Webcam im Studio, Clips von Gästen – welche visuellen Inhalte braucht das moderne Radio heute und in Zukunft?
So gut wie jeder hat heutzutage ein Smartphone in der Tasche – und damit einen Bildschirm, mal größer, mal kleiner. Dass wir darauf nicht einfach nur unser Radio als reines Audioformat abspielen können, sondern eine ganz großartige Möglichkeit haben, zusätzliche Inhalte an unsere Hörerinnen und Hörer auszuliefern und mit ihnen in Interaktion zu treten, liegt auf der Hand. Unsere Nutzer leben ganz selbstverständlich in einer visuell dominierten Welt, sie erwarten, dass ihr Lieblingsradio natürlich auch auf Drittplattformen wie YouTube und Co unterwegs ist. Insofern ist es für uns selbstverständlich, dass unsere Marke MDR SPUTNIK überdies auf YouTube, Facebook, Twitter und über Apps auf mobilen Endgeräten zu erreichen ist. Und das nicht nur mit einer Verlängerung des Radio-Contents, sondern auch mit ganz eigenen, für diese Ausspielwege produzierten Inhalte.
Das macht MDR SPUTNIK übrigens schon seit fast zehn Jahren: MDR SPUTNIK war eines der ersten Radioprogramme mit eigener Bewegtbildredaktion. Im Rahmen des damaligen DMB-Projektes hatte die Welle schon 2007 täglich eine eigene Videoshow produziert und gesendet. Später folgte mit dem BUNTFUNK eine Radiosendung, die parallel auch als Videoshow ausgestrahlt wurde.
Heute betreibt MDR SPUTNIK mehrere YouTube-Kanäle und wird im Sommer mit einem Facebook-Nachrichtenprofil für junge Zielgruppen in Mitteldeutschland starten.
BBC-Moderator Greg James bricht mit einem Video mit Talyor Swift gerade Click-Rekorde. Welche besonderen Videoformate gibt es bei MDR SPUTNIK?
Wir machen ganz ähnliche Erfahrungen: Promis, vor allem in besonderen Situationen, sorgen auch in unseren YouTube-Kanälen regelmäßig für tolle Click-Raten. Ganz überrascht waren wir von dem großen Erfolg, den unsere MDR SPUTNIK Lyrik Lounge erzielt hat, in der zum Beispiel die Band K.I.Z. mit Goethe hart ins Gericht geht oder Rapper Prinz Pi Kurt Tucholsky interpretiert. Eine ganz besondere Bildästhetik haben wir in unseren Videosessions entwickelt, in denen Künstler ihre Titel neu interpretieren und in unserem Videostudio neu einspielen. Gerade diese Videos gehören zu den erfolgreichsten Bewegtbildangeboten von MDR SPUTNIK.
Sehr aufwendig sind die Mainstage-Produktionen von unserem MDR-SPUTNIK-Festival SPUTNIK SPRING BREAK – eine Bühne, vor der 25.000 Zuschauer stehen, zu produzieren, ist eine echte Herausforderung. Aber die Produktion wird nicht nur im MDR FERNSEHEN und bei EinsFestival sehr gut angenommen, sondern auch im eigens eingerichteten MDR-SPUTNIK-Festivalsommer-Channel bei YouTube.
Nicht zuletzt unterhalten wir nicht nur, sondern informieren auch: So haben sich die Spitzenkandidaten zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auch im Bewegtbild den Fragen der Nutzerinnen und Nutzer von MDR SPUTNIK gestellt.
Nutzen Sie Meerkat, Periscope oder ähnliche Streaming-Apps – und wenn ja für welche Übertragungen?
MDR SPUTNIK setzt in erster Linie auf die erfolgreichen Social-Media-Plattformen und überträgt beispielsweise regelmäßig Sendungen live auf Facebook. Ebenso wichtig ist das Streamen in den eigenen Angeboten wie der Webseite sputnik.de. Meerkat und Periscope haben sich in der Zielgruppe nach unserer Erfahrung noch nicht so durchgesetzt. Deshalb setzen wir wie gesagt auf Facebook-Livestreaming. Und das ist eine großartige Möglichkeit, zu unseren Nutzern einen besonders direkten Kontakt herzustellen. Wir haben zum Beispiel FACEBOOK LIVE beim SPUTNIK SPRING BREAK eingesetzt. Unsere Reporter waren für die Nutzer damit ständig mittendrin im Festivalleben. Besonders gut angenommen wurden die „Live-Einblicke“ hinter die Kulissen, also direkt und ungefiltert in den Reporter-Festivalalltag hinein – wer sind die Macher, wie chaotisch sieht’s im Produktionsbus aus, oder wie umgehen mit chronischem Schlafmangel? Livestreaming Apps geben uns die Möglichkeit, unsere Geschichten noch einmal aus einer anderen, viel persönlicheren Perspektive zu erzählen.
Der neuste Social-Media-Hype ist der Versand von Bildern oder Clips über Snapchat. Wie ist MDR SPUTNIK auf Snapchat unterwegs?
Snapchat wird immer relevanter bei den jungen Nutzerinnen und Nutzern und damit natürlich auch für eine junge Angebotsmarke wie uns. Wir experimentieren hier noch, aber es gibt schon tolle Ideen und bald auch etwas zu sehen. Snapchat erfordert eine neue und andere – sehr schnelle und direkte Erzählweise, und dafür müssen auch die richtigen Formate entwickelt werden. Ich halte nichts davon, bestehende Inhalte, ungeachtet der individuellen Erfordernisse der Plattform, auszuspielen. Jede Plattform hat ihre eigenen Erzählformen und die geben den Rahmen für die Formate.
Wie muss sich die Ausbildung von Radiojournalisten für die Produktion multimedialer Inhalte künftig ändern?
Die Zeit, in denen ausschließlich „Radiojournalisten“ ausgebildet wurden, ist schon seit einigen Jahren vorbei. Mediengrenzen verschwimmen zusehends. Für unsere Nutzerinnen und Nutzer stehen mittlerweile die Inhalte unabhängig vom Ausspielweg im Vordergrund. Die Ausbildung der Volontäre im MDR ist daher auch seit langem trimedial. Radiojournalisten müssen sich also nicht nur mit ihrem Reportergerät auskennen. Sie müssen fit sein in Social Media, sollten die Grundlagen der Video- und Bildbearbeitung beherrschen und die Fähigkeit entwickeln, Geschichten über verschiedene Mediengrenzen hinweg zu erzählen – und sie brauchen vor allem eins: das richtige Gespür für Themen.



