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Interview17.08.2016

Die Weichen sind auf DAB+ gestellt

Was jetzt noch fehlt, um die UKW-Versorgung aufzugeben und warum vor allem der Bund beim digitalen Infrastrukturausbau in der Pflicht ist

Michael Richter, Vorstandsvorsitzender der Digital Radio Plattform e. V. Quelle: Michael Richter Dipl. Ing. (FH) Michael Richter Vorstandsvorsitzender Digital Radio Plattform
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Alexander Hiller
Redakteur
Meinungsbarometer.info
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"Die Weichen auf DAB+ sind gestellt". Das sagt der Vorstandsvorsitzende der Digital Radio Plattform, Michael Richter. Sein Verband, der zu den maßgeblichen Akteuren der DAB+ Einführung in Deutschland gehört, hat sich vor allem bei der technischen Versorgung mit Digitalradio in den Verkaufsmärkten und Produktionsstätten große Meriten erworben. Jetzt ist vor allem der Bund beim weiteren digitalen Infrastrukturausbau in der Pflicht, so der Digitalradio-Experte. "Erst dann könnte im nächsten Schritt die UKW-Versorgung schrittweise aufgegeben werden und ein Abschalttermin offen kommuniziert werden."





Vor 5 Jahren begann die Einführung von DAB+ in Deutschland. Wie fällt Ihre bisherige Bilanz aus?
Der Start des bundesweiten Digitalradio-Multiplex als DAB+ Technologie und entsprechender Sendeleistung mit bis zu 10 KW im Kanal 5C war ein historischer Schritt. Erstmalig war es möglich nun auch privates Radio bundesweit und regional im DAB+ mit gutem Indoor-Empfang zu hören. Von damals 27 bundesweiten Standorten wuchs die Versorgung kontinuierlich. Bis Ende des Jahres sollen 110 Sendestandorte in Betrieb sein. Also insgesamt eine richtige Entscheidung und eine positive Bilanz.

Als Vorstandsvorsitzender der Digital Radio Plattform haben Sie einen maßgeblichen Anteil an der Einführung von DAB+ in Deutschland. Welche Aufgaben konnten erfolgreich bewältigt werden, wo gibt es noch Handlungsbedarf? Stichwort Installation von Repeatern beim Elektrohandel!
Handlungsbedarf gab es bei der Versorgung mit Digitalradio in den Verkaufsmärkten und Produktionsstätten. In der Regel ist hier baulich bedingt kein direkter Antennenempfang möglich. Unser Verein hat deshalb eine Repeater-Lösung gesucht und ein Verfahren zur Lizensierung entsprechender Repeater-Hardware erarbeitet. Dies ist in zahlreichen Verkaufsmärkten bereits umgesetzt worden. Damit kann jeder Kunde im Verkaufsmarkt einen Digitalradio-Test durchführen und eine Kaufentscheidung treffen. Handlungsbedarf gibt es im Moment noch in den Regionen, die jetzt erst ausgebaut werden.

In letzter Zeit melden sich auch kritische Stimmen zu Wort. Wie kann es gelingen, noch mehr regionale private Veranstalter ins Digitalradio zu überführen? Braucht es neue Allianzen zwischen Öffentlich-Rechtlichen und Privaten?
Für die bisherigen privaten Veranstalter ist die gleichzeitige Verbreitung von UKW und Digitalradio in der "Simulcastphase" ein finanzielles Problem. Aber auch die neuen Marken im Digitalradio sind an einem raschen Systemwechsel interessiert. Hier muss es jetzt gelingen bundesweite Regelungen zu schaffen, um nicht mehr benötigte UKW-Frequenzen komplett aus dem System einzuziehen, damit UKW-Geld für die Digitalradioversorgung frei wird. Die Sicherung der Errungenschaft eines freien, unentgeltlichen Radioempfangs in Deutschland bzw. in ganz Europa steht an erster Stelle. Deshalb ist der Bund beim digitalen Infrastrukturausbau mit in der Pflicht. Aber es gilt die Forderung nach einer gleichen Behandlung des Aufbaus einer digitalen Internet-Infrastruktur per Kabel und Mobilfunk und den Aufbau einer flächendeckenden digitalen Antenneninfrastruktur für das Digitalradio privater und öffentlich-rechtlicher Veranstalter.

Um die Gunst der Radiohörer buhlt auch das Internetradio. Wie sollte der Umgang mit der Netzkonkurrenz aussehen und warum bleibt das terrestrische Radio künftig trotzdem unabdingbar?
Internet-Radio ist eine gute Ergänzung aber keine Konkurrenz. Deshalb sollten die Hörer sich Mehr-Normenempfänger mit UKW, DAB+ und Internet anschaffen. Jedes System hat Stärken und Schwächen. Digitalradio ist ganz klar ein unabhängiges für die flächendeckende Massenkommunikation geeignetes, auch im Krisenfall per Antenne verfügbares Antennenradiosystem. Internetradio ein kostenpflichtiges und begrenzt verfügbares aber individuelles Kommunikationssystem. Die Nutzung beider Systeme bringt dem Hörer Vorteile. Deshalb ist terrestrisches Radio mittels DAB+ unabdingbar.

Handel und Endgeräteindustrie fordern immer lauter einen definitiven UKW-Abschalttermin. Wann wird im Sinne des Verbraucherschutzes ein Abschalttermin offen kommuniziert?
Der bundesweite Digitalradio-Ausbau ist in vollem Gange, gleichzeitig setzt sich die Radiobranche in Deutschland mit dem Thema Digitalradio und einer Roadmap aktiv auseinander. Damit sind die Weichen auf DAB+ gestellt, auf eine qualitativ bessere, umweltfreundliche und zukunftsfähigere digitale Radiotechnologie zu wesentlich niedrigen Kosten. Im nächsten Schritt könnte dann die UKW-Versorgung schrittweise aufgegeben werden und ein Abschalttermin offen kommuniziert werden. Da ist man in Norwegen und der Schweiz heute weiter.

Wie sollten die weiteren Ausbaupläne für Digitalradio aussehen und wann lassen sich die letzten weißen Flecken im DAB+ Sendernetz in Deutschland schließen?
Eine rasche Flächendeckung wünscht sich jeder Digitalradio-Hörer. Hier sind die Programmveranstalter und der Netzbetreiber gefordert, den Ausbauplan aufzustellen, umzusetzen und zu kommunizieren.

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