Die Landeshauptstadt Stuttgart fördert ab 2016/17 Elektro-Taxis. Was halten Sie von dieser Idee?
Die Idee an sich ist vom Grundansatz sehr gut. Allerdings bin ich aber skeptisch, ob die ausgelobte Fördersumme ausreichend ist, um das Thema Elektrotaxis tatsächlich zu pushen. Auch vor dem Hintergrund der nicht so positiven Erfahrungen nach einem Feldversuch vor zwei Jahren in Stuttgart glaube ich nicht, dass allein monetäre Zuwendungen ausreichen, um die Zweifler zu überzeugen. Unsere Überzeugung ist, dass leider die derzeitigen Batterietechnologien aber vor allem die fehlende Ladeinfrastruktur die entscheidenden Hemmnisse sind, dass die Elektromobilität für das Taxigewerbe und dessen Betrieb ein sinnvolles und wirtschaftliches Produkt ist. Das Taxi ist in erster Linie ein Gelegenheitsverkehrsmittel und wenn unsere Fahrgäste von Stuttgart nach Köln gebracht werden wollen, dann können wir nicht sagen: wir können sie leider nicht mitnehmen die Batterie ist runter. Das widerspricht vollkommen unserem Geschäftsmodell. Natürlich verfolgen wir mit großem Interesse die neuesten Entwicklungen auf dem Markt. Falls es tatsächlich in naher Zukunft Modelle mit einem Radius von 500 km und einem Kaufpreis von 50.000 Euro geben sollte, dann wäre zumindest für einen selbstfahrenden Taxiunternehmer ein E-Taxi durchaus denkbar. In einem Mehrwagenbetrieb auf Angestelltenbasis ist aber auch dann die E-Mobilität noch nicht praktikabel, denn viele Wagen sind mehr als 500 oder 600 km am Stück unterwegs. Stellen sie sich vor, wie unfair es wäre, wenn ein Fahrer mit einer guten Schicht in den Betrieb zurückkommt und seinem Kollegen sagt: jetzt müssen wir den Wagen erstmal abstellen und für viele Stunden wieder nachladen.
Die Elektromobilität macht also für das Taxigewerbe derzeit keinen Sinn?
Wir sind uns schon bewusst, dass das Thema Elektromobilität sicherlich die richtige Antwort auf viele Umweltfragen sein wird. Wir sind uns auch sicher, dass irgendwann bei verbesserter Batterietechnik und durchgehender Infrastruktur, sich das Taxigewerbe der Elektromobilität nicht verschließen wird. Bereits vor 20 Jahren waren wir etwa federführend dabei, Biodiesel als umweltschonenden Taxiantrieb einzuführen, und auch künftig wollen wir ein Treiber sauberer Antriebssysteme sein. Doch im Moment ist die Elektromobilität für ein Taxiunternehmen nicht rentabel. Trotzdem wissen wir, das die Elektromobilität ein gesamtgesellschaftlicher Trend ist, dem sich das Taxigewerbe über kurz oder lang nicht entziehen kann. Gerade weil das Taxi einen Großteil seiner Verkehrsleistung im Stadtbereich anbietet, sollte das so umweltschonend wie möglich geschehen.
Welche Forderungen haben Sie an die Industrie und die Politik, um die E-Mobilität auch wirtschaftlich sinnvoll in Gang zu bringen?
Unsere Hauptforderung ist, schnell an der Weiterentwicklung der Batterietechnologie zu forschen. Zudem hat die Politik bisher nicht genügend auf den Ausbau der Ladeinfrastruktur fokussiert. Wir könnten uns beispielsweise sehr gut vorstellen, dass an den Taxiplätzen Ladesäulen oder Induktionsladeplätze direkt in die Straßen und Stellplätze installiert werden. Dann könnten die Taxis während der Wartephasen schnell und unproblematisch zwischengeladen werden.



