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12.12.2018
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FDP WILL VENTURE-CAPITAL-GESETZ EINFÜHREN

Wie der Games-Branche und vielen anderen geholfen werden kann

Katja Suding, Stellv. Bundesvorsitzende der FDP, Stellv. Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Vorsitzende des FDP-Fraktions-Arbeitskreises Bildung & Forschung; Familie, Senioren, Frauen & Jugend; Kultur & Medien

Katja Suding, Stellv. Bundesvorsitzende der FDP, Stellv. Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Vorsitzende des FDP-Fraktions-Arbeitskreises Bildung & Forschung; Familie, Senioren, Frauen & Jugend; Kultur & Medien [Quelle: FDP]


"Die deutsche Games-Politik konzentriert sich auf Maßnahmen, die nur einzelnen, nicht allen Entwicklern helfen", kritisiert die stellvertretende FDP-Chefin Katja Suding. Sie fordert eine Reihe von Maßnahmen, die nicht allein der Games-Branche helfen würden.


Die neue Bundesregierung will laut Koalitionsvertrag die Games-Branche stärken und damit für angemessene Wettbewerbs-Bedingungen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sorgen. Wie groß ist der Nachteil für deutsche Unternehmen in diesem Bereich bislang?
Die deutsche Games-Politik konzentriert sich auf Maßnahmen, die nur einzelnen, nicht allen Entwicklern helfen. So ist der Deutsche Computerspielpreis eine gute Unterstützung, die aber vor allem den Preisträgern zugutekommt. Auch der Koalitionsvertrag führt im Kern nur eine Förderung für qualitativ hochwertige Spiele an. Die ist im europäischen Ausland weit besser. Die Pläne der GroKo klingen schon wieder stark nach aufwendigen Antragsverfahren. Wichtiger für die gesamte Branche wäre es, die Entwicklung selbst zu erleichtern. Leichtere Unternehmensgründungen, flexible Arbeitsmodelle und einfacherer Fachkräftezuzug helfen allen Entwicklern unabhängig vom Content und unabhängig von der Platzierung bei Wettbewerben. Andere Länder sind auch in diesen Bereichen schon weiter.

Um dieses Ziel zu erreichen, soll unter anderem der Deutsche Computerspielpreis weiterentwickelt werden. Was ist bei dem Preis aus Ihrer Sicht verbesserungswürdig?
Notwendig ist eine Diskussion darüber, wie der Computerspielpreis weiterentwickelt werden kann. Aktuell wird aber vor allem diskutiert, wer ihn in Zukunft verleihen darf: weiterhin der Minister für Verkehr und digitale Infrastruktur oder die Staatsministerin für Digitales? Der Deutsche Computerspielpreis ist eine Erfolgsgeschichte. Er verschafft Games in jedem Jahr eine besondere Öffentlichkeit und fördert den Austausch in der Branche. Davon unbenommen ist der Computerspielpreis ein zwar besonders sichtbarer, letztlich aber vergleichsweise kleiner Baustein einer klugen Games-Politik. Er zeichnet diejenigen aus, die es trotz der mangelhaften Games-Politik geschafft haben, Spitzenleistungen zu bringen.

Außerdem sollen die E-Sports aufgewertet werden. Was kann die Politik da tun?
Die Politik kann helfen, Vorurteile und Berührungsängste abzubauen. 2011 haben Abgeordnete der FDP-Fraktion zusammen mit weiteren Abgeordneten zur ersten LAN in den Deutschen Bundestag eingeladen. Das war ein großer Erfolg – nicht zuletzt, um das Misstrauen bei manchen Abgeordneten abzubauen. Sehr schnell könnte die Politik das Steuerrecht ändern, um eSports als gemeinnützig anzuerkennen. Einige Sportvereine haben bereits erfolgreiche eSports-Abteilungen aufgebaut. Bei der Aufnahme in den Deutschen Sportbund und die Anerkennung als Olympische Disziplin kann die Politik Mut machen.

Welche weiteren konkreten Maßnahmen würden Sie befürworten?
Einen großen Zukunftsmarkt für die Games-Branche stellt Gamification in der Bildung dar. Die Fusion von klassischen Bildungsträgern wie Büchern mit Spielen bietet ein riesiges Potenzial für besseres Lernen und den Absatzmarkt von Games zugleich. Das gelingt jedoch nur, wenn die Schulen endlich über ausreichend Breitbandanschlüsse und Endgeräte verfügen. Viele Maßnahmen, die der Games-Branche helfen, sind gar nicht auf sie beschränkt. Wir wollen ein Venture-Capital-Gesetz einführen, damit die Entwicklungen innovativer Produkte und Nachfolgeprodukte erleichtert wird. Die Zahl der Games, die über Crowdfunding finanziert werden, steigt ständig. Sparsamere Auflagen bei der Prospektpflicht oder Selbstauskunft können hier weitere Potenziale heben. Auch etliche sehr technische Änderungen helfen jungen Unternehmen. Ein Beispiel ist die Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge, die wir abschaffen wollen.