Beim Lokal-TV-Kongress in Potsdam wurde die Frage gestellt, ob Lokal-TV als Geschäftsmodell überhaupt funktionieren kann. Wie sehen Sie das?
Das klassische Geschäftsmodell von lokalen TV-Sendern, also der Verkauf von Werbezeiten an lokale und regionale Werbepartner, hat, in meinen Augen, noch nie funktioniert. Ich kann hier natürlich nur aus meiner Erfahrung in Jena sprechen. Trotzdem Jena gern als „Leuchtturm“ bezeichnet wird, ist die Wirtschaftskraft im Vergleich zu einer gleich großen Stadt in den alten Bundesländern deutlich niedriger. Das bedeutet natürlich auch, dass die Kaufkraft entsprechend geringer ist. Dadurch ist die Anzahl der potenziellen Werbekunden sehr begrenzt. Hinzu kommt, dass immer mehr inhaberbetriebene Dienstleister (also die klassischen Werbekunden von Lokal-TV) aus den Innenstädten durch Handelsketten verdrängt werden. Ketten schalten jedoch keine Werbung auf lokalen TV-Sendern. Ohne fernsehfremde Tätigkeiten (Produktion von Image-, Messe-, Werbefilmen etc.) könnte der Sender schon lange nicht mehr existieren.
In Deutschland gibt es regional verschiedene Fördermöglichkeiten für Lokal-TV. Wie fühlen Sie sich von der Politik unterstützt und welche Förderung würden Sie sich wünschen?
In Thüringen werden lediglich die Einspeisung und die technische Verbreitung von Lokal-TV gefördert. In Anbetracht des personellen und technischen Aufwandes den man betreiben muss, um gutes Lokalfernsehen zu produzieren und dem vorhandenen wirtschaftlichen Umfeld, ist das ziemlich wenig. Ein Finanzierungsmodell wie in Bayern wäre in meinen Augen eine gute Lösung. Ein anderer Ansatz wäre das Schweizer Modell. Ich glaube prinzipiell, dass qualitativ hochwertiger Lokaljournalismus in seiner gesamten Bandbreite (ich schließe damit explizit alle Verbreitungsformen des Journalismus ein) nur überleben kann, wenn es in Zukunft Modelle geben wird, die den Lokaljournalismus finanziell fördern.
Seit Jahren hakt es bei der nationalen Vermarktung von Lokal-TV. Was müsste passieren, damit der Knoten platzt?
Die nationale Vermarktung von Lokal-TV hakt nicht ohne Grund. Die Sendestrukturen und -formate der Sender sind so verschieden, dass der Aufwand für Agenturen, die nationale Werbung vermarkten, in keinem Verhältnis zum Nutzen steht. Mit SRF gibt es ja bereits eine Plattform zur überregionalen Vermarktung von Werbezeiten. Kunden können über dieses Portal Werbung auf mehr als 80 Lokalsendern buchen. Die Preise für die Kunden sind erheblich niedriger als bei einer direkten Buchung bei den jeweiligen Lokalsendern. Das hat zur Folge, dass die Erträge, die tatsächlich bei den Sendern ankommen, entsprechend gering sind. Für JenaTV sind die Umsätze, die über SRF erzielt werden, vernachlässigbar. Würde man Preise kalkulieren, die sich für die einzelnen Sender wirklich lohnen würden, wäre der Unterschied zu Schaltungskosten im nationalen TV so gering, dass sich der Aufwand, Werbung im Lokal-TV zu schalten, für den Kunden nicht mehr lohnen würde.
Immer wieder wird mehr Kooperation zwischen den Lokal-TV-Anbietern anregt. Wie können und sollten die Sender aus Ihrer Sicht zusammenarbeiten?
In Thüringen existiert sein geraumer Zeit mit „Thüringen TV“ ein Format, das gemeinsam von mehreren Sendern produziert wird. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt „Metropol“, ein Wirtschaftsmagazin, das von Sendern aus Thüringen und Sachsen erstellt wird. Beide Sendungen erweitern das Programmangebot, generieren aber ansonsten keine neuen Umsätze. Es gab in der Vergangenheit auch immer wieder Versuche, werbefinanzierte Formate thüringenweit zu vermarkten. Diese Versuche sind alle nach relativ kurzer Zeit im Sand verlaufen. Ich bin deshalb nicht so ganz sicher, wie eine sinnvolle Kooperation zwischen Lokalsendern aussehen könnte. Ziel einer Kooperation ist ja die Erzielung von personellen, technischen oder inhaltlichen Synergien. Ich habe momentan keine Idee, wie diese erzielt werden könnten. Ich halte es daher für wesentlich wichtiger, dass alle Lokalsender gemeinsam an einem Strang ziehen, um politische Forderungen durchzusetzen.
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