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Interview01.09.2016

Baden-Württemberg testet Baustellenwarner

Warum auch eine Car-to-Car-Kommunikation wünschenswert wäre, aber viele digitale Technologien noch nicht serienreif sind

Winfried Hermann, Minister für Verkehr Baden-Württemberg Quelle: Ministerium für Verkehr Winfried Hermann Minister Landesregierung Baden-Württemberg
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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Baden-Württemberg will ab 2017 testweise einen digitalen Baustellenwarner für mehr Verkehrsicherheit auf den Autobahnen einführen. Überhaupt bieten sich nach Einschätzung von Winfried Hermann, Minister für Verkehr Baden-Württemberg, "digital sehr viele Technologien". Jedoch seien davon noch nicht alle serienreif, so der Minister. Wünschenswert wäre beispielsweise eine Car-to-Car-Kommunikation.





Welche technischen Mittel setzen Sie ein, um den Verkehr auf den Autobahnen besser fließen zu lassen?
Mit Hilfe der Verkehrsdatenerfassung zählen wir die Fahrzeuge und erhalten so Erkenntnisse über die Verkehrsstärken, Ganglinien, Verkehrszusammensetzung (Pkw, Schwerverkehr). Diese Informationen sind wichtig für alle weiteren Maßnahmen und geben die Möglichkeit Prioritäten zu setzen. Außerdem kommen Verkehrsbeeinflussungsanlagen zum Einsatz. Das sind etwa Netzbeeinflussungsanlagen. Sie geben Umleitungsempfehlungen z.B. bei Sperrungen oder Staus. Oder Streckenbeeinflussungsanlagen informieren die Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer über Ereignisse und regeln mit digitalen Verkehrszeichen den Verkehr (Geschwindigkeitsbeschränkung, Überholverbote, etc.). Damit wird der Verkehrsfluss verstetigt. Temporäre Seitenstreifenfreigaben erhöhen beispielsweise in den morgendlichen und abendlichen Spitzenzeiten die Kapazität der Straßen. Informationsmedien wie etwa freiprogrammierbare Textanzeigen über den Autobahnen geben aktuelle Hinweise für den jeweiligen Streckenabschnitt. Auf den Anzeigen steht dann z.B. ‚Stau Anschlussstelle X‘ oder ‚Stuttgart-Messe hier ausfahren‘. Autobahnwebcams und die Verkehrsinformationen im Internet geben den Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern die Möglichkeit, sich vor und während der Fahrt über die Verkehrsverhältnisse zu informieren.

Welche Möglichkeiten bieten digitale Technologien für die Stau-Warnung und wie werden diese in Ihrem Bundesland genutzt??
Digital bieten sich sehr viele Technologien, jedoch sind noch nicht alle serienreif. Die Car-to-Car-Kommunikation, auch Kooperative Systeme genannt, bietet die Möglichkeit, dass vorausfahrende Fahrzeuge nachfolgende Fahrzeuge über Ereignisse warnen. Bislang gibt es jedoch fast keine Fahrzeuge die mit dieser Technologie ausgestattet sind. Überdies müssen die Systeme verschiedener Hersteller mit einander kompatibel sein.Baden-Württemberg testet im Verbund mit anderen Bundesländern sowie den Niederlanden und Österreich ab 2017 den sogenannten Baustellenwarner. Dieses System warnt herannahende Fahrzeuge vor Baustellen und zeigt die Verkehrsverhältnisse vor Ort an.Eine weitere Möglichkeit ist auch, dass den örtlichen Polizeirevieren bekannte Verkehrsstörungen in Echtzeit in den Navigationssystemen angezeigt werden. Damit würde ein wesentlicher Beitrag zur Stauvermeidung, aber auch zur Verkehrssicherheit geleistet. Auffahrunfälle am Stauende könnten damit vermieden werden. Erfolgreich erprobt wurden diese Systeme im Rahmen des Projektes Navigar. Wichtig ist aber die Beteiligung der Hersteller und Dienstleister von Navigationssystemen.Erweiterungen des Informationsangebotes an denen das Land Baden-Württemberg für Verkehrsteilnehmende arbeitet sind beispielsweise mehr Autobahn-Webcams, mehr Reisezeitinformationen („Stuttgart 20 Min.“), Reiseverlustzeiten („Stuttgart + 20 Min.“) oder eigene Apps zur schnelleren Verfügbarkeit für mobile Endgeräte.

Welche Rolle spielen rundfunkbasierte Technologien für die Verkehrssicherheit und die Stauvermeidung?
Verkehrsmeldungen via Rundfunk sind heute, aber auch in Zukunft immer noch eines der wichtigsten Informationsquellen. Es werden die meisten Fahrzeuge erreicht, das Zusammenwirken von Verkehrswarndienst und Rundfunksendern ist eingespielt und die Informationen sind aktuell, in Echtzeit und quasi kostenlos. Das wird auch bei der Umstellung auf digitales Radio so bleiben.

In einzelnen Bundesländern gibt es ein ausgeklügeltes Baustellenmanagement für Autobahnen. Wie ist das in Ihrem Bundesland?
Mindestens genauso ausgeklügelt: Bei der Planung von Baustellen sind immer die Straßenbaubehörden, die Straßenverkehrsbehörden und die Polizei beteiligt. Bevor eine Baustelle eingerichtet wird, gibt es eine Fülle von Absprachen und Koordinationen, damit die Auswirkungen so gering wie möglich gehalten werden. So muss Umleitungsverkehr oder zusätzlicher Lärm und Abgase vermieden werden. Ein Leitfaden, der für alle Baustellen verbindlich anzuwenden ist, sorgt dafür, dass keine Aspekte vergessen werden.Einige Beispiele:

·          Aufrechterhaltung aller Fahrstreifen. Nach Möglichkeit keine Wegnahme einzelner Fahrstreifen auf Autobahnen.

·          Aufrechterhaltung einer durchgehenden hohen Geschwindigkeit von 80 km/h. Damit wird der größte „Durchsatz“ erreicht.

·          Ausreichende Fahrstreifenbreite, damit auch Fahrzeuge mit einer zulässigen Breite über alles (=Spiegel) jeden Fahrstreifen nutzen können. Fahrstreifenbreite von 2,60 Meter ist für Fahrzeuge der Golf-Klasse geeignet.

·          Bündelung von Baustellen, z.B. Fahrbahnarbeiten und Sanierungsarbeiten an den Brückenbauwerken werden immer gleichzeitig vollzogen.

·          Keine Baustellen auf den Umleitungsstrecken.

·          Abstimmung von Baustellen mit anderen Bundesländern, ggf. auch Nachbarstaaten.

·          Information in Tagespresse, Internet und über die Straßenverkehrszentrale. Gegebenenfalls Informationen zu erweiterten Angeboten anderer Verkehrsträger wie z.B. ÖPNV.

Zusätzlich arbeiten wir an der Einführung eines Slotmanagement, damit Tagesbaustellen nur in freien Zeitfenstern durchgeführt werden. Das führt zu einer deutlichen Verlegung von Arbeiten in schwache Zeiten, in die Nacht oder auch zum Teil an Wochenenden.

Im kommenden Jahr geht das automatische Notrufsystem eCall an den Start. Die anfallenden Daten könnten auch zur Stauvermeidung genutzt werden – wie stehen Sie dazu?
Grundsätzlich sollten nur offizielle Informationen an die Verkehrsteilnehmenden weiter gegeben werden, also Meldungen von amtlichen Stellen wie dem Verkehrswarndienst der Polizei. Im Sinne der Kooperativen Systeme wie oben genannt kann ein verunfalltes Fahrzeug andere nachfolgende Fahrzeuge warnen. Insofern kann die Nutzung von eCall-Daten sinnvoll sein. Daten werden nur bei ausgelöstem eCall gesendet, also bei ausgelöstem Airbag, Lagesensor (Gyroskop) oder manuell. Dabei ist darauf zu achten, dass beim Datentransfer keine personenbezogenen Daten versendet werden.

 

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