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22.10.2021
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DAS GEHEIMNIS VON GUTEM KINDERPROGRAMM

Was bei jungen Zielgruppen funktioniert und welches No Go es gibt

Birgitta Kaßeckert, Leiterin Kinderprogramm beim BR

Birgitta Kaßeckert, Leiterin Kinderprogramm beim BR [Quelle: BR]


"Unsere Zielgruppe (3-13) ist sehr heterogen - und wenn es der Kundschaft nicht gefällt, ist sie weg", sagt Birgitta Kaßeckert, Leiterin Kinderprogramm beim BR. Inhaltlich setzt der BR auf Vielfalt, wichtig für den Erfolg sind aber sehr ganz verschiedene Dinge.


Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erfolgsfaktoren für ein Kinderprogramm im Radio?
Kinderprogramm ist eine Königsdisziplin: Unsere Zielgruppe (3-13) ist sehr heterogen - und wenn es der Kundschaft nicht gefällt, ist sie weg! Wir müssen also wissen, wie unsere Zielgruppe tickt. Dabei helfen uns das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) oder unser User Lab, das Nutzer unserer Programme befragt. Im direkten Kontakt mit der Zielgruppe können wir Inhalte evaluieren, überprüfen und nachjustieren.

Gutes Kinderprogramm spiegelt die Vielfalt des Lebens und ermöglicht Kindern, an diesem aktiv teilzuhaben. Kinderprogramm muss also viel leisten: Spaß machen und dabei entspannen, die Phantasie anregen, erklären, wie und warum unsere komplexe Welt so funktioniert, ermutigen, Fragen beantworten oder Impulse für Fragen setzen, die Kinder stellen können...  Das funktioniert nur, wenn sie sich mit den Inhalten identifizieren können: Die Ansprache muss auf Augenhöhe der Kinder stattfinden und ihre Lebenswelt abbilden. Im besten Fall sorgen die auditiven Möglichkeiten des Radios nicht nur im fiktionalen Bereich dafür, dass Kopfkino und Phantasie angeregt und Kinder ins Thema reingezogen werden. Ein absolutes No-Go: langweiliges Programm! Wir bedienen alle Genres (Magazin, Reportagen, Wissenssendungen, Hörspiel, Mitmach-Sendungen, fiktionales Programm) und produzieren Kinder-Podcasts.

Ganz entscheidend: Das Programm muss auf jenen Ausspielwegen zur Verfügung gestellt werden, auf denen Eltern und Kinder tatsächlich unterwegs sind: im linearen Programm genauso wie im Digitalen, etwa auf den einschlägigen Podcast-Plattformen.


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DIE DOKUMENTATION DIESER FACHDEBATTE

Welche journalistischen Formate und Darstellungsformen aus Ihren Programmen stoßen bei der jungen Zielgruppe auf besonders große Resonanz?
Alle Formate, in denen Kinder eine erkennbare Rolle spielen: als Kinderreporterinnen und -reporter, Stichwortgebende, Erzählende aus der eigenen Lebenswelt oder als Aktive bei Mitmachsendungen. Auch Formate mit "erwachsenen" Reportern (z.B. das Lachlabor) funktionieren gut, weil sie Themen aus der Perspektive der Kinder aufgreifen. Sehr erfolgreich ist gerade unser Wissenspodcast CheckPod mit Checker Tobi und einem Kinderhost. Hier haben wir - wie beim Podcast „Anna und die wilden Tiere" - eine erfolgreiche TV-Marke in den Audiobereich adaptiert. Und unser 70 Jahre alter Evergreen, das „Betthupferl", ist auch auf der Plattform Alexa sehr erfolgreich.

Mit welchen interaktiven Programm-Elementen sprechen Sie die Phantasie Ihrer jungen Hörer an?
Bei unserer Kindernachrichten-Sendung "Frag mich!" arbeiten wir mit dem „Podcastofon". Über die +49 171 839 89 41 können uns Kinder Sprachnachrichten mit Fragen, Kommentaren, Themen schicken - oder sich als Kinderhost bewerben. "Radio Mikro Megafone" ist eine Diskussionsrunde, in der eine feste Kindergruppe über aktuelle Themen diskutiert.  Es gibt Rätselsendungen und Aufrufsendungen mit und ohne Experten – alle über „Call in" zum Mitmachen.

Wie wichtig ist es, auch die Eltern der jungen Zielgruppe von den Programmen zu überzeugen?
Die Eltern sind die ersten Gatekeeper! Sie müssen vom Programm überzeugt sein und zumindest am Anfang den Einschalt- oder Abrufimpuls setzen. Ein Geheimnis von gutem Kinderprogramm ist, dass es auch für junggebliebene Erwachsene attraktiv ist und Kinder so auch nebenbei an Kinderradio oder Podcastprogramme herangeführt werden.

Wie werden Ihre Kinderprogramme in Ihrem Haus Programm-übergreifend unterstützt?
Die Kindernachrichtensendung "Frag mich" entsteht in Zusammenarbeit mit der Nachrichtenredaktion von BR 24. Außerdem gibt es Cross Promotion auf vielen Ebenen (Hörfunk, Fernsehen, Digital) im BR und in der ARD.