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01.10.2020
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MESSUNGEN LASSEN AUSSETZER BEIM DAB+ EMPFANG IN VERSCHIEDENEN AUTOS BEFÜRCHTEN

Wie die Empfangstechnik beschaffen sein sollte

Peter Geyer, Fachbereichsleiter Hochfrequenz und Systemtechnik, ARGE Rundfunk-Betriebstechnik

Peter Geyer, Fachbereichsleiter Hochfrequenz und Systemtechnik, ARGE Rundfunk-Betriebstechnik [Quelle: rbt-nbg]


Die ARGE Rundfunk-Betriebstechnik in Nürnberg hat in mehreren Untersuchungen den DAB+ Empfang in verschiedenen Auto-Modellen getestet und hat dabei herausgefunden, dass es von Modell zu Modell erhebliche Empfangs-Unterschiede von DAB+  gibt.  Fachbereichsleiter Informations- u. Hochfrequenztechnik Peter Geyer vermutet nicht zuletzt Probleme auf der Seite des Einbaus von Antennen.


Sie haben in mehreren Untersuchungen den Empfang von DAB+ in Autos getestet. Können Sie in kurzen Worten beschreiben, wie Sie dabei vorgegangen sind?
Ziel der Untersuchung war, den Höreindruck des Teilnehmers beim mobilen DAB+ Empfang wiederzugeben. So wurden keine Laboruntersuchungen durchgeführt, sondern die Empfangsqualität des Empfangssystems im Fahrzeug (Empfänger und Antenne) auf Teststrecken ermittelt. Für die Teststrecken wurden Frequenzen mit nur einem Sender gewählt und bewusst Strecken mit "schwierigen" Empfangsverhältnissen gesucht.

Zur Auswertung wurden dann die Audiosignale der im Fahrzeug eingebauten Digitalradios herangezogen. An den Fahrzeugen wurden keine Eingriffe vorgenommen und besonders darauf geachtet, dass durch die Messeinrichtung keine Beeinflussung der Empfangssysteme (Empfänger und Antenne) erfolgte. Die Audiosignale wurden statistisch ausgewertet und mit Ergebnissen unseres Messfahrzeuges korreliert.

Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Empfangsqualität von Modell zu Modell sehr unterschiedlich ist und in Fahrzeugen mit schlechterer Implementierung nicht die veröffentlichten Versorgungsdarstellungen erfüllt.
In der Tat sind die Unterschiede beim Empfangsverhalten relativ hoch und deutlich wahrnehmbar. Bei unseren Messstrecken zeigten gute Empfangssysteme eine Empfangbarkeit von ca. 85 Prozent der Strecke, schlechte Systeme teilweise von nur ca.35 Prozent.

Wie äußert sich das ganz praktisch für den Radiohörer in diesen Autos?
Der Teilnehmer wird in Randgebieten und bei Strecken, die z.B. durch Tal-Lagen führen, häufiger Aussetzer beim Empfang und deutlich geringere Reichweite des Empfangs wahrnehmen. Die Empfangsleistung kann hier deutlich hinter den z.B. bei https://www.dabplus.de/ veröffentlichten Empfangsprognosen bleiben.

Woher rühren die Defizite in den betreffenden Modellen aus Ihrer Sicht?
Bei der Empfangsleistung von DAB+ Empfängern sind heute überwiegend die physikalischen Grenzen erreicht. Größere Abweichungen des Empfängers sind nicht wahrscheinlich. Die Probleme könnten mehr auf der Seite der Antennen liegen. Gesichtspunkte des Designs haben derzeit sicher mehr Einfluss auf die Konstruktion, als technische Parameter, wie z.B. Empfindlichkeit, Rauschen.

Die optimale Antenne für die zum überwiegenden Teil vertikal polarisierten DAB-Sendernetze wäre eine Stabantenne am Fahrzeugdach. Aus Gründen des Designs wird jedoch meist eine andere Lösung, z.B. in der Stoßstange, in den Scheiben usw. bevorzugt.