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Interview02.01.2024

Köln schafft Gesamtdach für die Digitalisierung im Stadtkonzern

Wie die Stadt Köln die digitale Transformation angeht - und wo die Herausforderungen liegen

Sabine Möwes - Leiterin der Stabsstelle Digitalisierung der Stadt Köln Quelle: Stadt Köln Sabine Möwes Leiterin der Stabsstelle Digitalisierung Stadt Köln
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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In Sachen Digitalisierung betont Sabine Möwes, Leiterin der Stabsstelle Digitalisierung der Stadt Köln, dass ihre NRW-Metropole "sich nicht nur dem nationalen Vergleich stellt, sondern die guten Anlagen auch im internationalen Kontext anbringt und weiter ausbaut". Für die Zukunft mahnt sie etwa an, die Digitaltauglichkeit von Gesetzen in den Fokus zu nehmen.





Ihre Stadt gehört zu den smartesten in Deutschland. Welche Anstrengungen haben Sie in der letzten Zeit dafür unternommen?
Köln belegt 2023 jeweils den dritten Platz im Smart City Index des Branchenverbandes der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche Bitkom e.V. und dem Ranking der Haselhorst Associates Consulting und ist seit 2019 durchgängig unter den „Top zehn“ der digitalsten Städte beider Indizes gelistet.

Nach dem zweiten Platz im Jahr 2021 und dem vierten Platz im vergangenen Jahr belegt die Stadt nunmehr mit 83,2 Punkten von 100 möglichen Punkten den dritten Platz hinter München und Hamburg und vor Nürnberg. In NRW geht Köln als beste Stadt hervor, gefolgt von Aachen auf Platz fünf und Bochum auf Platz elf. Dies ist eine überregionale Anerkennung für das große Engagement aller Akteur*innen in den zahlreichen Handlungsfeldern.

In der Kategorie IT- und Kommunikation verbessert sich Köln um zwei Plätze auf den zweiten Platz und erreicht 91,1 von 100 möglichen Punkten. Insbesondere das Digitalisierungsprogramm 2019-2022 mit seinen abgeschlossenen Projekten trägt Früchte und sorgt für eine Steigerung in der Kategorie Verwaltung um zehn Plätze auf Platz vier. Auch im Bereich Bildung und Gesellschaft ist eine Steigerung von neun Plätzen auf Platz acht zu verzeichnen.

Welche Projekte wollen Sie als nächstes angehen?
un:box cologne: Das vom Bund geförderte Projekt „un:box cologne - Deine Stadt, Deine Ideen“ soll die Stadtstrategie Kölner Perspektiven 2030+ und die Digitalstrategie festigen. Ziel ist es, eine aktive Stadtgesellschaft zu stärken, die digitale Lösungen auf dem Feld der Stadtentwicklung generiert. Dies treibt die Digitalisierung integrativ in allen Lebensbereichen weiter voran. Dafür wird ein kooperativer Ansatz mit unterschiedlichen Akteur*innen der Stadtgesellschaft (Verwaltung – öffentlicher Sektor, Bürger*innen, Wirtschaft, Wissenschaft und NGOs) aufgebaut. Genutzt werden dabei das parallel aufgesetzte „Kölner Urbane Datenökosystem“ und weitere relevante Prozesse der Stadt. Derzeit befindet sich das Projekt in der ersten Umsetzungsphase. Die 15 ausgewählten Musterprojekte werden vom Fördermittelgeber überprüft und gehen anschließend ab 2024 in die Umsetzung:

Digitale Zukunftsstadt - Aufbau des Datenökosystems: Mit dem von der Stadtverwaltung Köln und dem Stadtwerkekonzern (SWK) initiierten deutschlandweit bisher einmaligen Projekt „Digitale Zukunftsstadt“ werden ein Gesamtdach für die Digitalisierung im Stadtkonzern geschaffen, Initiativen der einzelnen Häuser gebündelt und über einen Inkubator verstärkt. Als verbindendes Element wird erstmalig für alle Lebensbereiche ein integriertes Datenmanagement in der Stadtverwaltung und bei SWK aufgebaut und umgesetzt. In einem urbanen Datenökosystem werden die Daten der Stadt und der SWK sowie weiterer städtischer Beteiligungen, use-sase-bezogen integrativ genutzt, dadurch Mehrwerte im Sinne des Gemeinwohles erzielt und neue Geschäftsfelder entwickelt.

KI Kodex: Im Zuge der KI-Integration in das Lösungsportfolio der Stadtverwaltung entwickeln wir ein Rahmenwerk für die Einführung und Nutzung von KI-Lösungen. Dabei findet ein Austausch auf nationaler und internationaler Ebene statt, der insbesondere auch ethische Fragestellungen berücksichtigt.

Das Ranking betrachtet deutsche Städte - wie sehen Sie Ihre Kommune im europaweiten Vergleich aufgestellt?
Köln hat 1,1 Millionen Einwohner*innen, davon 140.000 EU-Bürger*innen mit Migrationshintergrund. Die Zukunftsthemen auf europäischer Ebene –  Digitalisierung, Umweltschutz und Klimawandelanpassung –  sind auch die Kölns, zu denen wir bereits viele EU-Projekte erfolgreich durchgeführt haben, beispielsweise als "Leuchtturmstadt" im Projekt GrowSmarter (2015 - 2019), bei dem mit anderen europäischen Städten digitale und ökologisch nachhaltige Lösungen in den Bereichen Mobilität und Energieverbrauch entwickelt wurden. 2020 wurden wir – auch aufgrund des Projekts GrowSmarter – mit dem European Energy Award ausgezeichnet.

Bereits mehrfach durfte Köln das Knowledge Society Forum (KSF) ausrichten. Das KSF ist eines von 6 Foren des europäischen Städtenetzwerkes EUROCITIES mit Sitz in Brüssel (u.a. Wirtschaft, Umwelt, Kunst u. Kultur, Mobilität). Über die Foren betreibt EUROCITIES Lobbyarbeit, um auf Gesetzesakte der EU-Kommission aus städtischer Sicht Einfluss zu nehmen und über das Netzwerk mit anderen europäischen Städten, Universitäten oder Unternehmen EU-Projekte anzustoßen. Köln ist seit 1999 Mitglied in dem ca. 140 Mitglieder umfassenden Netzwerk, war bereits mehrfach in den Gremien eingesetzt, so als Vice-Chair der Arbeitsgruppe Data im EUROCITIES Konsortium, und arbeitet aktiv an der Verbreitung der Datenstrategie der Stadt Köln – auch auf Europäischem Boden – mit.

Besonders durch solche Aktivitäten zeigt sich, dass Köln sich nicht nur dem nationalen Vergleich stellt, sondern die guten Anlagen auch im internationalen Kontext anbringt und weiter ausbaut.

Welche Unterstützung würden Sie sich bei Ihren Maßnahmen von Land, Bund und EU wünschen?
Ein großes Problem ist und bleibt das Problem juristischer Anforderungen und Hemmnisse. Als Voraussetzung für eine weitreichende Digitalisierung muss die Digitaltauglichkeit von Gesetzen explizit in den Fokus genommen werden. Diese senken die Komplexität in der Entwicklung von elektronischen Verfahren und erhöhen die Rechtssicherheit bei den Verantwortlichen.

Hinzukommt der Versuch der Einflussnahme von IT-Dienstleistern, die oftmals Produkte vor Lösungen denken und zuweilen künstlich eine Konkurrenz zwischen den Kommunen aufbauen. Hier sollten im Sinne der Dresdener Forderungen Ressourcenschonung und Chancen für Automation durch einheitliche, durchgängige Softwarelösungen zentral von Bund und/ oder Land im Vordergrund stehen.

Die Verpflichtung zu einer Ende-zu-Ende-Digitalisierung im Gesetz mit einer durchgehenden Digitalisierung inklusive Schnittstellen (Definition von XÖV-Standards) würde die Kommunen von Mehrfacharbeiten wie beispielsweise bei der Datenübernahme aus den EfA-Leistungen in die jeweiligen Fachverfahren und bei der Erstellung der Bescheide in Papierform deutlich entlasten.

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