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Interview06.03.2020

Es gibt keine schlechten Antennen, nur der Einbau ist nicht immer optimal!

Warum es heute schwieriger als vor zehn Jahren ist, Rundfunksysteme in Autos zu bauen

Dr. Michael Weber, Geschäftsführer der Antennentechnik Bad Blankenburg Quelle: ATBB Dr. Michael Weber Geschäftsführer Antennentechnik Bad Blankenburg GmbH
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Dr. Michael Weber kennt sich als Geschäftsführer der Antennentechnik Bad Blankenburg genau mit Hörfunkempfangstechnik aus. Er erläutert seine Sicht auf die Test-Ergebnisse des RBT in Nürnberg, das den DAB+ Empfang in verschiedenen Autos untersucht hat und erklärt, warum die Antennentechnik selbst i.d.R. nicht der Grund für Empfangsprobleme ist. 





Es gibt Feldtests der Rundfunkbetriebstechnik Nürnberg (RBT), wonach es bereits bei den Neuwagen mit eingebautem DAB+ Empfangsteil große Empfangsunterschiede gibt. Was könnten Ihrer Meinung nach die Gründe sein?
Prinzipiell sind drei Gründe denkbar: ein komplettes Empfangssystem entsteht aus einer Antenne, aus dem Radio selbst, aus der Antenne und aus einer Vielzahl von Kabeln. Je nach Empfindlichkeit können die Geräte und die Antennen aus einem schlechteren Signal noch einen guten Empfang zaubern oder auch nicht. An eine Komponente wird insbesondere im Nachrüstmarkt nie gedacht: das sind die elektromagnetischen Störungen, die in einem Fahrzeug vorhanden sind. Durch den Verbau von immer mehr Steuergeräten, immer mehr Displays und immer höher getakteten Mikroprozessoren in den Steuergeräten ist in den letzten 10 bis 20 Jahren der Störpegel im Fahrzeug stark angestiegen. Es gibt zwar einen über alle Fahrzeughersteller harmonisierten Gruppenstandard der Elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) und dieser soll auch eingehalten werden, doch in der Praxis ist das oft mit Kosten verbunden. Diese werden gern mal eingespart, weil sie beim Kunden nicht unmittelbar bemerkbar sind. Aber sie wirken sich beim DAB+ Empfang aus, wenn man in Randgebiete kommt, die nicht so gut mit DAB+ versorgt sind. Bei den Antennen sage ich ganz klar: es gibt keine schlechten Antennen, es gibt nur einen schlechten Einbau im Fahrzeug.

Sie sprachen davon, dass sich insbesondere Steuergeräte auf die elektromagnetische Verträglichkeit im Fahrzeug auswirken. Was sind das für Geräte?
Das sind Airbag-Steuergeräte, Fahrzeugcomputer, Telematik-Steuergeräte oder etwas Navigationsgeräte. Die ganzen Signale laufen in einem gut ausgerüsteten Fahrzeug durch etwa 20-30 Kilometer Kabel und diese sind entsprechend angeordnet und strahlen natürlich aus. Es passiert nicht oft, dass das Steuergerät selbst strahlt, es sind eher die Kabel die strahlen, wenn sie nicht geschickt und EMV-gerecht verlegt sind.

Heißt es, dass es jetzt schwieriger als noch vor 10 Jahren ist, Rundfunksysteme im Fahrzeug einzubauen?
Ja, es ist sehr viel schwieriger geworden. Und aus meiner persönlichen Erfahrung: je tiefer die Frequenz, desto schwieriger die Entstörung. Beispielsweise wird in Elektrofahrzeugen fast nicht mehr die Mittelwelle angeboten, weil die Entstörung hier nicht mehr wirtschaftlich möglich ist. Es ist ein Wettrennen zwischen Empfangsfrequenz und Störfrequenz. Vor zwanzig Jahren wäre es deutlich einfacher gewesen, DAB+ einzubauen bzw. eine DAB+ Entstörung im Fahrzeug zu realisieren.

Ein schlechter Empfang macht sich DAB+ oft als Aussetzer bemerkbar, bei UKW rauscht es hingegen nur. Ist das ein Nachteil bei DAB+?
Nein, ein Nachteil ist das nicht, aber es ist ein besonderes interessantes Phänomen bei der Wahrnehmung der Hörer. Lassen Sie mich das erklären: Wir habe ja das Phänomen, dass die Hörer jahrzehntelang so erzogen wurden, dass ein Radio zu rauschen hat. Und wenn man dann den Nachrichtensprecher noch verstand, dann erzeugte das eine Zufriedenheit beim Hörer, weil er glaubte, das Radio „kämpft“ um die letzten Empfangsmöglichkeiten und strengt sich richtig an. Bei DAB+ hingegen bricht der Empfang sofort ab und das verstehen viele Leute nicht. Also ist die Gewohnheit des Hörers hier eher das Thema. Denn ein Aussetzer von 1-2 Sekunden ist ein gutes Ergebnis. Natürlich wünscht man sich immer lückenlosen Empfang auf Grund dieser kristallklaren Qualität. Aber man muss immer sehen, DAB+ ist und bleibt Broadcast.

Ab Dezember gilt die Digitalradio-Pflicht im Fahrzeug - Was sind für Sie als Antennenhersteller jetzt noch die wichtigsten Meilensteine bis dahin?
Für mich steht und fällt alles mit einer Bevorratung unserer Produkte, weil wir damit rechnen, dass mit der Einführung der Digitalradio-Pflicht im Auto ein neues Bewusstsein in der Bevölkerung entsteht und sich die Autofahrer auch für die Nachrüstung der Autos mit DAB+ zunehmend interessieren. Durch dieses klare Signal des Pflichteinbaus wird die Neugier auf DAB+ sicherlich erhöht werden. Das gilt meiner Meinung nach für den Neuwagen als auch für den Gebrauchtwagenmarkt. Dafür sind wir als ATBB bestens gerüstet.

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