MEINUNGSBAROMETER.INFO

DIGITALISIERUNG

AKTUELLE FACHDEBATTEN

Für Entscheider aus Medien, Politik, Wirtschaft & Gesellschaft


schliessen

Bitte hier einloggen:

Login

Passwort vergessen?
 
16.12.2017
Kopieren und anderweitige Vervielfältigungen sind nicht erlaubt.

LOKALES DAB+ STARTET MIT ORDENTLICH LEISTUNG

Warum die SLM doch keine Kleinstsender in Sachsen verwendet

Martin Deitenbeck, Geschäftsführer der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM)

Martin Deitenbeck, Geschäftsführer der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) [Quelle: SLM]


Die Aufnahme des Sendebetriebs des lokalen DAB+ Tests in Leipzig und Freiberg steht umnittelbar bevor. Doch entgegen der ursprünglichen Planung ist die SLM von der Idee, Kleinstsender zu verwenden, abgewichen. "Hintergrund dafür ist, dass nach unserer Auffassung ein stabiler Indoor-Empfang für die Akzeptanz von DAB+ unerlässlich ist", so Martin Deitenbeck, Geschäftsführer der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM).


Wie ist der aktuelle Stand für die Low-Scale-Digitalradio-Tests in Freiberg und Leipzig?
Die Aufnahme des Sendebetriebs steht nach Auskunft des Netzbetreibers Divicon Media unmittelbar bevor. Allerdings ist Divicon Media, genau wie die anderen Netzbetreiber in Deutschland, aufgrund der derzeit laufenden UKW-Hardwareversteigerungen der Media Broadcast stark eingespannt. Wir sind dennoch zuversichtlich, noch vor Weihnachten aufschalten zu können.

Da es sich derzeit noch um ein Versuchsprojekt der SLM handelt, sind die Lizenzen der Veranstalter zunächst auf ein Jahr befristet, diese werden aber, entsprechend der Laufzeit des Projektes, rechtzeitig auf 24 Monate verlängert.

Die SLM ist zuversichtlich, dass alle lizenzierten Veranstalter auch nach Ablauf des oben genannten Förderzeitraumes an Bord bleiben, da der Sendenetzbetreiber ab dem 25. Monat sehr günstige Übertragungskosten pro Programm aufrufen kann. Daher gehe ich davon aus, dass die SLM rechtzeitig vor Ende der Förderperiode im dann angestrebten Regelbetrieb die Lizenzen an beiden Standorten auf die gesetzlich vorgesehene Laufzeit von 8 Jahren wird verlängern können.

Was ist das Besondere an den Sendeanlagen?
Anders als bei den Sendeanlagen im bundesweiten (oder auch in einem landesweiten) Multiplex benötigt man für die Versorgung kleinerer Gebiete auch weniger Leistung. Vom herkömmlichen Prinzip „High Tower High Power“ wird daher zumindest bei der Leistung abgewichen. Der Netzbetreiber verwendet keine wassergekühlten Hochleistungssender, sondern luftgekühlte Verstärkeranlagen mit 2,5 KW. Zudem kommt an jedem Standort (Leipzig und Freiberg) nur je ein Sender zum Einsatz, es werden also keine Gleichwellennetze (SFN) aufgebaut.

Anders als in Großbritannien, wo die OFCOM Small Scale Netze ja in großem Stil getestet hat und demnächst auch großflächig weiter ausbauen wird, sind wir aber von der Idee, Kleinstsender (in UK werden 100W-Sender verwendet) zu nutzen, abgewichen. Hintergrund dafür ist, dass nach unserer Auffassung ein stabiler Indoor-Empfang für die Akzeptanz von DAB+ unerlässlich ist. Mit der oben genannten Sendeleistung in Freiberg und Leipzig ist damit garantiert, das Stadtgebiet zuverlässig und sicher zu versorgen.

Auch die Idee, exponierte Hochhäuser zur Versorgung zu nutzen, lässt sich in Deutschland nicht ohne Weiteres umsetzen. Stichworte wie „elektromagnetische Verträglichkeitsprüfung“ (EMV), Bau- und Mietrecht, Stromversorgung usw. führten zudem dazu, dass zumindest in Leipzig der ursprüngliche Plan, ein Hochhausdach für die Aufstellung des Senders zu nutzen, aufgegeben wurde. Leipzig wird, wie auch im Falle des bundesweiten Multiplexes und der Ensembles des MDR, vom Stahlgitterturm nahe des MDR versorgt werden.

Und schließlich haben wir, anders als die OFCOM, von Beginn an konsequent auf den Standard DAB+ gesetzt. Hierdurch gelingt es, mit guter Übertragungsqualität mehr Programme in einem Multiplex unterzubringen, als dies mit DAB möglich wäre. So ist es gelungen, beide Multiplexe voll zu bekommen und dadurch die potenziellen Übertragungskosten, bezogen auf das jeweilige Einzelprogramm, signifikant zu senken.

Werden die Ergebnisse des SLM-Tests auch den anderen Medienanstalten zur Verfügung gestellt, um ggf. deutschlandweit ähnliche Projekte starten zu können?
Die SLM berichtet im Kreis der ZAK regelmäßig über den Fortgang des Projektes. Seitens der Kolleginnen und Kollegen besteht großes Interesse. Ich bin zuversichtlich, dass das Konzept auch in anderen Städten außerhalb Sachsens Nachahmer finden wird.

Ist nach dem Test ein Regelbetrieb in Leipzig und Freiberg geplant, eventuell auch an weiteren Standorten?
Wir warten zunächst die Pilotphase ab. Aufgrund der günstigen Übertragungskosten ab dem 25. Monat (vgl. o.) gehe ich aber fest davon aus, dass das Projekt in den Regelbetreib überführt werden kann. Ich kann mir, wie gesagt, auch durchaus vorstellen, dass es Nachahmer geben wird. Wenn Veranstalter sehen, dass man in lokalen Multiplexen genügend Umsatz machen kann, um die relativ geringen Ausstrahlungskosten zu refinanzieren, wird man auch in anderen Städten die Ensembles füllen können, immer unter der Voraussetzung, dass geeignete Frequenzen zur Verfügung stehen. Das zeigen ja auch die Projekte in Großbritannien. Ob die SLM allerdings an weiteren Standorten den Einstieg fördern kann, hängt von der jeweiligen Haushaltslage ab. Dies kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedenfalls nicht zugesagt werden.