Webcam im Studio, Clips von Gästen – welche visuellen Inhalte braucht das moderne Radio heute und in Zukunft?
Radio entwickelt sich immer weiter. In den letzten Jahren von einem rein linearen Audio-Angebot hin zu einem Multi-Channel / Multimedia-Produkt. Da Radio die Welt um sich herum spiegelt, werden zukünftige Technologien mit Sicherheit aufgegriffen und genutzt werden. Wearables wie die Apple Watch sind hier nur ein Beispiel. Dabei orientiert sich das Angebot an der Nachfrage. Wenn Radio-Macher erkennen, dass die Hörer in der U-Bahn auf einem Smartphone Musik hören und dem Moderator im Live-Stream sehen wollen, werden entsprechende Angebote auch ganz schnell in der Breite ausgebaut werden.
BBC-Moderator Greg James bricht mit einem Video mit Talyor Swift gerade Click-Rekorde. Welche besonderen Videoformate gibt es in Ihrem Hause?
Wir streamen seit einigen Monaten stundenweise die Jochen Bendel Show am Samstagvormittag; und das mit großem Erfolg. Darüber hinaus stellen wir ganz klassisch Videocontent auf YouTube und Facebook ein.
Nutzen Sie Meerkat, Periscope oder ähnliche Streaming-Apps – und wenn ja für welche Übertragungen?
Für die Jochen Bendel Show setzen wir Facebook Mentions ein. Mit Periskope und anderen Streaming-Lösungen laufen derzeit interne Tests. Unser Ziel ist es natürlich, Video-Content zeitgleich auf möglichst vielen Plattformen anzubieten. Facebook, Periscope, YouTube, die eigene Website. Wir wollen die Hörer dort abholen, wo sie gerade sind.
Der neuste Social-Media-Hype ist der Versand von Bildern oder Clips über Snapchat. Wie ist Ihr Haus auf Snapchat unterwegs?
Noch gar nicht. Snapchat ist derzeit ein recht „junger“ Trend und die Zielgruppe von Radio Arabella ist deutlich älter. Aber ganz klar: Sobald sich Snapchat entsprechend weiterentwickelt, werden wir auch diesen Kanal bedienen.
Wie muss sich die Ausbildung von Radiojournalisten für die Produktion multimedialer Inhalte künftig ändern?
Jungen Kollegen müssen journalistisch und technisch gleichermaßen sattelfest sein. Die Radio-Macher der Zukunft recherchieren ihre Themen am Computer, holen die Töne mit dem iPhone, bearbeiten die OnAir-Beiträge schon während einer Pressekonferenz und kümmern sich selbst noch um die Online-Verwertung. Die Inhalte sind von Anfang bis Ende digital, und wer hier nicht die ganze Bandbreite an Verwertungsmöglichkeiten nutzt, hat schon verloren. Die festen Grenzen zwischen Radio-, Online-, Video- und Print-Journalismus verschwinden ja immer mehr. Was bleibt ist der Journalist, der Inhalte medienübergreifend erstellt, wenngleich natürlich mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Dementsprechend breit aufgestellt muss auch die Ausbildung sein.



