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Interview10.01.2017

Gegen schärfere Altersfreigaben für Computerspiele

Warum es keine einfachen Lösungen gegen exzessive Computernutzung gibt

Felix Falk, Geschäftsführer der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) Quelle: Dirk Mathesius Felix Falk Geschäftsführer game - Verband der deutschen Games-Branche e.V.
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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Eine DAK-Studie sorgt für Aufsehen - mehr als jeder 20. junge Deutsche ist süchtig nach Computerspielen. Felix Falk, Geschäftsführer der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), nimmt das Problem ernst, warnt aber vor Pauschalisierungen und plädiert für mehr Medienkompetenz.





5,7 % der Deutschen zwischen 12 bis 25 Jahren sind süchtig nach Computerspielen. Wie bewerten Sie diese Zahl?
Das Problem der exzessiven Nutzung von Spielen muss man sehr ernst nehmen. Allerdings macht man einen Fehler, wenn man sich mit pauschalen Behauptungen zufrieden gibt. Zum einen ist der medizinische Begriff der Sucht sehr umstritten. Zum anderen wurden in mehreren Studien ganz unterschiedliche Werte festgestellt. Richtig ist aber, dass exzessive Störungen auch im Bereich der neuen Medien wie sozialen Netzwerken oder auch Computerspielen auftreten können. Hier müssen wir gesellschaftlich besonders aufmerksam sein, um gerade Minderjährigen, aber auch Erwachsenen, helfen zu können. Je besser wir die Entwicklung von Medienkompetenz befördern, desto weniger problematisch wird die Mediennutzung sein.

Mit 8,4 % sind Jungs und junge Männer beinahe doppelt so oft betroffen wie Mädchen und junge Frauen. Wie erklären Sie sich diesen großen Unterschied?
Auch hier sind die konkreten Zahlen umstritten. Klar ist allerdings, dass die exzessive Nutzung bei Jungen häufiger Spiele und bei Mädchen häufiger soziale Netzwerke und Kommunikationstools betrifft. Das lässt sich aufgrund der geschlechterspezifischen Vorlieben leicht erklären.

In ersten Reaktionen fordern einzelne Experten schärfere Altersfreigaben für Computerspiele. Wie stehen Sie dazu?
Diese vereinzelten Forderungen sind nicht neu; es gab sie auch in den letzten Jahren. Allerdings weniger von Experten, denn inzwischen ist diesen klar, dass die Erhöhung der Alterststufen kaum einen Effekt in Bezug auf das Problem der exzessiven Nutzung hätte. Dafür sind die Auslöser für exzessive Störungen viel zu vielfältig und abhängig von der individuellen Prägung und dem sozialen Umfeld. Im Gegensatz zu den Alterskennzeichen ist die Gefahr exzessiver Nutzung wie geschildert auch geschlechtsspezifisch. Wie sollen übergreifende Bewertungen solche Faktoren abbilden? Und es gibt keine klaren Kriterien für Spiele, die eine exzessive Nutzung voraussagen lassen. Was der eine exzessiv nutzt, interessiert den anderen gar nicht. Ich verstehe zwar, dass eine schnelle, einfache Lösung am schönsten wäre, aber leider ist es wie meistens doch etwas komplizierter. Mit der Förderung von Medienkompetenz, der Begleitung der Kinder durch die Eltern oder Beratungsangeboten für Betroffene vor Ort können wir am meisten erreichen.

Immer mehr immer jüngere Deutsche besitzen Smartphones. Welchen Einfluss auf die Computerspielsucht erwarten Sie dadurch?
Smartphones ermöglichen Mediennutzung außerhalb der eigenen vier Wände und damit auch außerhalb des Aufsichtsbereichs der Eltern. Deshalb sollte die Medienkompetenz bereits gut ausgebildet sein und Eltern sollten ihren Kindern weitgehend vertrauen können, ansonsten ist es fahrlässig, seinem Kind ein eigenes mobiles Gerät in die Hand zu drücken. Hier ist eine mögliche exzessive Nutzung nur eines von mehreren möglichen Problemen.

Was empfehlen Sie betroffenen Eltern?  
Eltern sollten ihre Kinder bei der Mediennutzung eng begleiten. Sie sollten helfen, einen selbstbewussten, eigenverantwortlichen Umgang mit Medien aufzubauen und auch im jugendlichen Alter interessierte Ansprechpartner bleiben. Wir haben als USK einen Elternratgeber veröffentlicht, der auf viele Fragen rund um Computerspiele Antworten gibt. Auch in Bezug auf Nutzungszeiten und exzessives Spielen. Der Ratgeber steht hier kostenfrei zur Verfügung: www.usk.de/usk-broschueren

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