Der Klimawandel stellt einige Wintersportregionen vor große Herausforderungen - mit welchen Strategien begegnen Sie diesen?
Der Klimawandel stellt Wintersportregionen vor tiefgreifende Veränderungen. Echten Schnee gibt es nur noch in hohen Lagen. Für unsere Region ist die Antwort darauf keine kurzfristige Anpassung, sondern eine seit Jahren verfolgte strategische Ausrichtung: Ganzjährigkeit, klare Leitprodukte und Qualität vor Quantität. Die Tourismusregion Millstätter See – Bad Kleinkirchheim – Nockberge ist nicht eindimensional auf den Winter ausgerichtet, sondern versteht sich als Lebens- und Erlebnisraum zwischen See und Berg – mit Angeboten, die weit über den klassischen Skitourismus hinausgehen, wobei unser Hauptfokus auf Ski Alpin liegt, weil einerseits die Höhenlage passt und unsere Partnerbetriebe sehr stark in die technische Beschneiungsanlagen investiert haben. Eine zentrale Strategie ist Mitbewerbung schneeunabhängiger Angebote (zwei Thermen) und saisonverlängernder Angebote.
Insbesondere welche Ganz-Jahresangebote gibt es in Ihrer Region - oder sind in unmittelbarer Planung?
Mit WanderZEIT 365 möchten wir ein Produkt etablieren, das nahezu ganzjährig erlebbar ist. Unsere Berge sind so schön, dass sogar die UNESCO sie schützenswert
fand; Die Wanderungen im UNESCO Biosphärenpark Nockberge in den sanften Nockbergen sind einzigartig.
Projekte wie der Via Paradiso am Millstätter See – ein leicht begehbarer Weitwanderweg auf halber Höhe – zeigen, wie sanfter Tourismus, Landschaftserlebnis und Ganzjahresnutzung zusammenspielen können. Der Via Paradiso wurde bewusst als Best-Practice-Beispiel für die sorgfältige Entwicklung von WanderZEIT 365 ausgewählt: Seine Lage auf halber Höhe, die ganzjährige Begehbarkeit sowie die Nähe zu See, Orten und Infrastruktur bieten ideale Voraussetzungen für ein zeitgemäßes, qualitätsorientiertes Wanderangebot. Auch unsere Slow Trails sind bestens dafür geeignet Ergänzt wird dieses Angebot durch BadeZEIT 365, Kaltbaden, Genuss- und Gesundheitsangebote. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf NOCKBIKE als starkem Sommer- und Übergangssaisonprodukt. Mountainbiken, Gravelbiken und die kontinuierliche Qualitätsentwicklung – etwa durch Zertifizierungen und neue Trails – schaffen zusätzliche Nachfrage jenseits der Wintersaison. Auch Workation ist ein bewusst gesetzter Impuls, um neue Zielgruppen anzusprechen und Aufenthalte in den Nebensaisonen zu verlängern.
Meine Vision für die Region lässt sich in einem Satz zusammenfassen: eine Ganzjahresdestination, die Qualität vor Quantität stellt und Tourismus so gestaltet, dass Einheimische und Gäste gleichermaßen profitieren. See und Berg sind bei uns kein Lippenbekenntnis, sondern gelebte Realität.
Welche digitalen Tools nutzen Sie, um etwaige touristische Neuerungen zu kommunizieren?
Um touristische Neuerungen sichtbar zu machen, setzen wir konsequent auf digitale Kommunikation. Unsere Website fungiert als zentrale B2C-Plattform und wird laufend über themenspezifische Landingpages, buchbare Erlebnisformate und klar strukturierte Produktseiten weiterentwickelt. Ergänzend dazu nutzen wir unsere B2C-Social-Media-Kanäle, Newsletter sowie digitale Pressearbeit, um Inhalte zielgruppengerecht auszuspielen und Reichweite aufzubauen. Datenbasierte Analyse-
und Monitoring-Tools unterstützen uns dabei, Maßnahmen zu evaluieren und Angebote kontinuierlich zu optimieren.
Auch intern setzen wir auf digitale Effizienz: Die Zusammenarbeit innerhalb des Teams erfolgt weitgehend papierlos und projektbasiert, unter anderem mit digitalen Kollaborationstools wie Asana. So haben wir klare Strukturen, transparente Abläufe und kurze Entscheidungswege – eine wichtige Voraussetzung, um flexibel auf neue Entwicklungen reagieren und strategische Projekte effizient umsetzen zu können.
Wie sollte die Politik die Regionen aus Ihrer Sicht unterstützen?
Aus politischer Sicht braucht es vor allem verlässliche Rahmenbedingungen. Regionen benötigen Planungssicherheit, langfristige Förderlogiken und ausreichend zeitliche Spielräume, um Qualität zu entwickeln. Die aktuelle Tourismusreform des Landes Kärnten ist dabei eine große Chance. Ein zentraler Baustein wird die künftig gemeinsame Website der Kärnten Werbung werden. Sie ermöglicht es, vom bisherigen Einzelkämpfertum wegzukommen und Kärnten stärker als zusammenhängenden Erlebnisraum zu präsentieren.
Für die Regionen bedeutet das einen wichtigen Paradigmenwechsel: Themen wie Radfahren, Wandern, Golfen, Skifahren und andere Wintererlebnisse wie Wellness werden künftig stärker regional gebündelt gedacht und ausgespielt – nicht mehr isoliert nach einzelnen Orten, sondern entlang klarer Erlebnisräume und Leitprodukte. Das schafft Orientierung für Gäste, reduziert Doppelstrukturen und stärkt die Sichtbarkeit der Regionen im internationalen Wettbewerb.
Entscheidend ist, dass diese neue Struktur nicht als Zentralisierung verstanden wird, sondern als gemeinsame Bühne, auf der regionale Stärken klar profiliert werden können. Wenn Rollen, Zuständigkeiten und Inhalte sauber definiert sind, bietet die Reform die Chance, Ressourcen effizienter einzusetzen und den Regionen mehr Raum für strategische Entwicklung und Qualitätsarbeit zu geben.
Die Politik kann zudem unterstützen, indem nachhaltige Mobilitätslösungen, Leuchtturmprojekte und interkommunale Kooperationen gezielt gefördert werden. Weniger Komplexität und Vertrauen in regionale Kompetenz wären aus meiner Sicht
zentrale Hebel.
Unser Ziel ist es, den Tourismus so weiterzuentwickeln, dass er langfristig tragfähig bleibt – für Gäste ebenso wie für die Menschen, die hier leben und arbeiten. Qualität vor Quantität ist dabei kein Schlagwort, sondern eine strategische Leitlinie.



