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17.02.2019
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CD ODER DVD WERDEN IN BIBLIOTHEKEN KEINE ZUKUNFT HABEN

Welche Angebote dafür im Kommen sind

Johannes Borbach-Jaene, Vorsitzender für die öffentlichen Bibliotheken im Verband der Bibliotheken des Landes Nordrhein-Westfalen e.V. und Direktor der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund

Johannes Borbach-Jaene, Vorsitzender für die öffentlichen Bibliotheken im Verband der Bibliotheken des Landes Nordrhein-Westfalen e.V. und Direktor der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund [Quelle: Stadt- und Landesbibliothek Dortmund/ Hans-Christian Wirtz]


"Bibliotheken werden stärker genutzt als je zuvor", konstatiert Johannes Borbach-Jaene. Der Vorsitzende für die öffentlichen Bibliotheken im NRW- Bibliotheks-Verband sieht, wie die Einrichtungen für viele Menschen gerade in der digitalen Welt als Arbeits-, Lern- und Wohlfühlorte wichtig sind.


Mehr und jüngere Nutzer – die Digitalisierung ist eine Chance für die Bibliotheken. Welche digitalen Angebote werden bei Ihnen besonders genutzt?
Die digitalen Angebote der Bibliotheken decken heute fast die gesamte Bandbreite der digitalen Medien ab, angefangen von Apps mit Kinderbüchern, über Krimis und Romanen als eBook, Tageszeitungen und Publikumszeitschriften, Musikstreaming, Videotutorials bis zur Fachinformation in eBooks und eJournals. Alle diese Angebote sind über unsere Bibliothekssuchmaschine die Digibib plus schnell und einfach zu finden und werden in ihrer gesamten Breite sehr gut angenommen. Aber nicht nur unsere digitalen Inhalte sind gefragt. Auch die digitale Infrastruktur in den Bibliotheken wie z.B.  WLAn-Zugänge,  Arbeits- und Internet-PCs und Scan- und Druckmöglichkeiten werden sehr gut genutzt.

Video- und Audiostreams oder E-Book-Fernleihe - wie werden sich solche Angebote Ihrer Ansicht nach auf die Zukunft von Präsenzbibliotheken auswirken?
In Zusammenhang mit der immer schneller voranschreitenden Digitalisierung wurde schon recht früh Anfang der Nullerjahre der Niedergang der Bibliotheken vorhergesagt. Alles wäre ja dann Online von überall aus verfügbar und die Bibliothek als Ort hätte sich überlebt. Allerdings ist in den letzten Jahren eine ganz gegenteilige Entwicklung zu beobachten. Bibliotheken werden stärker genutzt als je zuvor. Als Arbeits-, Lern- und Wohlfühlorte stellen sie gerade in der digitalen Welt eine wichtige Anlaufstation für viele Menschen dar. Dies wird auch durch neue Formate des Lernens wie z.B. das Lernen in Gruppen unterstützt. Auch für die Zukunft werden Bibliotheken hier eine wichtige Rolle spielen. Einzelne Medienformen wie z.B. CDs oder DVDs werden aber in den Bibliotheken keine Zukunft haben, da Streaming hier die Nutzungsform der Zukunft sein wird.

Die Digitalisierung stellt auch große Herausforderungen an die Mitarbeiter. Wie gehen Sie die anstehenden Veränderungen an? 
Für die Beschäftigten in den Bibliotheken stellen die immer schneller werdenden Veränderungen eine große Herausforderung dar. Fortbildungen sind dabei ein wichtiger Baustein, um die sich ständig ändernden Anforderungen zu bewältigen. Das Land Nordrhein-Westfalen bietet hier mit der vom Zentrum für Bibliotheks- und Informationswissenschaftliche Weiterbildung der TH Köln organisierten landesweiten Fortbildung für Beschäftigte der öffentlichen Bibliotheken ein wichtiges Angebot. Auch der interne Wissendtransfer in der Bibliothek muss gestärkt werden. Potentiale einzelner Beschäftigter müssen erkannt und für die Bibliothek nutzbar gemacht werden. Nicht zuletzt sollte bei der Neubesetzung offener Stellen auf die richtige Qualifikation der Bewerberinnen und Bewerber geachtet und ggf. auch bibliotheksfremde Qualifikationen wie z.B. Medienpädagogen berücksichtigt werden.

41 Prozent der Bibliotheken fühlen sich in Sachen Digitalisierung „sehr gut“ oder „eher gut“ von der Politik unterstützt. Was wünschen Sie sich von den zuständigen Stellen?
Bibliotheken sollten in die digitalen Gesamtstrategien von Bund, Land und Kommunen eingebunden sein. Insbesondere im Bereich der Digitalen Infrastruktur, der Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz und bei der Bereitstellung von lizensierten digitalen Informationsangeboten sind sie ein wichtiger Partner von Bildungseinrichtungen wie z.B. Schulen, Kindertagestätten oder Berufskolleg. Auch unterstützen sie das in der digitalen Gesellschaft immer wichtiger werdende Thema des lebenslangen Lernens. Zur Umsetzung dieser Aufgaben brauchen die Bibliotheken Unterstützung im Bereich der Qualifikation ihrer Beschäftigten z.B. durch landesweite Fortbildungsangebote, finanzielle Unterstützung bei der Schaffung der digitalen Infrastruktur z.B. durch die Förderung von breitbandigen Glasfaseranschlüssen und schnellem WLAN für Bibliotheken, Unterstützung bei der Einrichtung und Unterhaltung von modernen Suchportalen wie z.B. der Digibib plus sowie bei der Lizensierung digitaler Inhalte in Konsortien oder Einkaufsgemeinschaften.