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17.02.2019
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GESETZLICHE REGELUNGEN FÜR DIE AUSLEIHE DIGITALER MEDIEN GEFORDERT

Wie alle den Zugang zu Informationen behalten

Volker Heller, Vorstand der Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB)

Volker Heller, Vorstand der Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) [Quelle: ZLB]


Für Volker Heller, Vorstand der Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB), ist die Kernaufgabe von öffentlichen Bibliotheken "die Befähigung der Menschen, durch Bildung, Kultur und Information die Gestaltung der Gesellschaft betreiben zu können". Dabei ist es für ihn irrelevant, ob es sich dabei um gedruckte oder digitale Inhalte handelt.


Mehr und jüngere Nutzer – die Digitalisierung ist eine Chance für die Bibliotheken. Welche digitalen Angebote werden bei Ihnen besonders genutzt?
Unser am meisten genutztes Angebot sind die E-Book-Ausleih-Portale, bei denen man – wie in einer „echten“ Bibliothek – einzelne Exemplare von E-Books ausleihen kann. Auch Zeitungen und Zeitschriften werden, teilweise auf eigenen Portalen wie „Pressreader“ und „Genios“, sehr häufig genutzt. Der Bereich des Musikstreamings ist im Moment der dritte große Bereich. Schwer im Kommen ist Filmstreaming, hier nimmt der VÖBB eine Pionierrolle ein mit dem Portal „Filmfriend“ und seit neuestem dem Kurzfilmportal „AVA“.

Video- und Audiostreams oder E-Book-Fernleihe - wie werden solche sich Angebote Ihrer Ansicht nach auf die Zukunft von Präsenzbibliotheken auswirken?
Die Bedeutung des einzelnen Mediums (Buch, CD,…) kann weiter abnehmen und sich teilweise (Buch je nach Fachgebiet) oder ganz (CD, DVD) in die digitale Welt verlagern. Bibliotheken werden sich noch stärker auf die begleitende Vermittlung der Medieninhalte fokussieren. Kernaufgabe ist die Befähigung der Menschen, durch Bildung, Kultur und Information die Gestaltung der Gesellschaft betreiben zu können – ob es sich dabei um gedruckte oder digitale Inhalte handelt, ist irrelevant. Die zunehmende Anreicherung der Medien durch audiovisuelle und digitale Elemente sowie die Vermittlung und Darstellung der Medien kann zudem dazu führen, dass die einzelnen Medien mehr Platz vor Ort benötigen als heute.

Die Digitalisierung stellt auch große Herausforderungen an die Mitarbeiter. Wie gehen Sie die anstehenden Veränderungen an?  
Die ZLB begreift Digitalisierung auch als große Chance für die Öffentlichen Bibliotheken. Neben neuen digitalen Angeboten gibt es durch die Retrodigitalisierung andere Präsentationsformen für „alte“ hochinteressante Bibliotheksschätze sowie Möglichkeiten interaktiver Medienarbeit mit den Nutzer*innen z.B. durch crowdsourcing. Die Beratungen unserer Nutzenden im Bereich digitaler Schreib- und Lesefähigkeiten werden ausgebaut, hierzu entwickeln die Mitarbeiter*innen unterschiedliche Programmschienen im Angebot. All diese neuen Angebote treffen zugleich auf eine große, durch die Digitalisierung der Arbeitsprozesse getriebene und unvermeidliche Veränderung im Berufsbild der Mitarbeiter*innen. Es gibt durch die Digitalisierung getriebene Automatisierungsprozesse, die manche bisherige Tätigkeiten überflüssig machen. Unsere Bibliothekar*innen haben zugleich viele Potenziale, die auch in der digitalen Welt sehr gebraucht werden. Dazu gehören zum Beispiel die fächerübergreifende Recherchekompetenz, und die Kompetenz, unsere Nutzer*innen dabei zu unterstützen, sich in einer immer vielfältigeren Medienwelt zu orientieren und zwischen validen und weniger validen Informationen unterscheiden zu können. Die ZLB schult und unterstützt ihre Mitarbeiter*innen bei diesem Wechsel des Berufsbilds in allen Belangen.

41 Prozent der Bibliotheken fühlen sich in Sachen Digitalisierung „sehr gut“ oder „eher gut“ von der Politik unterstützt. Was wünschen Sie sich von den zuständigen Stellen?  
Bibliotheken benötigen eine gesetzliche Regelung auch für die Ausleihe von E-Books und anderen digitale Inhalten. Nur so ist sicherstellt, dass Bibliotheken auch künftig der Bevölkerung den Zugang zu/die Teilhabe an allen Informationsinhalten ermöglichen kann und dabei nicht vom Wohlwollen oder Veto einzelner Verlage abhängig ist.