Beim Lokal-TV-Kongress in Potsdam wurde die Frage gestellt, ob werbefinanziertes Lokal-TV als Geschäftsmodell überhaupt funktionieren kann. Wie sehen Sie das?
Die lokalen Fernsehsender haben, seitdem sie in Deutschland am Start sind, mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen – und zwar in jedem Bundesland. Die Finanzierung allein durch Werbung ist selbst in wirtschaftlich prosperierenden Ballungsräumen kompliziert. In strukturschwachen, ländlichen Gebieten ist sie nahezu unmöglich. Nur durch den Idealismus und die Selbstausbeutung der lokalen TV-Macher können sich die Sender hier behaupten.
Dies ist als Zustand nicht weiter hinnehmbar, denn die Sender leisten einen – bei den ständig sinkenden Auflagenzahlen der regionalen Zeitungen – immer wichtiger werdenden publizistischen Vielfaltsbeitrag. Lokal-TV wird durch Werbung allein auf Dauer wohl nur in wenigen großen Städten, in ländlichen Regionen kaum zu finanzieren sein.
In Deutschland gibt es regional verschiedene Fördermöglichkeiten für Lokal-TV. Welche Möglichkeiten gibt es bei Ihnen, und welche können Sie sich vorstellen?
In Mecklenburg-Vorpommern fördert die Medienanstalt einige Übertragungs- und Verbreitungskosten der lokalen Sender. Dazu gibt es ein gemeinsames Projekt zwischen der Medienanstalt M-V und der Medienanstalt Berlin-Brandenburg. Wir unterstützen die Sender finanziell, sodass sie ihre Programme in digitalen Kabelnetzen und über Satellit verbreiten und somit mehr Zuschauende erreichen können. Dies soll einhergehen mit dann höheren Werbeerlösen.
Daneben gibt es das TV-Magazin „Wirtschaftsfenster MV“, das regelmäßig auf verschiedenen lokalen Sendern gezeigt wird und Wirtschaftsunternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern vorstellt. Diese Sendung wird mit EU-Geldern, die vom Wirtschaftsministerium des Landes ausgereicht werden, unterstützt. Künftig könnte ich mir vorstellen, dass sich die Landespolitik stärker für eine Förderung engagiert, vielleicht ähnlich des Modells in Bayern.
Seit Jahren hakt es bei der nationalen Vermarktung von Lokal-TV. Was müsste passieren, damit der Knoten platzt?
Lokal-TV müsste – auch online – so attraktiv werden und so viele Zuschauende erreichen, dass potenzielle Werbekunden – auch aus anderen Bundesländern oder nationale Werbekunden – tatsächlich erkennen, dass es sich für sie lohnt, Anzeigen zum Beispiel bei TV:SCHWERIN, wismar tv oder Rügen TV zu schalten. Dies könnte erreicht werden, indem die Sender ihre journalistische Kompetenz und die Verbundenheit mit ihrer Heimatregion noch stärker betonen, also das Lokale als Gegenentwurf zur globalisierten, großen Welt deutlicher hervorheben, ohne Heimattümelei zu betreiben. Die Sender bilden ja das übersichtliche, authentische Lebensumfeld der Zuschauenden ab, das hat in der Regel nichts mit Hollywood zu tun – genau hierfür müssten die Werbekunden interessiert werden. Die seit 2012 bestehende Vermarkungsplattform www.srf-netzwerk.de könnte auch modernisiert und anschaulicher gestaltet werden, um die nationale Vermarkung voranzutreiben.
Immer wieder wird mehr Kooperation zwischen den Lokal-TV-Anbietern anregt. Wie können und sollten die Sender aus Ihrer Sicht zusammenarbeiten?
Eine stärkere Kooperation ist aus meiner Sicht unerlässlich. Dies betrifft zum Beispiel einen stärkeren Programmaustausch, die stärkere gemeinsame Nutzung von Produktionstechnik und Studios, die Veranstaltung von gemeinsamen Aktionen, eine bessere, breitenwirksamere Öffentlichkeitsarbeit, das gegenseitige Vermitteln von Erfahrungen, eine senderübergreifende Aus- und Fortbildung der Mitarbeitenden sowie die Nutzung von gemeinsamen Online-Redakteurinnen und -Redakteuren. In Mecklenburg-Vorpommern funktioniert zum Beispiel die Kooperation zwischen Stralsund TV, Rügen TV, Greifswald TV und Usedom TV sehr gut.



