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19.11.2019
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DIGITALRADIO-START ÜBERTRIFFT ERWARTUNGEN

Wie sich DAB+ in Österreich entwickelt

Wolfgang Struber - Vorsitzender des Vereins Digitalradio Österreich, Geschäftsführer Radio Arabella

Wolfgang Struber - Vorsitzender des Vereins Digitalradio Österreich, Geschäftsführer Radio Arabella [Quelle: Lea Fabienne Graphics/ Photography]


Wolfgang Struber, Vorsitzender des Vereins Digitalradio Österreich und Geschäftsführer von Radio Arabella ist sehr zufrieden mit dem Start des DAB+ Bundesmux in Österreich. Auch der Endgerätemarkt entwickele sich positiv. "Der Anteil von DAB+ Geräten am Radiogerätemarkt lag im ersten Quartal 2019 bereits bei über 32 %." Nun müsse sich das Ökosystem „Radio“ in Österreich weiter entwickeln.


Ende Mai fiel in Österreich der Startschuss für den bundesweiten Ausbau von DAB+. Welche Erfahrungen konnten Sie in dieser Zeit sammeln?
Bislang machen wir sehr erfreuliche Erfahrungen! Einerseits melden sich viele Hörerinnen und Hörer bei den einzelnen Sendern und loben die größere Programmvielfalt. Zum anderen zeigt sich, dass sich der dreijährige Testbetrieb bezahlt macht: Die Qualität der Versorgung, insbesondere der Empfangsstärke, übertrifft alle Erwartungen. Zusätzlich gab es weder Störungen oder Ausfälle des Sendebetriebes. Und auch der Endgerätemarkt entwickelte sich positiv. Der Anteil von DAB+ Geräten am Radiogerätemarkt lag im ersten Quartal 2019 bereits bei über 32 %.

Neun Radiostationen waren beim Start empfangbar. Sind in der Zwischenzeit weitere hinzugekommen?
Bis dato haben wir keine Zugänge, sodass wir im bundesweiten MUX I weiterhin bei neun Digitalradios halten. Aber es gibt ein signifikantes Interesse von weiteren Privatsendern, die ihre Radiomarke unter anderem mit DAB+ zukunftsfit machen möchten. Im Herbst werden wir dazu Konkretes kommunizieren können.

Einen großen Erfolg für DAB+ gibt es laut Plattformbetreiber RTG Radio Technikum im Wiener MUX II, da in diesem Verbreitungsgebiet (Wien, nördliches und östliches NÖ sowie große Teile des nördlichen Burgenlandes) alle Sendeplätze bereits vergeben wurden.

Inwieweit ist das aktuelle Senderangebot hinreichend, um DAB+ in Österreich zum Durchbruch zu verhelfen?
Um das Ökosystem „Radio“ in Österreich weiter entwickeln zu können, muss der Gesetzgeber sowohl das ORF-Gesetz liberalisieren, als auch das Privatradiogesetz ändern. Ziel ist, dass die ORF-Sender Teil der Digitalradiofamilie werden und die privaten Anbieter mehr als zwei Programme ausstrahlen können. 

Welche Rahmenbedingungen sollten aus Ihrer Sicht noch angepasst werden?
DAB+ hat sich als zentrale Zukunftsplattform für Radio in Europa fest etabliert. Millionen von Zuhörern profitieren von der zusätzlichen Auswahl und der Programmvielfalt, während die privaten Programmanbieter ein neues Publikum erreichen und wachsende Einnahmen erzielen. Einer der Treiber dieser Entwicklung ist die EU-Vorgabe, wonach ab 2020 in Neuwagen nur noch DAB+ – taugliche Radios verbaut werden dürfen.
In diesem Zusammenhang appelliere ich an unseren österreichischen Gesetzgeber, den European Electronics Communication Code (EECC) zeitnahe in nationales Recht umzusetzen und neben der UKW- auch die DAB+ Empfangsmöglichkeit in allen neuen Radioendgeräten verpflichtend vorzuschreiben.