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20.05.2019
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200.000 E-MEDIEN, APPS UND EIN ROBOTIK-PROJEKT

Wie die Stadtbuecherei Frankfurt am Main den digitalen Wandel angeht

Birgit Lotz - Stadtbuecherei Frankfurt am Main, 44.5 Zentrale Bibliotheken / Leitung

Birgit Lotz - Stadtbuecherei Frankfurt am Main, 44.5 Zentrale Bibliotheken / Leitung [Quelle: Stadtbuecherei Frankfurt ]


"Wollen Bibliotheken bestehen bleiben, müssen sie sich wandeln", weiß Birgit Lotz von der Stadtbuecherei Frankfurt am Main. Diese wurde als „Bibliothek des Jahres 2018“ ausgezeichnet und hat ein beeindruckendes Portfolio an digitalen Angeboten.


Die Stadtbücherei Frankfurt am Main ist eine moderne Großstadtbibliothek mit 18 Öffentlichen Bibliotheken, einer Fahrbibliothek und einem Verbund von über 100 Schulbibliotheken. Sie ist eine der publikumsstärksten städtischen Einrichtungen (1,4 Mio Besuche jährlich) und ausgezeichnete „Bibliothek des Jahres 2018“. Dezentral strukturiert, versorgt sie die Frankfurter Bevölkerung wohnortnah mit einem differenzierten Angebot mit Medien und Information. Dabei verfolgt sie ihre bildungspolitischen Aufgaben in enger Zusammenarbeit mit vielen Akteuren der Stadtgesellschaft – u. a. Kitas, Schulen, der Volkshochschule – und versteht sich als offener (dritter) Ort und Forum der Frankfurter Bürger*innen.

Die Gesellschaft und insbesondere die Medienwelt verändern sich zurzeit rasch und entwickeln sich auch aufgrund der Auswirkungen der fortschreitenden Digitalisierung ausgesprochen dynamisch. Die Anforderungen und Erwartungen der Menschen an Bibliotheken haben sich geändert und ändern sich weiter. Bibliotheken müssen sich insbesondere im Kontext des sich verändernden Medien- und Informationsmarktes zukunftsstark halten. Die Stadtbücherei Frankfurt positioniert sich neu und reagiert auf ein verändertes Nutzungsverhalten. So wurde zum Beispiel 2018 eine eigene Stelle für Digitale Dienste geschaffen.

Lesen bleibt auch im Internetzeitalter eine der wichtigsten Kulturtechniken für die persönliche Entwicklung und die Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen. Das gedruckte Buch und digitale Medien konkurrieren nicht miteinander, sie ergänzen sich. Leseförderung und Medienbildung sind Kernaufgaben der Stadtbücherei Frankfurt, auch die Förderung digitaler Medienkompetenz. So ist seit sechs Jahren mit #iPÄD ein im Haus entwickeltes medienpädagogisches Veranstaltungsformat für den Einsatz von Tablets und Apps für 2- bis 16-Jährige erfolgreich: Die Konzepte bieten unterschiedliche Formen des Umgangs mit iPad und Kreativ-Apps, bei denen App-Inhalte mit dem gedruckten Buch kombiniert werden oder der reale Bibliotheksraum mit einbezogen wird. Die kreative Produktion eigener digitaler Inhalte steht dabei im Vordergrund.

Mit der App „ActionBound“ werden Klassen- und Gruppenführungen um digitale Elemente bereichert. Fragen zur Bibliothek können mittels Foto, Video, Audio oder Quiz bearbeitet werden. Neben Bibliothekswissen wird hier zusätzlich die kreative Ausdrucksfähigkeit gefördert. Auch QR Code-Rallyes und Bibliotheksführungen mit Augmented Reality-Apps sowie digitale Quizrunden mit der App „Kahoot“ stehen in der Stadtbücherei auf dem Programm und erfreuen sich großer Beliebtheit.

Mit der „Digitalen Stunde“, einem vielfältigen Workshop-Programm für Erwachsene, bietet die Stadtbücherei den Zugang zu Wissen und Information zu ihren digitalen Angeboten und Social Media-Features. In Workshops der Musikbibliothek stehen die Digitalisierungs-Plattenspieler, Musik-Apps und die App „GarageBand“ im Mittelpunkt.

Die digitalen Angebote der Stadtbücherei erfreuen sich großer Beliebtheit. Allen voran die via Internet verfügbare „Onleihe“ mit mehr als 200.000 eMedien, eine Erfolgsgeschichte mit nach wie vor zweistelligen Steigerungsraten bei der Nutzung. Die digitalen Angebote werden ständig ausgebaut und erweitert: Seit Anfang Februar können die Leser*innen der Stadtbücherei Frankfurt ein neues Online-Angebot nutzen. PressReader präsentiert mehr als 7.000 tagesaktuelle Zeitungen und Zeitschriften aus 60 Ländern.

Die Stadtbücherei ist auf dem Weg zur „Bibliothek 4.0“: Roboter, künstliche Intelligenz und Coding sind Themenfelder, die sie mit ihrem neuen ROBOTIC-Projekt aufgreift. Dazu wird u. a. ein humanoider Roboter angeschafft; ein umfangreiches Begleitprogramm in Zusammenarbeit mit Partnern soll zum einen eine sinnvolle Nutzung der Geräte sicherstellen und zum anderen die notwendige gesellschaftliche Diskussion ermöglichen.

Wer heute in eine Bibliothek kommt, findet einen Ort außerhalb des eigenen Zuhauses und der Arbeitsstelle, an der sich jeder aufhalten kann, unabhängig vom sozialen Background, ohne Eintritt zu bezahlen oder zu konsumieren. Öffentliche Bibliotheken wie die Stadtbücherei Frankfurt sind ein wichtiger demokratischer Treffpunkt für eine lebhafte und kreative Stadtgesellschaft. Aufenthaltsqualität und eine adäquate technische Ausstattung (v. a. WLAN) sowie Sitz- und Lerngelegenheiten sind von hoher Bedeutung. Die Stadtbücherei bietet WLAN in all ihren öffentlichen Bibliotheken an.

Sehr geschätzt und gut genutzt wird der mit moderner Suchmaschinen-Technologie ausgestattete Online-Katalog im responsiven Design, der die Mediensuche und die Verwaltung des persönlichen Medienkontos einfach und komfortabel macht. Dazu kommen Merklisten, die Anzeige von Neuerwerbungen und aktuelle Medientipps.

Die umfassenden Veränderungen, die die fortschreitende Digitalisierung mit sich bringt, stellen ohne Zweifel eine gewaltige Herausforderung für das Bibliothekspersonal dar, für die Führungskräfte wie auch fürs Kollegium. Die Stadtbücherei begreift dies auch als Chance und wird in diesem Jahr einen Strategieentwicklungsprozess starten, der ausdrücklich eine digitale Strategie einbezieht.

Grundsätzlich kommen in der Stadtbücherei der steten Weiterentwicklung und der Personalentwicklung eine wichtige Rolle zu. Führungsklausuren, interne Fortbildungsformate sowie der Besuch von Fortbildungen und Tagungen nehmen einen hohen Stellenwert ein. Zu besonderen Themen, z. B. den digitalen Diensten und zu IT-Fachanwendungen, entwickelt die Stadtbücherei eTutorials. Diese ermöglichen es, sich stets à jour zu halten und selbstgesteuert schnell in neue Gebiete einzuarbeiten. Mit Mitarbeiter*innen, die fit sind für die digitale Gesellschaft kann sich die Bibliothek als digitaler Player etablieren und können die neuen Angebote erfolgreich positioniert werden.

Last not least werden – da sich Aufgabengebiete der Bibliotheken insbesondere in den letzten Jahren stark verändert haben – zur Aufgabenerledigung verstärkt Kompetenzen benötigt, die über den Bibliotheksbereich hinausgehen, z. B. aus Bereichen, wie Kultur- und Communitymanagement, Medienpädagogik, Kommunikationswissenschaften. Zunehmend kommen daher „crossfunctional Teams“ eine höhere Bedeutung zu.

Wollen Bibliotheken bestehen bleiben, müssen sie sich wandeln. Eine Herausforderung, der sich die Stadtbücherei Frankfurt in vielerlei Hinsicht stellt und den Wandel gestaltet – um auch in Zukunft ein attraktiver und relevanter Ort mit inspirierenden Angeboten für die Frankfurter*innen zu sein.