Beim Lokal-TV-Kongress in Potsdam wurde die Frage gestellt, ob werbefinanfinziertes Lokal-TV als Geschäftsmodell überhaupt funktionieren kann. Wie sehen Sie das?
In Niedersachsen wurde privater lokaler Rundfunk durch die Novelle des Niedersächsischen Mediengesetzes erst zum 01.01.2011 eingeführt. Während sich die lokalen und regionalen Hörfunkangebote etabliert haben und heute private Programme in Osnabrück (Radio Osnabrück), Hannover (Radio Hannover), Wolfsburg/Braunschweig (Radio 38), Nienburg (Radio Mittelweser) und auf den Ostfriesischen Inseln/Küstenstreifen (Radio Nordseewelle) auf Sendung sind, sieht es im Fernsehbereich anders aus. Hier gibt es derzeit lokale Programmangebote in Lingen (ev1.tv) und auf Spiekeroog (Spiekeroog TV) sowie regionale Angebote in Nordwest-Niedersachsen/Umland Bremen (Friesischer Rundfunk) und in Cloppenburg/Lohne/Umland Bremen (regiotv). Eine Reihe der 2011 gestarteten Angebote (3 Sender von Heimat Live, FAN Television, os1.tv) mussten aber bereits wiedereingestellt werden, da sich die Refinanzierbarkeit regionaler und lokaler Fernsehprogramme auch in Niedersachsen als schwierig erwiesen hat.
In Deutschland gibt es regional verschiedene Fördermöglichkeiten für Lokal-TV. Welche Möglichkeiten gibt es bei Ihnen und welche können Sie sich vorstellen?
Das Niedersächsische Mediengesetz sieht keinerlei Förderung des lokalen Rundfunks vor; demgegenüber hat die Förderung des Bürgerfunks in Niedersachsen eine lange Tradition. Die NLM unterstützt die 15 nichtkommerziellen und gemeinnützigen Veranstalter von Bürgerfunk mit einem wesentlichen Anteil ihres jährlichen Haushalts.
Seit Jahren hakt es bei der nationalen Vermarktung von Lokal-TV. Was müsste passieren, damit der Knoten platzt?
Im Laufe der Jahre hat es schon viele Versuche gegeben, eine nationale Vermarktung einzuführen. Auch Helmut Thoma, der zuletzt mit Volks TV ein entsprechendes Mantelprogramm etablieren wollte, ist bislang gescheitert. Es fällt mir daher schwer, hier eine Lösung aufzuzeigen.
Immer wieder wird mehr Kooperation zwischen den Lokal-TV-Anbietern anregt. Wie können und sollten die Sender aus Ihrer Sicht zusammenarbeiten?
Ein Programmaustausch ist nur bedingt sinnvoll. Das Publikum in der Stadt A ist an lokalen Geschichten aus der Stadt B eben kaum interessiert. Sinnvoll wäre eine gemeinsame Vermarktung der Werbezeiten, um beispielsweise bestimmte Zielgruppen in Großstädten gezielter erreichen zu können. Eine Lokal-TV-Kombi etwa mit allen deutschen Städten über 500 000 Einwohnern. Das könnte für spezielle Werbekunden durchaus interessant sein.



