Deutschland steht nach aktuellen Daten vor einem starken Ausbau bei Großbatteriespeichern - welchen Beitrag können diese aus Ihrer Sicht bei der Energiewende grundsätzlich leisten?
In einem zunehmend erneuerbaren Stromsystem haben Batteriespeicher drei grundlegende Vorteile: Erstens können Speicher Strommengen über den Tag verschieben und so zum Beispiel Solarstrom auch in den Abendstunden verfügbar machen, wenn die Nachfrage steigt. Damit bringen sie Angebot und Nachfrage besser zusammen. Gleichzeitig erhöhen Speicher auf diese Weise die Markterlöse von Erneuerbare Energien Anlagen und reduzieren den Förderbedarf.
Der zweite Vorteil ist die schnelle Reaktion auf Veränderungen. Wie bei der Wochenendplanung: Irrt sich die Wettervorhersage, muss man umplanen. Das gilt auch im Strommarkt, wenn zum Beispiel statt der Mittagssonne ein Sommergewitter aufzieht oder wenn ein Großkraftwerk kurzfristig ausfällt. Batteriespeicher können sich in Sekundenschnelle an solche Veränderungen anpassen. Das ist derzeit so wirtschaftlich, dass Investoren ganz ohne Förderung Schlange stehen, um einen Netzanschluss für Batteriespeicher zu bekommen.
Drittens können Batterien perspektivisch auch Engpässe im Stromnetz verhindern und die Netzauslastung verstetigen. Dafür speichern sie Strom ein, der sonst zu einem Engpass hätte führen können und speisen ihn später zurück ins Netz ein, wenn es wieder frei ist. Dafür müssen aber noch intelligente Preissignale eingeführt werden.
Wie bedeutend ist der schnelle Ausbau einer intelligenten Steuerung des Stromverbrauchs in diesem Zusammenhang?
Großbatteriespeicher, regelbare Kraftwerke, E-Pkws und flexible häusliche Stromverbraucher wie Wärmepumpen oder Heimspeicher bieten zusammen ein enormes Flexibilitätspotenzial. Damit sind diese Technologien die ideale Ergänzung zur variablen Stromerzeugung aus Erneuerbaren. Um diese Potenziale zu heben, kommt es darauf an, sie je nach ihrer Wirtschaftlichkeit und am richtigen Ort im Stromnetz zu aktivieren – am besten europaweit.
Richtig gut funktioniert das erst in einem digitalisierten System mit einer hohen Informationsdichte. Hier hat Deutschland deutlichen Aufholbedarf: Der Smart-Meter-Rollout geht nur schleppend voran; bislang sind erst 5,5 Prozent der Stromzähler in Deutschland digitalisiert. Zudem versenden Trafos hierzulande meistens keine Livedaten an die Netzbetreiber – damit könnten diese Signale an die Batterien zurücksenden, wann das Laden oder Entladen aus Netzsicht besonders hilfreich ist.
Experten wenden ein, dass Großspeicher für Strommangel über längere Zeiträume nicht geeignet seien - wie sollte man sich für längere sogenannte Dunkelflauten wappnen?
Der Mix macht’s. Zwar kann das gut vernetzte europäische Stromsystem regionale Flauten abfangen – aber wenn im Winter über weite Gebiete wenig Wind weht, müssen neben Speichern auch thermische Kraftwerke einspringen. Bei einer Dunkelflaute gibt es kein Entweder-Oder. Im Gegenteil: Energiesystemmodelle zeigen, dass Batterien die Fahrweise von regelbaren Kraftwerken verstetigen. Das heißt, dass die Versorgungssicherheit mit weniger, aber höher ausgelasteten Kraftwerken gewahrt werden kann – was Kosten spart und Strompreise senkt.
Anhaltende und flächendeckende Dunkelflauten sind allerdings die Ausnahme: Für die täglich auftretenden, recht kurzen Nachfragespitzen morgens und abends ist Erdgas beziehungsweise perspektivisch grüner Wasserstoff zu teuer und Batterien die kosteneffizientere Technologie. Für ein kosteneffizientes Stromsystem sind Batterien deshalb wichtig und sollten etwa auch in den Ausschreibungen zur Versorgungssicherheit entsprechend berücksichtigt werden.
Welchen Rahmen sollte die Politik für einen Ausbau der Großspeicher setzen?
Bei der Ausgestaltung des Kapazitätsmarkts sollte die Bundesregierung auf einen klugen Mix setzen: Speicher, flexible Nachfrage und Kraftwerke sollten im gemeinsamen Wettbewerb um die günstigste Kapazität stehen und so die Stromversorgung kostenoptimal absichern.
Gleichzeitig ist es wichtig, den Zugang zum Netz und den Netzausbau zu beschleunigen, sowie die vorhandenen Leitungen besser auszunutzen. Letzteres kann mithilfe von lokalen Strompreisen und dynamischen Netzentgelten je nach Auslastung des entsprechenden Netzabschnitts gelingen. Dies würde auch Verbraucherinnen und Verbraucher entlasten: Speicher senken die Strompreise, gerade zu den bislang teureren Tageszeiten morgens und abends. Und lokale Strompreise reduzieren die Netzentgelte – die für Haushalte rund ein Drittel der Stromrechnung ausmachen.



