, können sie anschließend in den Regelbetrieb überführt werden, so zum Beispiel beim Thema Sensorik für vielfältige Einsatzgebiete im Stadtgebiet. Aber auch unabhängig von dieser Förderung gehen wir die Digitalisierung weiter an. Für die Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern haben wir einen Chatbot eingeführt mit dem zu jeder Uhrzeit kommuniziert werden kann. Für die weitere Automatisierung der Behördenvorgänge nutzen wir Robotic Process Automation. Osnabrück ist zudem bei der Umstellung auf einen elektrisch betriebenen ÖPNV bundesweit Vorreiter. Die Stadtwerke Osnabrück verfügen mittlerweile über eine der größten E-Gelenkbusflotten.
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Welche Projekte wollen Sie als nächstes angehen?
Unsere Smart City-Strategie zeigt den Weg zu unserem Ziel – einer digitalisierten Stadt, die bis 2040 klimaneutral ist. Die Projekte wurden gemeinsam mit der Stadtgesellschaft identifiziert und orientieren sich so an aktuellen Herausforderungen. Für die Jahre 2024 und 2025 ist unter anderem vorgesehen, unsere offene Datenplattform mit deutlich mehr Daten zu befüllen und diese der Bevölkerung bereitzustellen. Wir selbst werden darauf aufbauend einen Digitalen Zwilling für Osnabrück entwickeln, den wir nutzen, um Auswirkungen von Entscheidungen, zum Beispiel im Bereich Mobilität, zu simulieren. Außerdem beschäftigen wir uns mit der Überwachung von Ressourcen wie Wasser und Energie, um diese mit darauf aufbauenden Maßnahmen zu schonen. In alle Prozesse sollen die Bürgerinnen und Bürger eingebunden werden. Dazu dient ein digitales Dialog- und Beteiligungsportal. Weiterhin soll mit Unterstützung der Wirtschaftsförderung Osnabrück ein neuer – mittlerweile der vierte – Start-Up-Accelerator gegründet werden, der es jungen Firmen möglich machen wird, innovative Geschäftsideen für eine Digitale Verwaltung zu entwickeln. Insgesamt digitalisieren wir in allen Bereichen der Verwaltung weiter, um Abläufe und Prozesse effizienter zu gestalten und damit auch dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Das Ranking betrachtet deutsche Städte - wie sehen Sie Ihre Kommune im europaweiten Vergleich aufgestellt?
Wir müssen realistisch sein – auch wenn Deutschland ein respektabler 13. Platz im europäischen Vergleich ist, suchen wir doch die Führung in skandinavischen Ländern wie Finnland und Dänemark. Das zeigt auch der E-Government Development Index des United Nations E-Government Survey, in dem Dänemark und Finnland im Jahr 2022 Platz 1 und 2 belegen. Allerdings muss bei diesen Rankings bedacht werden, dass die Rahmenbedingungen in den europäischen Kommunen sehr unterschiedlich sind. Das kleine Land Dänemark z.B. verfolgt mit umfassender politischer Unterstützung seit vielen Jahren das Ziel, seine Verwaltung zu digitalisieren. Die Dänen müssen mittlerweile den digitalen Weg nutzen. Nur noch auf begründeten Antrag ist es ausnahmsweise möglich, dass Bürgerinnen und Bürger mit der Verwaltung auf Papier kommunizieren. So kann das Königreich jährlich Verwaltungskosten einsparen und eine schnellere Bearbeitungszeit erzielen. Mit dem Onlinezugangsgesetz hat der deute Gesetzgeber mittlerweile ebenfalls reagiert und will den behördlichen Digitalisierungsgrad erhöhen. Auch wir als Stadt Osnabrück sind dabei, unsere digitalen Angebote massiv auszuweiten.
Welche Unterstützung würden Sie sich bei Ihren Maßnahmen von Land, Bund und EU wünschen?
Es gibt in Deutschland schon sehr viel „digitales Potenzial“ mit Innovationskraft und Bereitschaft digitale Lösungen umzusetzen und zu nutzen. Die Umwandlung von Städten in Smart Cities ist eine multidimensionale Herausforderung und benötigt eine Allianz auf mehreren Ebenen, auf lokaler, nationaler und europäischer. Dafür ist es wichtig, dass unter anderem EU und Bundesregierung rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, die es Unternehmen, Institutionen, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen sowie der Zivilgesellschaft ermöglichen, Digitalisierung voranzutreiben, umzusetzen und effizient zu nutzen. Ich denke da an Themen wie Datenschutz, Digitale Infrastruktur, Qualifizierung, Big Data, Digitale Teilhabe und E-Government. Wir benötigen schnelle und schlanke Rahmenbedingungen, die uns auf diesem Weg unterstützen.



