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Interview01.11.2016

Lokal-TV leidet unter Vermarktungsstrukturen

Warum eine einheitliche Währung bei der Reichweitenmessung helfen könnte

Dr. Jürgen Brautmeier, Direktor Landesanstalt für Medien  Nordrhein-Westfalen (LfM) Quelle: LfM/Fox-Foto Uwe Völkner Dr. Jürgen Brautmeier Direktor Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen
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Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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Dr. Jürgen Brautmeier, Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM), hält werbefinanziertes Lokal-TV wirtschaftlich gesehen grundsätzlich für möglich. "Die Vermarktungsstrukturen zielen bei lokalen Veranstaltern zwangsläufig primär auf die regionalen und lokalen Märkte." Allerdings gibt es an dieser Stelle ein großes Problem, mit dem alle lokalen Anbieter, ob in NRW oder in anderen Bundesländern, zu kämpfen haben.  "Marktattraktivität für nationale Produkte herzustellen, ist vor Ort, also im lokalen oder regionalen Raum, schwierig", so Brautmeier.





Beim Lokal-TV-Kongress in Potsdam wurde die Frage gestellt, ob werbefinanfinziertes Lokal-TV als Geschäftsmodell überhaupt funktionieren kann. Wie sehen Sie das?
Ich halte werbefinanziertes Lokal-TV grundsätzlich für möglich, wirtschaftlich gesehen. Publizistisch sehe ich es als wichtiges Vermittlungsinstrument für lokale und regionale Inhalte, die so intensiv von anderen TV-Veranstaltern nicht produziert werden (können). Aber ein dauerhafter Betrieb ist, das jedenfalls zeigen unsere Erfahrungen in NRW, enorm schwierig. Die Realität in NRW sieht nämlich so aus: Von ehemals sieben lokalen Stationen existieren gegenwärtig nur noch drei (in Düsseldorf, Duisburg und Mönchengladbach). Andere Sender, etwa in Köln, haben aufgegeben. Das Überleben am Markt verlangt aber auch von den noch Verbliebenen große Anstrengungen, langen Atem und Einsatz.

In Deutschland gibt es regional verschiedene Fördermöglichkeiten für Lokal-TV. Welche Möglichkeiten gibt es bei Ihnen und welche können Sie sich vorstellen?
Innerhalb ihrer gesetzlichen Möglichkeiten versucht die LfM den lokalen Stationen in NRW eine möglichst breite Unterstützung zukommen zu lassen. So fördern wir Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen für redaktionelle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zur Stärkung der Qualität der Programme. Darüber hinaus beteiligt sich die LfM an der Erhebung der Reichweiten und unterstützt die Sender in der Umsetzung von digitalen Maßnahmen. Eine direkte Förderung von Programm ist dagegen in Nordrhein-Westfalen gesetzlich nicht möglich; anders als etwa in Bayern. Das erklärt auch, warum es zum Beispiel in Bayern funktionierende Lokal-TV-Stationen gibt. Die Frage stellt sich also, wie es ohne eine solche Förderung aussehen würde.

Seit Jahren hakt es bei der nationalen Vermarktung von Lokal-TV. Was müsste passieren, damit der Knoten platzt?
Die Vermarktungsstrukturen zielen bei lokalen Veranstaltern zwangsläufig primär auf die regionalen und lokalen Märkte. Aber es gibt an dieser Stelle ein großes Problem, mit dem alle lokalen Anbieter, ob in NRW oder in anderen Bundesländern, zu kämpfen haben: Marktattraktivität für nationale Produkte herzustellen, ist vor Ort, also im lokalen oder regionalen Raum, schwierig. Marktzuschnitt und Zielgruppen müssen auch stimmen. Eine einheitliche Währung bei der Reichweitenmessung wäre zudem hilfreich.

Immer wieder wird mehr Kooperation zwischen den Lokal-TV-Anbietern anregt. Wie können und sollten die Sender aus Ihrer Sicht zusammenarbeiten?
In NRW gibt es einen regelmäßigen Austausch der lokalen Stationen untereinander. Hier werden punktuelle Kooperationsmöglichkeiten geprüft und vor allem in technischer und organisatorischer Perspektive diskutiert. Programmkooperationen oder Programmaustausch ist vor dem Hintergrund der lokalen programmlichen Ausrichtung nur bedingt realisierbar.

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