Menue-Button
← FACHDEBATTE
Interview28.10.2015

Keine Eile mit UKW-Abschaltung

Wie die CDU im Bundestag die Zukunft des Digitalradios sieht

Marco Wanderwitz, kultur- und medienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag und Vorsitzender des Netzwerks Medien und Regulierung der CDU Quelle: CDU/CSU-Bundestagsfraktion Marco Wanderwitz kultur- und medienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag CDU Bundestagsfraktion
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
ZUR FACHDEBATTE

Die Privatradios müssen "durch attraktive Programme wettbewerbsfähig bleiben", sagt CDU-Medienpolitiker Marco Wanderwitz. Zugleich verweist er darauf, dass auch andere Branchen Hilfe bei der Digitalisierung bekommen haben.





Der VPRT fordert bei der Digitalisierung besonderes Augenmerk auf die vielfältige private Radiolandschaft zu legen und verweist dabei auf das Grundgesetz. Muss und kann die Politik das Privatradio tatsächlich schützen?
Das Privatradio muss sich wie die Verleger auch im Markt behaupten und durch attraktive Programme wettbewerbsfähig bleiben. Die Politik hat die Aufgabe, für faire Wettbewerbsbedingungen sowohl im dualen System als auch im Vergleich zu neuen, durch die Digitalisierung hinzugekommenen Marktteilnehmern aus dem Ausland zu sorgen, die überwiegend unreguliert sind, obwohl sie ebenfalls rundfunkähnliche Inhalte anbieten.

Wie lässt es sich gesellschaftspolitisch erklären, dass Radio für den Eintritt in die digitale Welt einen Rettungsschirm verlangt, während andere Branchen den Folgen der Digitalisierung schutzlos ausgeliefert sind?
Forderungen nach einem „Rettungsschirm“ kann ich nicht erkennen. Auch die Politik hat aber wie die Gesellschaft ein Interesse am Erhalt unserer vielfältigen Radiolandschaft. Dass die Radios auf angemessene Rahmenbedingungen (z. B. keine weiteren Werbeverbote) pochen, ist legitim. Auch dürfen die Öffentlich-Rechtlichen den Privatradios nicht die Luft zum Atmen abschnüren. Im Übrigen hat der Staat anderen Branchen schon in ganz anderem Maße beim Eintritt in die Digitalisierung geholfen: Ich verweise nur auf das Förderprogramm von Bund und Ländern für die Kinodigitalisierung, also die Umstellung auf digitales Filmabspiel.

Die privaten Radioveranstalter sehen sich finanziell gegenüber den öffentlich-rechtlichen Sendern benachteiligt und wollen „Positivanreize“ für den digitalen Umstieg. Welche Förderung könnten Sie sich vorstellen?
Wir müssen berücksichtigen, dass aus dem Rundfunkbeitrag bereits Mittel in erheblicher Höhe in DAB und DAB+ geflossen sind. ARD und Deutschlandradio haben zudem erst kürzlich bei der KEF 122,7 Mio. bzw. 73,7 Mio. Euro für die kommende Beitragsperiode angemeldet.

Sehr begrüßenswert finde ich, dass der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur das Digitalradio-Board ins Leben gerufen hat. Endlich alle Betroffenen an einen Tisch zu holen, kann nur hilfreich sein. Denn u. a. mit der Bundesnetzagentur gibt es weitere Kräfte, die ein vitales Interesse an der Umstellung auf den digitalen Radiostandard haben.
Ich unterstütze die Forderung, Multichips in die Radios einzubauen, die alle Übertragungssignale empfangen können. Damit haben wir mit einem UKW-Abschaltdatum keine Eile.

Während Handel und Industrie einen klaren Abschalttermin für UKW fordern, wollen die Privatradios solange es geht an ihrem analogen Geschäftsmodell festhalten und auch die ARD will sich nicht festlegen, hat unter diesen Vorzeichen terrestrisches digitales Radio in Deutschland überhaupt eine Chance?
Der Umstieg von analog auf digital ist kein Selbstzweck. Noch immer hören rund 93 Prozent der Deutschen via UKW-Frequenzen Radio. Angesichts der großen Anzahl an UKW-Radios in deutschen Haushalten ist mit einem überstürzten Umstieg niemandem gedient. Dennoch besteht kein Anlass zu Schwarzmalerei. Digitaler Radiokonsum findet bereits auf vielfältigen Wegen statt. DAB+ ist einer davon, und es hat wegen seiner spezifischen Stärken, z. B. für die Verkehrssicherheit, die Verkehrstelematik sowie seine Unabhängigkeit vom Internet seine absolute Existenzberechtigung.

Während die Einführung von Digitalradio läuft, werden in Deutschland immer noch UKW-Frequenzen vergeben oder verlängert. Halten Sie das für zielführend, wenn es um die Zukunft des Radios geht?
Viele Wege führen nach Rom. Wir werden zukünftig auf den verschiedensten Wegen Radio hören. Bis zur vollständigen Abschaltung von UKW wird es noch lange dauern.

UNSER NEWSLETTER
Newsletter bestellen JETZT BESTELLEN
■■■ WEITERE BEITRÄGE DIESER FACHDEBATTE

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Jürgen Frömmrich
medien- und netzpolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag Hessen

Jürgen Frömmrich, medien- und netzpolitischer Sprecher der Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag Hessen
Digitalradio | DAB+

Fernsehen als Vorbild für Digitalisierung

Wo die Grünen in Hessen den Schlüssel für die ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Jürgen Frömmrich
medien- und netzpolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag Hessen

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Jürgen Lennartz
Chef der saarländischen Staatskanzlei
Saarländische Staatskanzlei

Staatssekretär Jürgen Lennartz, Chef der saarländischen Staatskanzlei
Digitalradio | DAB+

Saarland Für Chancengleichheit in der ■ ■ ■

Chef der Staatskanzlei für Road-Map beim ■ ■ ■

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Jürgen Lennartz
Chef der saarländischen Staatskanzlei
Saarländische Staatskanzlei

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Martina Fehlner
medienpolitische Sprecherin der BayernSPD-Landtagsfraktion
Landtag Bayern

Martina Fehlner, medienpolitische Sprecherin der BayernSPD-Landtagsfraktion

SPD in Bayern fordert ■ ■ ■

Warum es trotzdem noch UKW geben soll

EIN DEBATTENBEITRAG VON
Martina Fehlner
medienpolitische Sprecherin der BayernSPD-Landtagsfraktion
Landtag Bayern

ZUR FACHDEBATTE

ÜBER UNSERE FACHDEBATTEN

Meinungsbarometer.info ist die Plattform für Fachdebatten in der digitalen Welt. Unsere Fachdebatten vernetzen Meinungen, Wissen & Köpfe und richten sich an Entscheider auf allen Fach- und Führungsebenen. Unsere Fachdebatten vereinen die hellsten Köpfe, die sich in herausragender Weise mit den drängendsten Fragen unserer Zeit auseinandersetzen.

überparteilich, branchenübergreifend, interdisziplinär

Unsere Fachdebatten fördern Wissensaustausch, Meinungsbildung sowie Entscheidungsfindung in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Gesellschaft. Sie stehen für neue Erkenntnisse aus unterschiedlichen Perspektiven. Mit unseren Fachdebatten wollen wir den respektvollen Austausch von Argumenten auf Augenhöhe ermöglichen - faktenbasiert, in gegenseitiger Wertschätzung und ohne Ausklammerung kontroverser Meinungen.

kompetent, konstruktiv, reichweitenstark

Bei uns debattieren Spitzenpolitiker aus ganz Europa, Führungskräfte der Wirtschaft, namhafte Wissenschaftler, Top-Entscheider der Medienbranche, Vordenker aus allen gesellschaftlichen Bereichen sowie internationale und nationale Fachjournalisten. Wir haben bereits mehr als 600 Fachdebatten mit über 20 Millionen Teilnahmen online abgewickelt.

nachhaltig und budgetschonend

Mit unseren Fachdebatten setzen wir auf Nachhaltigkeit. Unsere Fachdebatten schonen nicht nur Umwelt und Klima, sondern auch das eigene Budget. Sie helfen, aufwendige Veranstaltungen und überflüssige Geschäftsreisen zu reduzieren – und trotzdem die angestrebten Kommunikationsziele zu erreichen.

mehr als nur ein Tweet

Unsere Fachdebatten sind mehr als nur ein flüchtiger Tweet, ein oberflächlicher Post oder ein eifriger Klick auf den Gefällt-mir-Button. Im Zeitalter von X (ehemals Twitter), Facebook & Co. und der zunehmenden Verkürzung, Verkümmerung und Verrohung von Sprache wollen wir ein Zeichen setzen für die Entwicklung einer neuen Debattenkultur im Internet. Wir wollen das gesamte Potential von Sprache nutzen, verständlich und respektvoll miteinander zu kommunizieren.