Menue-Button
← FACHDEBATTE
Interview01.09.2016

Mecklenburg-Vorpommern sagt dem Urlaubsstau den Kampf an

Warum das Bundesland im Nordosten künftig auf ein punktuelles und saisonales Netzbeeinflussungssystem baut

Christian Pegel, Minister für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung in Mecklenburg-Vorpommern Quelle: Energieministerium/Fotostudio Berger GmbH Christian Pegel Minister für Inneres, Bau und Digitalisierung Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
ZUR FACHDEBATTE

Obwohl Mecklenburg-Vorpommern das am dünnsten besiedelte und am ländlichsten geprägte deutsche Bundesland ist, kommt es auch hier saisonal bedingt in den Ferienregionen zu Staus. Daher soll im Nordosten der Republik "für erkennbar staugefährdete Bereiche mittelfristig das für den Bereich Usedom in der Erprobung befindliche Netzbeeinflussungssystem zur Anwendung kommen", so der Verkehrsminster des Landes, Christian Pegel.





Welche technischen Mittel setzen Sie ein, um den Verkehr auf den Autobahnen besser fließen zu lassen?
Mecklenburg-Vorpommern ist das am dünnsten besiedelte und am ländlichsten geprägte deutsche Bundesland. Die Mehrzahl der Bevölkerung wohnt entlang der Ostseeküste. Die hierdurch vorhandene relativ gleichmäßige Verkehrsbelastung auf dem rund 550 km langen Bundesautobahnnetz in Mecklenburg-Vorpommern unterscheidet sich hinsichtlich Stauempfindlichkeit signifikant von Ballungsräumen wie Hamburg oder Berlin.Verkehrsbehinderungen entstehen in der Regel durch Baustellen oder Verkehrsunfälle. Insofern sind spezielle technische Einrichtungen zur Gewährleistung der Leichtigkeit und Flüssigkeit des Verkehrs im Autobahnnetz für den Regelbetrieb nicht erforderlich. Außerdem sind in Mecklenburg-Vorpommern Ferienreisestrecken definiert, auf denen zur Vermeidung von Stauerscheinungen im Juli und August keine verkehrsraum-einschränkenden Baumaßnahmen durchgeführt werden.

Welche Möglichkeiten bieten digitale Technologien für die Stau-Warnung und wie werden diese in Ihrem Bundesland genutzt??
Die Besonderheit in Mecklenburg-Vorpommern ist im Vergleich zu anderen Bundesländern der saisonal stark schwankende Verkehr in den Tourismusregionen entlang der Ostseeküste. Den Schwerpunkt bilden hierbei die Ostseeinseln Rügen und Usedom und die Halbinsel Darß-Zingst. Um hier auf den Zubringerstrecken im Bundes- und Landesstraßennetz die Stauerscheinungen zu reduzieren, kommen Verkehrs- bzw. Netzbeeinflussungsanlagen zum Einsatz. So wird zum Beispiel auf der Rügenbrücke (B96) als Hauptverbindung zur Insel Rügen verkehrsabhängig der dritte Fahrstreifen jeweils für die stärker belastete Fahrtrichtung freigegeben. Die Steuerung erfolgt über eine Verkehrsmanagementzentrale. Im Bereich der Insel Usedom erfolgt die Netzbeeinflussung auf der Basis von Verkehrsdaten-sensoren automatisiert über dynamische Wegweiser mit integrierten Stauinformationen. Diese Anlage befindet sich noch in der Erprobungsphase und soll nach weiterer Optimierung der Systemsteuerung möglichst bald ihre volle Wirksamkeit entfalten. Für den Großraum Rostock inklusive Fischland-Darß-Zingst besteht eine verkehrsrechnergestützte Darstellung der aktuellen Verkehrslage im Internet. Außerdem werden aktuelle und geplante Baustellen, Brückenöffnungszeiten der Klappbrücken an den Zufahrten zu den Inseln Usedom, Rügen und Zingst sowie Hinweise auf staugefährdete Bereiche auf dem Internetportal der Straßenbauverwaltung veröffentlicht. 

Welche Rolle spielen rundfunkbasierte Technologien für die Verkehrssicherheit und die Stauvermeidung?
Rundfunkinformationen über unvorhersehbare Verkehrsstörungen durch Verkehrsunfälle, extreme Witterungsbedingungen oder andere Zwischenfälle erfolgen durch den Verkehrswarndienst des Lagezentrums beim Innenministerium. Für planbare Verkehrsraumeinschränkungen durch Baustellen oder Veranstaltungen erhalten die Lokalredaktionen der regionalen Presse und die Rundfunkanstalten Informationen von den Straßenbauämtern bzw. den Veranstaltern.

In einzelnen Bundesländern gibt es ein ausgeklügeltes Baustellenmanagement für   Autobahnen. Wie ist das in Ihrem Bundesland?
Für das Arbeitsstellenmanagement auf Bundesautobahnen in Mecklenburg-Vorpommern sind die Regelungen des entsprechenden Bundes–Leitfadens verbindlich eingeführt. Baustellenmeldungen erfolgen an das Baustelleninformationssystem des Bundes. Für die optimale Gestaltung der Bau- und Betriebspläne werden die verkehrlichen Auswirkungen durch IT- gestützte Verfahren bereits bei der Planung der Baumaßnahmen ermittelt und entsprechend berücksichtigt. 

Im kommenden Jahr geht das automatische Notrufsystem eCall an den Start. Die anfallenden Daten könnten auch zur Stauvermeidung genutzt werden – wie stehen Sie dazu?
Das emergency call – System (eCall) ist ein wichtiges Projekt der eSafety-Initiative der Europäischen Kommission und soll die Einleitung von Rettungsmaßnahmen bei Verkehrsunfällen beschleunigen, um die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten zu senken. Ob dieses Systems auch für die Erstellung von Bewegungsprofilen verwendet und daraus Daten für eine Verkehrsbeeinflussung generiert werden dürfen, ist datenschutzrechtlich offen. In Mecklenburg-Vorpommern wird für erkennbar staugefährdete Bereich mittelfristig das für den Bereich Usedom in der Erprobung befindliche Netzbeeinflussungssystem zur Anwendung kommen.

UNSER NEWSLETTER
Newsletter bestellen JETZT BESTELLEN
■■■ WEITERE BEITRÄGE DIESER FACHDEBATTE

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Michael Groschek
Minister
Landesregierung NRW

Michael Groschek, Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen
Politik | Auto

NRW senkt Unfallquote mit moderner ■ ■ ■

Minister Groschek über die Vorteile digitaler ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Michael Groschek
Minister
Landesregierung NRW

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Andreas Becker
MdL
SPD-Fraktion im Landtag NRW

Andreas Becker, MdL, SPD-Landtagsfraktion NRW
Datendienste | Politik

Politik stärkt dem Verkehrsfunk den Rücken

Wieso das Radio künftig für die ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Andreas Becker
MdL
SPD-Fraktion im Landtag NRW

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Arndt Klocke
MdL
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag NRW

Arndt Klocke, MdL und Sprecher für Verkehr, Bauen, Wohnen und Stadtentwicklung Vorsitzender des Ausschusses für Innovation, Wissenschaft und Forschung, Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag NRW
Datendienste | Politik

Verkehrspolitiker prognostiziert ■ ■ ■

Warum sich der Verkehrsfunk im Radio mit anderen ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Arndt Klocke
MdL
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag NRW

ZUR FACHDEBATTE

ÜBER UNSERE FACHDEBATTEN

Meinungsbarometer.info ist die Plattform für Fachdebatten in der digitalen Welt. Unsere Fachdebatten vernetzen Meinungen, Wissen & Köpfe und richten sich an Entscheider auf allen Fach- und Führungsebenen. Unsere Fachdebatten vereinen die hellsten Köpfe, die sich in herausragender Weise mit den drängendsten Fragen unserer Zeit auseinandersetzen.

überparteilich, branchenübergreifend, interdisziplinär

Unsere Fachdebatten fördern Wissensaustausch, Meinungsbildung sowie Entscheidungsfindung in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Gesellschaft. Sie stehen für neue Erkenntnisse aus unterschiedlichen Perspektiven. Mit unseren Fachdebatten wollen wir den respektvollen Austausch von Argumenten auf Augenhöhe ermöglichen - faktenbasiert, in gegenseitiger Wertschätzung und ohne Ausklammerung kontroverser Meinungen.

kompetent, konstruktiv, reichweitenstark

Bei uns debattieren Spitzenpolitiker aus ganz Europa, Führungskräfte der Wirtschaft, namhafte Wissenschaftler, Top-Entscheider der Medienbranche, Vordenker aus allen gesellschaftlichen Bereichen sowie internationale und nationale Fachjournalisten. Wir haben bereits mehr als 600 Fachdebatten mit über 20 Millionen Teilnahmen online abgewickelt.

nachhaltig und budgetschonend

Mit unseren Fachdebatten setzen wir auf Nachhaltigkeit. Unsere Fachdebatten schonen nicht nur Umwelt und Klima, sondern auch das eigene Budget. Sie helfen, aufwendige Veranstaltungen und überflüssige Geschäftsreisen zu reduzieren – und trotzdem die angestrebten Kommunikationsziele zu erreichen.

mehr als nur ein Tweet

Unsere Fachdebatten sind mehr als nur ein flüchtiger Tweet, ein oberflächlicher Post oder ein eifriger Klick auf den Gefällt-mir-Button. Im Zeitalter von X (ehemals Twitter), Facebook & Co. und der zunehmenden Verkürzung, Verkümmerung und Verrohung von Sprache wollen wir ein Zeichen setzen für die Entwicklung einer neuen Debattenkultur im Internet. Wir wollen das gesamte Potential von Sprache nutzen, verständlich und respektvoll miteinander zu kommunizieren.